Balthasar Delhaes-Stiftung

Balthasar Delhaes-Stiftung

Mit der Balthasar-Delhaes-Stiftung wollen Eltern an ihr verstorbenes Kind erinnern

Wenn ein Kind stirbt, verlieren Eltern oft den Boden unter den Füßen. Nichts kann ihren unermesslichen Schmerz lindern und nichts wünschen sie sich mehr, als die Erinnerung an ihr Kind wachzuhalten. 

Es ist ein strahlender Frühlingstag im März 2012, als für Sophie und Wolfgang Delhaes eine Welt zusammenbricht. Ihr Sohn Balthasar, 20 Monate alt, wacht morgens mit Erkältungssymptomen auf. Wenige Stunden später ist er tot. Einer scheinbar harmlosen Viruserkrankung, wie Kinder sie in diesem Alter oft bekommen, hatte sein kleiner Körper nicht genug Abwehrkräfte entgegenzusetzen. So erklärt es später der Kinderarzt, der von einem schicksalhaft rapiden Verlauf spricht. Die ganze Familie – der kleine Junge hatte noch einen eineiigen Zwillingsbruder und fünf weitere Geschwister – steht unter Schock. Die Trauer, die sich in den Folgewochen und -monaten wie Mehltau über alle legt, ist nicht in Worte zu fassen. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es einmal war, das Leben aus den Angeln gehoben. Für alle ist unvorstellbar, dass Balthasar von nun an schmerzlich fehlen wird und die Lücke, die er hinterlässt, nie mehr gefüllt werden kann.

„Trotz dieses großen Verlustes und dieser unbeschreiblichen Traurigkeit mussten wir ja nach vorne schauen, ohne Balthasar weiterleben“, erklärt Sophie Delhaes rückblickend. „Dabei war uns wichtig, unseren anderen Kindern zu vermitteln, dass es im Leben trotzdem noch Freude und so viel Schönes geben kann, für das es gilt, dankbar zu sein – auch wenn die Trauer seitdem zu uns gehört, sie ein Leben lang bleiben wird und es noch heute immer wieder unvermittelt Auslöser für Tränen gibt, weil uns plötzlich die Erinnerung einholt.“ Im 6. Schuljahr wäre Balthasar heute, erzählt die Mutter. „Und manchmal stellen wir uns vor, wie es wohl wäre, wenn er heute noch mit uns leben würde, wie er aussähe, welches Temperament er hätte, was er mögen würde und was nicht.“

Im Sommer hat das Ehepaar Delhaes eine Stiftung gegründet und sie nach seinem verstorbenen Sohn benannt: Mit der Balthasar-Delhaes-Stiftung sollen Kinder- und Jugendprojekte gefördert werden. Was genau – das will die Familie jeweils gemeinsam mit dem Stiftungszentrum im Erzbistum, mit dessen Know-how sie ihre Stiftung ins Leben gerufen hat und wo immer wieder solche Förderanträge eingehen, abstimmen. „Hier wissen wir unser Anliegen in den besten Händen. Und daher verlassen wir uns da auch ganz auf die Empfehlungen der Experten, die die einzelnen Initiativen gut kennen und wissen, was es an Einrichtungen alles gibt und wer gerade den größten Unterstützungsbedarf hat“, sagt Dr. Wolfgang Delhaes, Rechtsanwalt in Köln. „Diese Stiftung soll ein Projekt für die ganze Familie werden, in das wir sehr bewusst auch die Geschwister von Balthasar einbeziehen wollen. Wir können uns sogar vorstellen, später einmal eine ganz eigene Initiative auf die Beine zu stellen, bei der die Kinder mitmachen und sich im Namen ihres Bruders engagieren könnten.“

Die Idee einer Stiftungsgründung sei ihnen eigentlich schon bald nach Balthasars Tod gekommen, erklärt das Paar. Umso glücklicher seien sie nun, dass dieses Vorhaben kurz vor Balthasars zehntem Todestag endlich Gestalt annehme. „Denn Balthasar soll nicht in Vergessenheit geraten. Wir wollen, dass etwas von ihm weiterwirkt, sein Tod für etwas gut war.“ Die Vorstellung, in Balthasars Namen anderen Kindern helfen zu können, sei tröstlich, wohltuend und habe etwas Wärmendes, findet Sophie Delhaes. So selbstverständlich sie über Balthasar zuhause sprechen würden, so selbstverständlich sei für sie alle auch, dass sein viel zu früher Tod kein Tabu-Thema sein dürfe. Ganz im Gegenteil. „Wir nennen unser Kind immer wieder bei seinem Namen. Und mit dieser Stiftung soll zusätzlich an ihn erinnert werden – auch in unserem Verwandten- und Freundeskreis; er ist ein Teil von uns und wird es immer bleiben. In unseren Gedanken ist er immer noch lebendig.“ Das Schlimmste wäre doch, sich in der eigenen Trauer zu verkapseln, Balthasar totzuschweigen und so zu tun, als habe er nie gelebt.