Das Projekt

Im Projekt: Profis für das Ehrenamt

Engagement der Bürger nimmt zu

Die Zahl spricht für sich: Fast 31 Millionen Bürger in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich, so das Ergebnis des jüngsten Engagementberichts 2016 der Bundesregierung. Besser noch: Die Bereitschaft, sich künftig einzubringen, ist hoch. Denn jeder zweite, der heute noch nicht engagiert ist, wäre bereit, eine ehrenamtliche – allerdings für ihn passende – Aufgabe zu übernehmen. Zugleich möchten die Menschen immer weniger Zeit für ihre freiwillige Tätigkeit aufwenden; auch die Zahl derer, die Leitungs- und Vorstandsposten übernehmen, nimmt stetig ab. Den Interessierten das für sie stimmige Engagement zu ermöglichen, ist für die Kirche vor Ort eine spannende Perspektive und Aufgabe.

60 Engagementförderer im Erzbistum Köln

Dies sind wichtige Fakten für die Arbeit der 60 Engagementförderer im Erzbistum Köln. Sie verknüpfen während ihrer vierjährigen Tätigkeit ganz unterschiedliche Interessen und Wünsche miteinander: Es gilt, neue Ehrenamtliche ins Engagement zu vermitteln, vor allem mit Hilfe von beratenden Gesprächen. Sie greifen die Anliegen, Kompetenzen und Potentiale der sich neu Engagierenden auf. Auch die spirituelle Dimension und mitunter religiöse Motivation nehmen die Engagementförderer wahr und machen entsprechende Angebote: Ehrenamtliche füllen nicht eine Lücke, sondern die Aufgabe erfüllt die Ehrenamtlichen.

Ganz im Sinne des Pastoralen Zukunftswegs tragen die Engagementförderer zu einem Engagement freundlichen Klima in den Gemeinden bei, in dem Neugierde und Interesse herrschen und Verlust-Ängste ernst genommen werden. Denn zu den Aufgaben der 60 Stelleninhaber gehört auch, die vielen bereits Engagierten und Bewährtes im Blick zu haben. Welche Engagements und Traditionen können fortgeführt werden, welche nicht mehr? Hier sind Fingerspitzengefühl und ein offenes Ohr gefragt sowie das Wissen um die Erfordernisse der Gemeinden einerseits und den Wünschen der Engagierten andererseits. 

Gemeinschaft, Glaube und Freude erleben

„Neu und anders“ dürfen Projekte sein, die Engagementförderer anstoßen oder unterstützen. Gemeinschaft, Glaube und Freude sollen erlebbar werden – auch außerhalb der Kirchenmauern. Dies kann durch diakonische Projekte ebenso gelingen wie zum Beispiel mit liturgischen Angeboten, die individuelle Anliegen der Getauften und Gefirmten vor Ort aufgreifen. Und bei allem ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Pastoralteam und dem Pfarrgemeinderat Voraussetzung für ein gutes Gelingen.

Bei diesen vielfältigen Anforderungen ist es gut, dass die Engagementförderer selbst ihre Erfahrungen einbringen können. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen:

  • Sozialarbeiter und Theologen sind ebenso darunter wie
  • ein Theaterregisseur,
  • eine Chemikerin,
  • eine Hotelfachfrau,
  • eine Journalistin,
  • eine Supervisorin und ein Graphiker.

Sie kennen ehrenamtliches Engagement aus eigener Erfahrung, wissen um Freude und von der Erfüllung im und durch Engagement, aber auch um Hindernisse, mangelnde Anerkennung und mitunter fehlende Kommunikation zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie nehmen die Perspektive der Ehrenamtlichen ein, machen deren Interessen, Perspektiven und Ideen stark und bringen sie ins Pastoralteam ein. Auf diese Weise verstärken die Engagementförderer den Kontakt zwischen Pastoralteam und denen, die ehrenamtlich Verantwortung in Kirche und Gemeinde übernehmen.

Sie sind Ansprechpartner, Berater, Vermittler, Aufbauhelfer und Initiator.  

Projekt wird evaluiert

Wie das Projekt mit den 60 Engagementförderern – darunter 49 Frauen und 11 Männer mit jeweils einer halben Stelle im Seelsorgebereich für die Dauer von vier Jahren – zu bewerten ist, untersucht der Pastoraltheologe Prof. Matthias Sellmann von der Universität Bochum. Zum Jahresende 2020 wird ein entsprechender Bericht vorgelegt. Wie wertvoll die Arbeit der Engagementförderer tatsächlich ist, wird sich jedoch vor allem vor Ort widerspiegeln: wenn Bewährtes erfolgreich bleibt und Neues entstanden ist; und wenn Getaufte und Gefirmte das Leben in den Sozialräumen mitgestalten und gerne Verantwortung für das kirchliche Leben vor Ort übernehmen.