Der Neokatechumenale Weg

Weite und Tiefe bestimmen den Neokatechumenalen Weg: Einen Weg zu Gott, zu sich selbst durch die eigenen Tiefen. Sich selbst und den anderen annehmen zu lernen gehört dazu. Das geht nicht „mal eben“, das braucht Zeit. Sich auf Gemeinschaft einzulassen bedeutet, Verbindlichkeiten einzugehen. Der Neokatechumenale Weg bewegt, ist jedoch keine Bewegung. Er ist ein Instrument der römisch-katholischen Kirche zur Einführung von Erwachsenen und Jugendlichen in den christlichen Glauben und richtet sich in der Regel an bereits getaufte Christen. Dabei steht die persönliche Glaubenserfahrung im Mittelpunkt. Sie für sich selbst existenziell zu machen und durch Mission weiterzutragen ist Ziel des Weges.

 

Phasen des Neokatechumenalen Weges

1. Phase: Vorkatechumenat

Ziel der ersten Phase des Weges, des sog. Vorkatechumenats, ist, den Menschen, zur Erkenntnis seiner Wirklichkeit und dadurch zur Demut anzuleiten. Sie besteht aus zwei Etappen:

 

Nach einer Anfangskatechese durch ein Katechistenteam entsteht eine Gemeinschaft. Sie trifft sich wöchentlich zu einer  Wortliturgie zu bestimmten biblischen Themen und zu einer Eucharistiefeier am Samstagabend.

 

Die erste Etappe des Vorkatechumenats wird durch das erste Skrutinium abgeschlossen: eine intensive, existenzielle Auseinandersetzung mit dem persönlichen Glaubensleben, in deren Zentrum die Annahme des eigenen Kreuzes steht. Die neokatechumenale Gemeinschaft erhält durch ihre Katechisten als Begleiter in der Glaubensformung Hilfen wie Schriftworte, Katechesen, Gespräche, Liturgien. Die folgenden wöchentlichen Wortliturgien gelten den Etappen der Heilsgeschichte.

 

Das Vorkatechumenat endet mit dem zweiten Skrutinium: der Prüfung der eigenen Absicht, Christus im alltäglichen Leben existenziell nachzufolgen. Die abschließende liturgische Feier besteht in der Erneuerung der in der Taufliturgie begründeten Absage an das Böse und der Erklärung des Willens, Gott allein zu dienen. Nach dem zweiten Skrutinium werden in den Wortliturgien die wichtigsten Gestalten der Bibel thematisiert.

2. Phase: Katechumenat

Diese Zeit ist bestimmt durch den geistlichen Kampf, die innere Einfachheit des neuen Menschen zu erlangen, um Gott und den Nächsten zu lieben. Die Neokatechumenen lernen den Dingen abzusagen, die diesem Ziel entgegenstehen.


Die erste Etappe ist die Einführung ins Gebet, das Erlernen des liturgischen, persönlichen und nächtlichen Gebets. Die Etappe schließt mit der Übergabe des Stundenbuches. Das Stundengebet der Kirche wird zur Grundlage des persönlichen Gebets. Die Einführung in die geistliche Lesung als Gebetsmeditation der Heiligen Schrift („scrutatio scripturae“) wie auch in die Erforschung der Psalmen helfen, den Schatz des Wortes Gottes tiefer zu entdecken.


Zentrales Thema der zweiten Etappe ist das Apostolische Glaubensbekenntnis. Sie beginnt mit der „traditio symboli“, der Übergabe des Credos. Danach gehen die Neokatechumenen in Zweiergruppen innerhalb der Pfarrei in die Häuser zur Verkündigung des Evangeliums, gestützt auf ihre eigene Erfahrung der Liebe Christi. In dieser Zeit vertieft die Gemeinschaft die Artikel des Credos. Es schließt sich die „redditio symboli“ an, die Rückgabe des Glaubensbekenntnisses: In Vesperfeiern in der Fastenzeit bekennen die Neokatechumenen öffentlich ihren Glauben vor der Gemeinde. Ab diesem Zeitpunkt ist die Gemeinschaft als Ganze an der Pastoral in der Gemeinde besonders beteiligt.


Das Vaterunser – Zusammenfassung des ganzen Evangeliums – wird in der dritten Etappe übergeben: In den wöchentlichen Wortliturgien werden die einzelnen Bitten des Vaterunsers betrachtet. Diese Zeit dient besonders der Einführung in die persönliche Beziehung zu Gott als Vater und zu Maria und der Kirche als Mutter. Damit verbunden ist eine Wallfahrt zu einem marianischen Heiligtum mit einer Anleitung zum Rosenkranzgebet und ein feierliches Glaubensbekenntnis am Grab Petri. Die Gemeinschaft trifft sich im Advent und in der Fastenzeit zur Feier der Laudes in der Pfarrei, ein Beitrag zur Erneuerung und Vertiefung des Gebetslebens für die ganze Gemeinde.

3. Phase: Erwählung

Es ist eine Phase des Lobes. Sie zielt darauf, den Willen Gottes im Leben vertieft zu erkennen und zu tun. Das Leben wird eine Liturgie der Heiligkeit im Licht der Bergpredigt. Vollendung des Neokatechumenalen Weges ist die „Geburt des neuen Menschen“, dessen Kennzeichen insbesondere die Feindesliebe im alltäglichen Leben ist.

 

Höhepunkt ist die feierliche Erneuerung des Taufversprechens in einer vom Bischof geleiteten Ostervigil. In den darauf folgenden 50 Tagen feiert die Gemeinschaft täglich die Eucharistie. Mit einer Pilgerfahrt der ganzen Gemeinschaft in das Heilige Land schließt das Neokatechumenat.

 

Ständige Glaubenserziehung

Die Gemeinschaft bleibt aber auch nach dem Abschluss des Neokatechumenats bestehen. Sie tritt in den Prozess der ständigen Glaubenserziehung ein: Feier des Wortes, Sonntagseucharistie in der brüderlichen Communio, Tätigkeit in der Pastoral der Pfarrgemeinde mit dem Ziel, durch die Zeichen der Liebe und Einheit den heutigen Menschen zum Glauben zu rufen. Die Beziehung zu Christus wird in einem fortwährenden Umkehrprozess vertieft, der das ganze Leben andauert. Dadurch trägt der einzelne Christ zum Aufbau der ganzen Christengemeinde und zur Stärkung ihrer missionarischen Dimension bei. Die auf Dauer angelegte Gemeinschaft hilft, die Anonymität in der Pfarrei zu vermindern und sie als „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ zu erleben.

Früchte am Wegesrand

Erneuerung des Familienlebens, Einsatz des Glaubensschatzes und der Erfahrung der Kirche in der Kindererziehung, Glaubensübergabe, Priester- und Ordensberufungen, Priesterseminare Redemptoris Mater sind wesentliche Früchte des Neokatechumenalen Weges, die vielen zugutekommen.

Priesterseminar Redemptoris Mater Köln

Erzbischöfliches Missionarisches Priesterseminar Redemptoris Mater Köln
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