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Hitlerautograph: Kölner Priester aus dem Staatsdienst entlassen

Zu den Schätzen des Archivs gehören die eigenhändig unterschriebenen Schreiben von Persönlichkeiten, die den Lauf der Geschichte maßgeblich beeinflusst haben; positive wie negative Beispiele sind zu finden. Auch zu Adolf Hitler gibt es ein solches Dokument, und zwar nicht, wie man erwarten könnte, in den kirchenpolitischen Akten des Erzbischofs aus der NS-Zeit, sondern im Nachlass eines Landpfarrers aus dem Vorgebirge.

 

Es handelt sich um die Entlassungsurkunde des Deutschen Reiches für den Pfarrer der Siegburger Strafanstalt, (Hermann-) Josef Faßbender. Am 5. Juli 1935 wurde er im Alter von nur 53 Jahren in den staatlichen Ruhestand versetzt, um dann vom Erzbistum Köln als Pfarrvikar nach Schwadorf beordert zu werden. Auffallenderweise hat der „Führer und Reichskanzler“ selbst unterschrieben, ebenso wie (am unteren Rand) Reichsjustizminister Dr. Gürtner. Während man den Schriftzug mit dem Nachnamen des „Führers“ gut erkennen kann, ist der Vorname nur schematisch ausgeführt.

 

Das markante Stück des Priesters und Beamten Josef Fassbender zeigt die engen Verflechtungen, die in manchen öffentl. Bereichen zwischen Kirche und Staat bestehen. Daneben bestand damals eine traditionell enge Loyalität der staatl. Obrigkeit gegenüber; ein in der NS-Zeit für die Bischöfe schwieriges Problem.

 

Hinter dem Dokument steckt eine bewegte Lebensgeschichte: Mit dem Wechsel in eine eher beschauliche Pfarrei hat der Kölner Erzbischof seinen Priester zugleich aus der politischen Sphäre herausgenommen, nachdem Faßbender – bis 1934 Gefängnispfarrer in Düsseldorf – mehrfach in Konflikt mit den Vorgesetzten gekommen war. 1933/34 hatte er sich als Seelsorger offenbar auch für das Wohlergehen gequälter Kommunisten eingesetzt, obschon er selbst sich 1933 kurz als eine Art „Brückenbauer“ der neuen nationalen Bewegung angenähert hatte. Sein Schlüsselerlebnis hatte er 1923 in Düsseldorf gehabt: Dort begleitete er den seither in Deutschland – nicht nur von Nationalisten – verehrten Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter zur Hinrichtungsstätte; Schlageter hatte in Essen gegen die französische Ruhr-Besatzung zur Waffe gegriffen. Aber wie so manche Christen, die 1933 von der neuen Autorität, nicht aber von der Ideologie der Nazis geblendet waren, wendete sich auch Faßbender bald und entfaltete oppositionelle Aktivitäten. So vervielfältigte er im Keller Flugschriften und verbreitete sie von Schwadorf aus an Rhein und Ruhr. In waghalsiger Weise unterstützte er auf dem Weg über polnische Zwangsarbeiter einen polnischen Untergrundpriester in Polen und konnte 1944 durch persönliche Intervention einen jungen Deserteur vor dem Tode bewahren. Faßbender, der auch nach dem Krieg als Pfarrer wirkte, verstarb 1956.

 

Dem historischen Sensus eines Privatmannes verdankt das Archiv, dass der kleine, überaus interessante Nachlass seit kurzem in Köln für die Nachwelt erhalten bleibt.

 

Ulrich Helbach