KV-Newsletter | Ausgabe Januar 2022

10. Januar 2022

KV-Newsletter | Ausgabe Januar 2022

Liebe Leserin, lieber Leser,

zunächst wünsche ich Ihnen ein frohes und gesundes neues Jahr 2022 sowie ein erfolgreiches Wirken in Ihrer Pfarrei. Auch in diesem Jahr werden wir Ihnen wieder mit Hilfe unseres KV-Newsletters wichtige Informationen für Ihr kostbares Engagement und Wirken in den zahlreichen Gremien zukommen lassen. 

Seit dem 1. Januar 2022 gilt eine neue Anlagerichtlinie für das Kapitalvermögen der Kirchengemeinden im Erzbistum Köln. Die bisherige Anlagerichtlinie aus dem Jahr 2011 deckte die „Lebenswirklichkeit“ im Bereich der Kapitalanlagen nicht mehr ab. Im Rahmen der Kapitalanlage wird häufig von einem sogenannten „magischen Dreieck“ gesprochen, dass Ausgangspunkt einer verantwortlichen Geldanlage ist. Dies sind die drei Ziele Verfügbarkeit (Welche Finanzmittel benötige ich kurz-, mittel- und langfristig?), Rendite (Welchen Ertrag kann es abwerfen?) und Sicherheit (Wie geht das Geld nicht verloren?). Das Erzbistum Köln versteht unter ethisch-nachhaltigem Investieren eine Form der Geldanlage, bei deren Umsetzung neben diesen finanziellen Gesichtspunkten zugleich ethische, soziale und ökologische Fragestellungen mit in die Bewertung einfließen. In diesen ethischen Anlagekriterien kommt eine christliche Wertorientierung zum Ausdruck. Die neuen Anlagerichtlinien tragen diesen Grundsätzen Rechnung.

Neben der Aktualisierung der Richtlinie gilt es für Sie als Kirchenvorstand zu beachten, dass Ihnen im Rahmen der neuen Richtlinie mehr Verantwortung übertragen wird.

Innerhalb der regelmäßigen Nachrichten aus dem Projekt „Bilanzierung und Umsatzsteuer in Kirchengemeinden“ erläutern wir in dieser Newsletter-Ausgabe die operativen Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung. 

Ich wünsche Ihnen eine angeregte Lektüre. 

 

Mit besten Grüßen

Gordon Sobbeck

Leiter der Hauptabteilung Finanzen und Ökonom des Erzbistums Köln

 

Neue Anlagerichtlinie für das Kapitalvermögen der Kirchengemeinden

Zum 1. Januar 2022 ist eine neue Anlagerichtlinie für das Kapitalvermögen der Kirchengemeinden, Kirchengemeindeverbände und Gemeindeverbände im Erzbistum Köln (KAnlageRL) in Kraft getreten. Diese löst die bisher geltende Anlagerichtlinie vom 1. Januar 2011 ab. 

Erträge aus der Anlage von Kapitalvermögen stellen eine wichtige Quelle der Finanzierung von kirchlichen Aufgaben dar. Jedoch hat sich die Situation von Kirchengemeinden als Kapitalanleger an den Finanzmärkten in den letzten elf Jahren grundlegend geändert. Die bisher geltende Anlagerichtlinie hat nur sehr eingeschränkt Risiken aus Aktienkursen, Zinsänderungen oder Kreditaufschlägen zugelassen, zugleich aber einen realen Kapitalerhalt eingefordert. In der heutigen vom Niedrigzinsumfeld geprägten Situation ist diese Vorgabe nicht mehr realisierbar. 

Mit der neuen Anlagerichtlinie wird dem Ziel der Wertbeständigkeit zwar weiterhin eine hohe Bedeutung zugemessen, zugleich erhalten die Kirchengemeinden bei einem langfristigen Anlagehorizont aber mehr Möglichkeiten, auf den Finanzmärkten zu agieren. 

Kapitel IV der Anlagerichtlinie beschreibt unter der Überschrift „Zulässige Finanzanlagen und Beschränkungen“, welche Anlageformen künftig zulässig sind und welche Restriktionen es für die einzelnen Anlageformen zu beachten gilt.

Neben inhaltlichen Anpassungen hinsichtlich der zulässigen Finanzanlagen und Investitionsbeschränkungen besteht ein weiteres Anliegen der Anlagerichtlinie darin, Lesbarkeit und Verständlichkeit zu verbessern. Die Thematik der Kapitalanlage für Kirchengemeinden, Kirchengemeindeverbände und Gemeindeverbände ist jedoch komplex. Daher werden in Kapitel II zunächst die wesentlichen Grundsätze der Anlagepolitik benannt und daran anschließend in Kapitel III die zu verfolgenden Anlageziele und -grundsätze dargelegt.

Mehr Verantwortung für Kirchenvorstände

Neu in der aktualisierten Anlagerichtlinie ist das Kapitel V zum Berichtswesen. Denn aus den neuen Möglichkeiten in der Kapitalanlage mehr zu riskieren, resultiert die Notwendigkeit verstärkter Kontrolle. So obliegt es der Verantwortung des Kirchenvorstandes, sich regelmäßig einen Überblick über die Vermögenswerte und Risikolage der Finanzanlagen zu verschaffen.

 

Wenngleich mit der neuen Anlagerichtlinie viele Veränderungen erfolgen, so bleibt ein Grundsatz unverändert: Das kirchengemeindliche Kapitalvermögen ist in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche ethisch-nachhaltig anzulegen. Zwar gibt es inzwischen viele Ansätze und Initiativen für ethisch-nachhaltige Kapitalanlagen, die geforderte Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche bedeutet in der praktischen Umsetzung aber nach wie vor eine Herausforderung. Hilfestellung bietet hierbei die vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) herausgegebene Orientierungshilfe  „Ethisch-nachhaltig investieren“, die in einer neuen Auflage vorliegt und die wir jedem Kirchenvorstand sehr empfehlen möchten.

Kirchenrechtliche Genehmigung von Kapitalanlagen

Auch in der Antragsbearbeitung kirchenrechtlicher Genehmigungen von Kapitalanlagen der Kirchengemeinden gibt es eine Änderung: Diese Anträge sind künftig an die Abteilung Planung, Controlling, Steuern in der Hauptabteilung Finanzen des Erzbistums Köln zu richten. Anträge können über die zuständige Regionalrendantur auch per E-Mail an die Adresse Kapitalanlagen@erzbistum-koeln.de gesendet werden. 

Wichtig ist die Vorlage eines Kirchenvorstandsbeschlusses mit der Angabe, welche Kapitalanlage für welchen Rechtsträger getätigt werden soll. Zu benennen sind das Kapitalanlageprodukt, ein eventuell anfallender Ausgabeaufschlag sowie der anzulegende Betrag. Zudem wird eine Erklärung benötigt, die beinhaltet, dass mit der geplanten Investition die vorgegebenen Anlagegrenzen für die verschiedenen Anlageformen eingehalten werden.

Weitere Informationen finden Sie im Amtsblatt des Erzbistums Köln vom 1. Januar 2022 ab Seite 19 ff . 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Dr. Martin Günnewig (Tel.: 0221/1642-1367).


Operative Aufwendungen in der GuV

Im neuen Jahr möchten wir die Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) fortsetzen. Die sogenannten operativen Erträge haben wir bereits dargestellt, nun folgen die dazugehörigen Aufwendungen. Und damit sind wir mitten im Kerngeschäft der Kirche vor Ort. Denn hier wird erfasst und abgebildet, wie die erhaltenen Mittel konkret eingesetzt werden. Denn Sach- und Personalaufwendungen sind im Regelfall Aufwendungen für pastorale Zwecke, Seelsorge und das Leben in der Kirchengemeinde mit allen seinen Facetten. Diese werden in drei Posten dargestellt: 

  • Personalaufwendungen,
  • Abschreibungen sowie 
  • sonstige Aufwendungen.

Der Personalaufwand betrifft die direkt bei der Kirchengemeinde angestellten Mitarbeitenden. Dazu zählen im Wesentlichen die sogenannten Folgedienste (zum Beispiel Küster und Organisten) sowie Reinigungspersonal, Hausmeister und Mitarbeitende in der KiTa. Hingegen ist das Seelsorgepersonal und die Verwaltungsleitung beim Generalvikariat angestellt und wird daher nicht durch die Kirchengemeinde vergütet.

Der Posten beinhaltet alle gesetzlichen Personalaufwendungen, dazu zählen die Gehälter, die Lohnnebenkosten wie Rentenversicherung, Krankenversicherung etc. sowie die Abbildung von Jubiläumszahlungen oder nicht genommenem Urlaub. Da die handelsrechtliche Bilanzierung den periodengerechten Aufwand darstellt, werden zum Beispiel Altersteilzeitmodelle oder nicht genommener Urlaub ungeachtet ihrer Auszahlung in dem Jahr erfasst, in dem sie entstanden sind. Im Vergleich zur alten Regelung werden sich hierdurch einige Änderungen ergeben.

Der nächste Posten der operativen Aufwendungen sind die „Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen“, kurz „Abschreibungen“ genannt. Dieser Posten beinhaltet die jährlichen Abschreibungen, also die lineare Reduzierung der aktivierten Vermögensgegenstände, und stellt damit den Werteverzehr des betreffenden Postens dar – im Regelfall das Sachanlagevermögen. Es werden die planmäßigen Abschreibungen erfasst, die durch die vorgesehenen und automatisiert eingestellten gewöhnlichen Nutzungsdauern hinterlegt sind. Hier wird auch die außerplanmäßige Abschreibung erfasst. Diese entsteht, wenn beispielsweise ein KFZ mit einem Restbuchwert und einer Restnutzungsdauer von drei Jahren aufgrund eines Schadens vorzeitig stillgelegt werden muss. Der Restbuchwert wird vollständig in dem Jahr der Stilllegung abgeschrieben. Dieses kann zum Beispiel auch Immobilien betreffen, sofern eine umfangreiche Sanierung im Sinne einer Zweitherstellung durchgeführt wird und ein Restbuchwert vorliegt. 

Der Posten „Abschreibungen“ wird künftig von der bisherigen Darstellung erheblich abweichen, wie wir bereits in vorherigen Newslettern bei der Erläuterung des Anlagevermögens dargestellt haben. Nach der handelsrechtlichen Methode eröffnet sich nun die Möglichkeit zu kontrollieren, ob die Abschreibungen auch den Nutzungen und den Einnahmen innerhalb einer Periode entsprechen. Damit soll eine verbesserte Steuerung der kirchlichen Körperschaft ermöglicht werden.

Die Sonstigen Aufwendungen bilden den dritten Posten der operativen Aufwendungen und beinhalten im Wesentlichen Aufwendungen für Sachen und Dienstleistungen. Hierzu zählen unterschiedlichste Kategorien:

  • Instandhaltungsmaßnahmen an Gebäuden
  • Energiekosten
  • Zuwendungen an Bedürftige
  • Reinigung
  • Büromaterial
  • Leasinggebühren
  • Mietaufwendungen
  • Reisekosten
  • Etc.

Eine geeignete Untergliederung in Form einer Zusammenfassung von Aufwandskategorien ist in diesem Bereich möglich und hilft der Lesbarkeit des Abschlusses. Dies kann zum Beispiel im Anhang des Jahresabschlusses dargestellt werden. 

Im Februar-Newsletter werden wir die noch fehlenden Aufwendungen und Erträge aus den Finanzanlagen behandeln und uns dann dem Anhang zuwenden.

 

Das Newsletter Archiv

Unsere Newsletter der vergangenen Monate mit interessanten Informationen haben wir für Sie in unserem Archiv bereitgestellt.

 
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Umsatzsteuer-Identifikations-Nr.:
Ust-IdNr. DE 122 777 469
Verantwortlich i. S. v. § 55 Abs. 2 Gordon Sobbeck