Der Dreifuß

Entstanden ist der Neokatechumenale Weg aus der Inspiration des Heiligen Geistes, der sich in der Lebenserfahrung zunächst weniger Menschen gezeigt hat. Wie vom II. Vatikanum hervorgehoben wurde, beruht das christliche Leben auf Wort – Liturgie – Gemeinschaft, dem sog. Dreifuß, der auf dem Neokatechumenalen Weg eine besondere Ausprägung bekommen hat.

 

Das Hören des Wortes Gottes

bewegt den Menschen, erleuchtet ihn über seine Lebenswirklichkeit, bringt ihn in seine wahre Dimension als Kind Gottes. Gott spricht zu den Menschen durch die Lebensfakten; das Wort erleuchtet diese Fakten und zeigt Gottes Anwesenheit. Wöchentlich begeht jede Gemeinschaft des Neokatechumenalen Weges eine Feier des Wortes mit Lesungen zu biblischen Themen, die dem jeweiligen Stand der Gemeinschaft entsprechen. Diese Lesungen werden von einer Gruppe aus der Gemeinschaft vorbereitet. In der Wortliturgie werden sie eingeleitet und proklamiert.

 

Anschließend gibt es Gelegenheit zum „Echo des Wortes“: Was sagt das Wort dem Einzelnen? Kann er es auf seine aktuelle Lebenssituation beziehen? Jeder Neokatechumene kann sich äußern, was das verkündete Wort ihm persönlich und konkret sagt. Die folgende Homilie des Priesters legt das Wort gemäß dem Lehramt der Kirche aus und aktualisiert es ins Heute, in das Leben der Neokatechumenen.

Die Liturgie ist die Feier des Handelns Gottes zugunsten des Menschen.

Aus ihr, besonders aus der Eucharistie, strömt alle Kraft der Kirche.


Der zentrale Charakter der Eucharistie wird auf dem Neokatechumenalen Weg durch das besondere Erleben ihrer Verankerung im Ostermysterium Jesu Christi betont. Bildet die jährliche Osterfeier das Zentrum des Neokatechumenats, so ist ihre Aktualisierung in der Sonntagseucharistie wöchentlicher Angelpunkt. Auch der Ursprung der Taufe im Tod und der Auferstehung Christi erklärt den Stellenwert des österlichen Geheimnisses im gesamten Neokatechumenat.


Die Eucharistiefeier auf dem Neokatechumenalen Weg enthält manche vertiefende Elemente, die ihm innerhalb des römischen Ritus zugestanden werden. In der Regel feiert die Gemeinschaft nach der ersten Vesper des Sonntags, also am Samstagabend, die Eucharistie. Sie ist Teil der Pastoral der Pfarrei und steht daher auch anderen Gläubigen offen. Die Feier in einer kleinen Gemeinschaft lässt Kirche intensiver und persönlicher erfahren. Charakteristika dieser Feier sind:

  • Beide Sonntagslesungen und das Evangelium werden von einer Gruppe aus der Gemeinschaft vorbereitet und eingeleitet.
  • Vor der Predigt des vorsitzenden Priesters wird eingeladen, ein „Echo des Wortes“ zu geben. Jeder kann ausdrücken, wie sich das gehörte Wort im eigenen Leben konkretisiert und dies mit der Gemeinschaft teilen.
  • Bereits nach den Fürbitten gibt man sich den Friedensgruß.
  • Die Kommunion wird unter beiderlei Gestalten stehend am eigenen Platz empfangen. Für den Leib Christi verwendet man ungesäuertes Brot aus Weizenmehl und Wasser, das den Mahlcharakter des Messopfers unterstreicht.


Die Neokatechumenen werden schrittweise in den Gebetsschatz der katholischen Kirche eingeführt. So beten sie ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Glaubensformung täglich das Stundengebet. Auch Formen der Hauskirche werden eingeübt: Eltern beginnen, miteinander und mit ihren Kindern zu beten. Die gemeinsame Laudes am Sonntag ist ein wichtiger Ort der Übergabe des Glaubens an die Kinder.


Dem Sakrament der Buße und Versöhnung kommt ein besonderer Stellenwert zu. Gefeiert wird alle vier bis sechs Wochen nach dem Ritus der gemeinschaftlichen Feier der Versöhnung mit Gelegenheit zur individuellen Beichte. 

Der Glaube ist darauf angelegt, sich mitzuteilen und gemeinsam gelebt zu werden.

Im Gegensatz dazu steht das Verständnis, dass der Glaube Privatsache bliebe: Ich und mein Gott. Gott selbst aber wollte die Menschen nicht einzeln, sondern als ein Volk erwählen und heiligen (II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 9). Ohne eine lebendige Gemeinschaft kann sich der Glaube nicht richtig entfalten. Der Ort für das Glaubenserleben und -wachstum ist deshalb die Kirche. Damit dieses Wachstum in allen Aspekten und intensiv geschehen kann, ist der Rahmen des Neokatechumenalen Weges die überschaubare Gemeinschaft. In ihr aktualisiert sich die Universalkirche für jeden Einzelnen konkret. So wie die Israeliten als Volk aus Ägypten ins Gelobte Land gezogen sind, sieht sich die Kirche als wanderndes Volk durch die Geschichte. In einer neokatechumenalen Gemeinschaft wird diese Kirche Realität, greifbar als Menschen, die sich gemeinsam auf einem Weg des Glaubens befinden.

 

Neben den liturgischen Feiern realisiert sich die gemeinschaftliche Dimension des Neokatechumenalen Weges vor allem durch monatliche „Konvivenzen“ (Einkehrtage). Sie bieten ein vertrauliches Forum, sich über eigene Glaubenserfahrungen, Schwierigkeiten und Erlebnisse auszutauschen und Ermutigung zu bekommen. Der Einzelne entdeckt so – nicht zuletzt durch den ständigen Austausch mit denselben Brüdern und Schwestern – das eigene Umkehrbedürfnis und lernt, den Anderen mit seinen Schwächen zu lieben. So wird erfahrbar, dass der Heilige Geist die wahre Kommunion (Einheit) in der Kirche schafft.

 

Intensives Erleben der Gemeinschaft, geistliches Wachstum durch das Hören des Wortes Gottes und das Feiern der Sakramente, ständige Einladung zur existenziellen Umkehr und weitere Hilfen führen zu einer wachsenden Verbundenheit der Neokatechumenen untereinander. Oft entsteht aus Dankbarkeit die Bereitschaft, sich für verschiedene missionarisch-katechetische Projekte zur Verfügung zu stellen: z. B. als Gemeindekatecheten, Katechisten, Familien in Mission, Familien „ad gentes“, Itineranten. Die Gemeinschaft bildet auch einen Nährboden für geistliche Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben, Jugendliche werden zur Entdeckung und Realisierung der eigenen Berufung geführt. So nehmen die Neokatechumenen auf vielfältige Art an der missionarischen Sendung der Kirche persönlich teil: Licht, Salz und Sauerteig der Welt zu sein.

 

Einheit und Liebe sind Zeichen, die die Gemeinschaft langsam, aber deutlich gibt. Sie eröffnen dadurch Chancen, diejenigen anzusprechen und zu erreichen, die den Zugang zur Kirche auf gewöhnlichen Wegen bereits verloren haben.

Ein Team, bestehend meistens aus 1-2 Ehepaaren, einem Priester und 1-2 Alleinstehenden, das für die Durchführung des Neokatechumenalen Weges in der jeweiligen Gemeinschaft zuständig ist. Katechisten halten die Anfangskatechese und begleiten die Gemeinschaft durch alle Etappen hindurch bis zum Ende des Weges. Ihre Rolle ist mit der Paten-Institution in der alten Kirche vergleichbar, die für die Einführung der Katechumenen in die christliche Glaubenstiefe Verantwortung trugen.

Oft kinderreiche Familien, die ihre Heimat verlassen und sich im Geist der Dankbarkeit und aus Liebe zu Christus und zur Kirche dort niederlassen, wo das Christentum entweder noch keine oder keine vitale Kraft mehr darstellt. Die Familien nehmen an der Neu-Evangelisierung teil, um so zur "implantatio ecclesiae", Einpflanzung der Kirche, beizutragen.

Eine spezielle Form der Familien in Mission: 3-4 Familien "ad gentes", die ihre Heimat verlassen haben, bilden in Begleitung eines Priesters und eines Seminaristen eine Gemeinschaft am Ort ihres Wirkens. Sie verkündigen durch Wort und Tat in verschiedenen Situationen das Evangelium denjenigen, die durch die herkömmliche Pastoral in der Gemeinde nicht erreicht werden. In der Missio "ad gentes" geht es um die "Heiden" (gentes), d. h. fernstehende oder ungetaufte Menschen, für die man neue Evangelisierungsformen benötigt, damit sie zu Christus und zur Kirche finden können.

Ein besonderer Dienst von Familien, Priestern, Seminaristen, die Evangelisierungsteams bilden, um in einem bestimmten Gebiet (Nation, mehrere Nationen, Sprachgebiet, Region, Diözese usw.) die Durchführung des Neokatechumenalen Weges für die Gemeinschaften vor Ort zu leiten bzw. sie zu verantworten. Die Zusammensetzung dieser Teams wird im Einvernehmen mit dem internationalen Itineranten-Team bestimmt, bestehend aus den beiden Initiatoren des Neokatechumenalen Weges: Kiko Argüello und Carmen.

Priesterseminar Redemptoris Mater Köln

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