KV-Newsletter | Ausgabe Juli 2021

8. Juli 2021

KV-Newsletter | Ausgabe Juli 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Ausgabe des KV-Newsletters legt den Schwerpunkt auf die Umstellung der Bilanzierung und die Neuregelung der Umsatzbesteuerung. Die Erfahrungen aus diesem Projekt und der begleitenden Testphase geben übrigens immer wieder Impulse für eine Verbesserung der administrativen Abläufe bei den kirchlichen Körperschaften im Erzbistum. 

Die Bestimmungen zur Rechnungsbearbeitung sind ein aktuelles Beispiel. In vielen Kirchengemeinden wünschen sich die Verantwortlichen eine Entlastung beim Prüfen und Abzeichnen der Fülle von Rechnungen. Ein zügiger Rechnungslauf erfordert die häufige Präsenz vor Ort. Die ist ehrenamtlich tätigen Kämmerern und Kämmerinnen sowie den Vorsitzenden von Kirchenvorstand oder Verbandsvertretung in vielen Fällen aber nicht möglich. Die besondere Situation während der Corona-Pandemie hat deutlich vor Augen geführt, dass Handlungsbedarf besteht.  

Deshalb werden künftig die Anordnungsberechtigten in Kirchengemeinden, Kirchengemeindeverbänden und Gemeindeverbänden die Möglichkeit haben, die Anordnungsbefugnis in einem genau beschriebenen Umfang auf Verwaltungsleitungen zu übertragen. Dazu gehört auch, dass Kirchenvorstände, sofern sie es wünschen, ihre Verwaltungsleitungen bevollmächtigen können, Arbeitsverträge zu unterzeichnen, soweit ihnen die alleinige Entscheidung zur Begründung oder zu Änderungen von Arbeitsverhältnissen übertragen wurde.

Im Lauf der kommenden Wochen werden wir alle Rechtsträger im Erzbistum Köln mit einem detaillierten Schreiben über dieses Angebot zu Ihrer Entlastung informieren. 

Entlastung verspricht auch die Ferienzeit, die in Nordrhein-Westfalen mit dem heutigen Tag begonnen hat. Ich wünsche jenen, die in Urlaub fahren, eine erholsame Zeit, und Ihnen allen einen schönen Sommer.

Mit besten Grüßen

 

Gordon Sobbeck

Leiter der Hauptabteilung Finanzen und Ökonom des Erzbistums Köln

 


Umstellung der Bilanzierung und Neuregelung der Umsatzbesteuerung

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den vergangenen beiden Ausgaben des KV-Newsletters haben wir Sie über die Inventarisierung und die Bewertung von kirchlichen Immobilien informiert. Heute widmet sich ein ausführlicher Beitrag der Frage, wie künftige Veränderungen von Grundstücken und Gebäuden nach den Vorgaben des Handelsrechts in der Bilanz abgebildet werden. 

Die Arbeitshilfen zur Umsetzung der künftigen Umsatzsteuerregelung berücksichtigen jetzt auch die Rechnungsabwicklung mit Online-Händlern. Worauf es dabei ankommt und welche steuerrechtlichen Bestimmungen zu beachten sind, erklärt ein neues Informationsblatt.

Beste Grüße

 

Holger Richter

Projektleiter

Wie Veränderungen bei Immobilien im Jahresabschluss berücksichtigt werden

Über die Bewertung von Grundstücken und Gebäuden hat der KV-Newsletter in seiner Ausgabe im Juni 2021 berichtet. Die ermittelten Werte der Immobilien sind Teil der Eröffnungsbilanz der kirchlichen Körperschaft. In den Folgejahren werden auf der Grundlage dieser Ausgangsbewertungen Veränderungen dokumentiert, die den Wert der jeweiligen Grundstücke und Gebäude beeinflussen. 

Veränderungen ergeben sich zum Beispiel durch den Verkauf oder den Abriss von Gebäuden oder durch den wirtschaftlichen Werteverzehr in Form von Abschreibung aufgrund der zugrunde gelegten Nutzungsdauer. Veränderungen resultieren aber ebenso aus Anschaffungen, also dem Erwerb von Grundstücken und Gebäuden. Anschaffungen werden mit ihrem Kaufpreis im Sachanlagevermögen berücksichtigt. Dabei werden Grundstücke und Gebäude getrennt voneinander aktiviert, wobei das Gebäude über die sogenannte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben wird. Die Anschaffungskosten werden also auf mehrere Jahre verteilt. Bei einem neuen Wohnhaus beträgt diese Nutzungsdauer zum Beispiel 50 Jahre. Künftige Reparaturen, Instandhaltungen und Modernisierungsmaßnahmen an bestehenden Gebäuden erfordern eine differenzierte Betrachtung, um die Maßnahmen handelsrechtlich angemessen zu beurteilen.

Umfangreiche bauliche Maßnahmen wie die Reparatur eines schadhaften Dachs, der Einbau von Fenstern mit verbesserter Lärm- und Wärmedämmung oder die Modernisierung der sanitären Anlagen erhöhen nicht zwangsläufig den Wert des Gebäudes in der Bilanz. Eine Wertsteigerung in der Bilanz hängt in der Regel auch nicht davon ab, wie aufwendig oder teuer die bauliche Maßnahme ist. Vielmehr ist zwischen Herstellungs- und Instandhaltungskosten bzw. Erhaltungskosten zu unterscheiden: Herstellungskosten führen zu einem werterhöhenden Ansatz des Gebäudewertes in der Bilanz und erhöhen damit die Bilanzsumme. Instandhaltungskosten bzw. Erhaltungskosten haben dagegen keinen wertsteigernden Effekt, der Wert des Gebäudes in der Bilanz bleibt unverändert. Die Instandhaltungskosten bzw. Erhaltungskosten wirken sich stattdessen ergebnismindernd in der Gewinn- und Verlustrechnung (Ergebnisrechnung) aus.

Herstellungskosten liegen vor, wenn Aufwendungen für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes (Gebäudes), für seine Erweiterung oder für eine Verbesserung, die wesentlich über seinen ursprünglichen Zustand hinausgeht, entstehen. Alle anderen Aufwendungen sind Instandhaltungskosten bzw. Erhaltungskosten. Die Steuerrechtsprechung hat Tatbestände entwickelt, die weitere Unterscheidungen erlauben. 

Wenn ein bestehendes Gebäude durch sogenannten Vollverschleiß unbrauchbar geworden ist, kann die Errichtung eines Neubaus ausnahmsweise auch als Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahme gelten, wenn diese Wiederherstellung wirtschaftlich einer Erstherstellung entspricht. Eine Erweiterung liegt unter anderem dann vor, wenn eine Aufstockung oder ein Anbau die nutzbare Fläche vergrößert. Das ist beispielsweise bei der Errichtung einer bisher nicht vorhandenen Dachgaube oder beim Anbau eines Balkons der Fall. Doch auch ohne die Vergrößerung der nutzbaren Fläche kann ein Gebäude in der Substanz gemehrt werden, zum Beispiel durch das Einsetzen zusätzlicher Trennwände oder den Bau einer Außentreppe. Dennoch gilt auch hier zu beachten, dass nicht jede Aufwendung zur Substanzmehrung als Herstellungskosten verbucht werden kann. Die Umstellung der Heizungsanlage von Einzelöfen auf Zentralheizung oder die Vergrößerung eines vorhandenen Fensters sind keine Maßnahmen zur Substanzmehrung und fallen deshalb auch nicht unter Herstellungskosten. Denn der neue Gebäudebestandteil oder die neue Anlage erfüllen die Funktion des bisherigen Gebäudeteils in vergleichbarer Weise. 

Eine über den ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung und somit Herstellungskosten sind dann anzunehmen, wenn die Maßnahme über eine zeitgemäße substanzerhaltene Erneuerung hinausgeht und den Gebrauchswert des Gebäudes in seiner Gesamtheit deutlich erhöht, indem sie erweiterte Nutzungsmöglichkeiten schafft. Wenn die Aufwendungen für die Instandsetzung und Modernisierung des Gebäudes insgesamt 15 Prozent der Anschaffungskosten nicht übersteigen, ist übrigens für die ersten drei Jahre nach Anschaffung des Gebäudes keine Prüfung erforderlich, ob eine Hebung des Standards vorliegt. 

Die Abgrenzung von Herstellungs- und Instandhaltungskosten für bauliche Maßnahmen an bestehenden Gebäuden ist mitunter sehr komplex, und die Zuordnung folgt zahlreichen Rechtsprechungen aus dem Steuerrecht. In manchen Fällen kann deshalb eine Abgrenzung nicht zweifelsfrei vorgenommen werden. In der Regel sind dann eher Instandhaltungskosten anzunehmen und der Aufwand in der laufenden Rechnung zu verbuchen. Bei sämtlichen Vorgängen sind den Regionalrendanturen die notwendigen Informationen zur Beurteilung der baulichen Maßnahmen bereitzustellen. Nur so können sie die Entscheidungsfindung zur Aktivierungsfähigkeit unterstützen.

Umsatzsteuer-Neuregelung: Neue Arbeitshilfen verfügbar

Auf der Projekt-Homepage sind auch in diesem Monat neue und aktualisierte Arbeitshilfen verfügbar, die Kirchengemeinden, Kirchengemeindeverbände und Gemeindeverbände bei der Rechnungsbearbeitung und der steuerlichen Einordnung von Geschäftsvorfällen unterstützen. 

 

  • Das neue Informationsblatt Online-Handel gibt Hinweise zu Zahlungsmodalitäten und zur steuerlichen Handhabung von Waren und Dienstleitungen, die bei Online-Anbietern im In- und Ausland beauftragt werden. 

 

  • Die „Kostenstellenmatrix“ wird kontinuierlich ergänzt und angepasst. Die jetzige Fassung berücksichtigt eine Änderung im Bereich „Kitas Rheinland-Pfalz“. Hier ist jetzt eine Kostenstelle für das Sozialraumbudget eingerichtet. Es wird gebeten, künftig die aktuelle Fassung der Kostenstellenmatrix zu nutzen.

 

Das Newsletter Archiv

Unsere Newsletter der vergangenen Monate mit interessanten Informationen haben wir für Sie in unserem Archiv bereitgestellt.

 
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Verantwortlich i. S. v. § 55 Abs. 2 Gordon Sobbeck