Zehn Minuten mit Gott

„Zehn Minuten mit Gott“

Liturgisches Angebot während eines Pfarrfestes

Ein Sofa steht mitten in der Kirche. Nicht weit davon entfernt ist ein Spiegelkabinett platziert. Auf einem Schminktisch liegen Kosmetikutensilien und kleine Texte. Im Hintergrund erklingt leise Klaviermusik – mal live gespielt, mal von einer CD abgespielt. Die Besucher in der Kirche St. Johannes der Täufer wenden sich mal dieser, mal jener Station zu, nehmen die ganz besondere Atmosphäre in sich auf, bevor sie wieder zurück aufs Pfarrfest der Gemeinde St. Johannes der Täufer und Mariä Himmelfahrt gehen. „Zehn Minuten mit Gott“ haben die Initiatoren um Engagementförderin Stefanie Perkuhn dieses liturgische Angebot genannt, das an diesem Tag rund 160 Gäste nutzen.

Begegnung mit Gott und sich selbst

„Ein Pfarrfest ist ein Treffpunkt für die Gemeinde. Wir wollten zusätzlich eine kleine Oase für die Begegnung mit Gott und sich selbst schaffen – eine offene Kirchentüre auch und gerade für diejenigen, die nicht unbedingt zum Kern der Gemeinde gehören“, berichtet die Engagementförderin, die mit ihrer Idee nicht sofort auf ungeteilte Begeisterung stieß. Doch sie durfte mit der Realisierung beginnen. „Schnell hat das Projekt eine Eigendynamik entwickelt, viele Engagierte kamen mit Begeisterung und eigenen Ideen dazu. Es war eine echte Teamleistung“, fasst Stefanie Perkuhn zusammen.

„Gott kennt und liebt mich so, wie ich bin!“

„Zehn Minuten mit Gott“ orientierte sich am Thema der zweiten Lesung des Sonntags, an dem das Pfarrfest stattgefunden hat (Jak 2,1-5): Wir sollen unseren Glauben frei von Ansehen halten. „Letztlich geht es um Bewertung: Wir urteilen ständig über etwas oder jemanden, häufig auch über uns selbst. Dabei kennt Gott alles an mir und liebt mich – trotz allem“, beschreibt die 48-jährige.

Mit allen Facetten und ohne Maske

Am deutlichsten ist dieses Leitmotiv sicherlich beim Betreten des Spiegelkabinetts geworden, dass die „Katholische Jugendagentur“ aus Düsseldorf zur Verfügung gestellt hat. Durch eine Tür kommt der Besucher in das Möbel, dessen sechs Wände komplett verspiegelt sind. Man sieht sich selbst – in unzähligen Spiegelbildern. Dazu erhält jeder Nutzer Textimpulse, so dass aus der visuellen Betrachtung auch eine kognitive und emotionale werden kann. Dies kann auch am Schminktisch gelingen, an dem auch wieder Bibelzitate und Abschminke für die Gäste bereitliegen. „Gott sieht mich so wie ich bin – egal, welche Maske ich trage“, sagt Perkuhn.

Ein Kerzenmeer unter dem Kreuz

„Wir haben allen Gästen schon zur Begrüßung am Eingang eine Kerze angeboten und ihnen erläutert, dass sie alles nutzen dürfen aber nichts nutzen müssen“, fügt die Engagementförderin hinzu. Wer möchte, nimmt einfach in einer Kirchenbank Platz und lässt die Atmosphäre auf sich wirken. Während im Hintergrund leise Klaviermusik zu hören ist, wandern viele Gäste mit der Kerze in der Hand von Station zu Station. Auf dem Sofa sitzend hören sie über Kopfhörer Lesungen aus der Bibel, darunter klassische Übersetzungen genauso wie sehr moderne Interpretationen. Andere suchen sich bereitliegende, kleine Text- und Bildimpulse aus, die sie zu „Inspirationskarten“ zusammenfügen und die sie laminiert für sich selbst oder zum Verschenken mitnehmen können Am Ende stellen viele ihre Kerze unter dem Kreuz im Altarraum ab und verharren in kurzer Stille.

Liturgisches Angebot auch beim nächsten Pfarrfest

„Die Aktion ist dank einer großartigen Teamleistung und der wunderbaren Atmosphäre ein voller Erfolg gewesen“, bilanziert Perkuhn. Die Rückmeldungen hätten gezeigt, dass die Gäste ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht hätten. Schon jetzt ist klar, dass es auf dem nächsten Pfarrfest, dann in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Unterbach, wieder ein liturgisches Angebot geben soll. „Das wird aber anders sein“, verspricht die Engagementförderin.