Lotsenpunkt vor Ort

Lotsenpunkt im Einsatz: Sind Sie schon mal baden gegangen?

Engagementförderer agiert mit einer Piaggio Ape im Stadtraum

Die Tür des Ladenlokals mitten in der Altstadt von Remscheid-Lennep steht offen - für Jeden, der Hilfe, Rat oder einfach ein Gespräch sucht. „Obwohl wir hier mit unserem Lotsenpunkt nah bei den Menschen sind, fällt vielen der Schritt über die Schwelle schwer“, sagt Andy Dino Iussa. Deshalb hat der Engagementförderer der Katholischen Pfarrei St. Bonaventura und Heilig Kreuz eine Idee realisiert, mit der Kirche noch näher bei den Menschen ist: Das Lotsenpunkt-Team ist mit einem motorisierten Dreirad im Einsatz.

Runter vom Kirchturm, rein in die Stadt

Mit der Piaggio Ape, die die Gemeinde eigens angeschafft hat, sind die Ehrenamtlichen bei Festen oder auch ganz ohne Anlass regelmäßig unterwegs und somit im Quartier präsent. Schon von weitem ist zu erkennen, wer da kommt: „Lotsenpunkt im Einsatz“ steht groß auf der Werbeplane an der Ape. Zudem tragen die Lotsenpunktmitarbeiter T-Shirts mit dem entsprechenden Logo.

Spielerische Interventionen im öffentlichen Raum

„Wir laden die Passanten erst einmal ein, bei uns eine Auszeit von der Alltagshektik zu nehmen“, erläutert Andy Dino Iussa. Hier nutzt der Engagementförderer seine Erfahrungen als Theatermacher: Im Dreirad sind Requisiten verstaut wie Strandliegen, eine Kunstwiese, Sonnenschirme und auch Biertische. Die Ehrenamtlichen bauen daraus eine kleine Oase mitten im Trubel und bieten dann Passanten an, mit Fruchtcocktail oder Obstspieß im Liegestuhl Platz zu nehmen und sich zu entspannen. Über diese spielerische Weise ist der erste Kontakt hergestellt und schnell kommt man miteinander ins Gespräch. „Passend zur aufgebauten Szenerie fragen wir auch schon einmal leichthin, ob jemand schon einmal baden gegangen sei. Und dann hört man so manches Mal ganz persönliche Erzählungen über Scheitern und Weitermachen“, berichtet der 51jährige Engagementförderer.

Die Menschen wahr- und ernstnehmen

Wichtig ist Andy Dino Iussa und seinem Team vom Lotsenpunkt immer, dass sich die Menschen wahr- und angenommen fühlen – egal, welche Gedanken, Wünsche oder Ziele sie äußern. „Eine Dame schrieb uns im Imperativ auf ein Plakat: ‚Nehmt uns ernst!‘ – für uns alle ist dies ein Auftrag geworden“, fügt er hinzu. Den Gesprächspartnern zuzuhören und ihnen aufrichtiges Interesse entgegenzubringen – diese wichtigen Fähigkeiten sind von Andy Dino Iussa und seinem Team bei jeder Begegnung aufs Neue gefordert. Dabei geht es auch häufig um das, was den Menschen im Quartier unter den Nägeln brennt: Was soll vor Ort besser werden, was fehlt, wohin soll sich das Viertel entwickeln. Die in den Gesprächen geäußerten Anregungen und Wünsche sind für die Crew vom Lotsenpunkt wichtige Anhaltspunkte, um passende Angebote für die Menschen im Viertel zu schaffen. Deshalb zeichnen sie – nach Absprache mit dem Gegenüber – Gespräche auf und arbeiten sie später nach.

Lotsenpunkt sichtbar machen

„Die Ape ist bei allem eine Art Türöffner: Das Fahrzeug wirkt nicht protzig, nicht auftrumpfend, nicht kirchlich, nicht amtlich, sondern eher niedlich und weckt sofort Sympathien“, erläutert Iussa. Die Reaktion der Angesprochenen sind bislang durchweg positiv, der Überraschung über den ungewöhnlichen Auftritt folgt Neugierde und Offenheit. „Durch das Projekt wird der Lotsenpunkt im ganzen Viertel sichtbar und als aktive Institution wahrgenommen, die an den Menschen im Quartier interessiert ist“, bilanziert Iussa. Und ganz nebenbei geschieht es immer wieder, dass jemand Lust bekommt, sich ehrenamtlich einzubringen. Und in einem solchen Fall ist wieder ein neues Team-Mitglied für den „Lotsenpunkt im Einsatz“.