Lysistrata – Der Krieg muss weg

Lysistrata – Der Krieg muss weg

Produktion des Literaturkurses der Q1 am St. Ursula Gymnasium im Juli 2019

In der griechischen Komödie „Lysistrata" entwickeln die Frauen aus Athen und Sparta einen Plan, wie der zwanzig Jahre dauernde Krieg beendet werden kann: Sie verweigern sich ihren Männern so lange, bis diese Frieden schaffen.
Der Autorin Michaela Gösken ist hier eine vergnügliche moderne Version des antiken Stoffes von Aristophanes gelungen, mit vielen Anspielungen auf die heutigen Beziehungen zwischen Frauen und Männern und die Verhältnisse in der Gesellschaft - Wer hat das Sagen? Wer wickelt die Kinder? Wer verdient das Geld? Wer engagiert sich in der Politik? 

Die 26 DarstellerInnen waren schon bei der ersten Leseprobe begeistert

Die 26 DarstellerInnen des Literaturkurses unter der Leitung von Christiane Becker-Nett waren schon bei der ersten Leseprobe begeistert von dem Stück: Bot es doch wirklich für jede und jeden eine perfekte Rolle. Der Kurs arbeitet auf sehr hohem Niveau, die schauspielerische Leistungen waren schon während der Probenzeit hervorragend, so dass die Probenarbeiten sich als reinstes Vergnügen erwiesen: Woche um Woche wurde die „Lysistrata“ mehr und mehr zu einem ganz persönlichen Projekt des Kurses. Voller Inspiration und Spielfreude identifizierten sich die DarstellerInnen mit ihren Rollen und entwickelten Ideen zur Inszenierung und Textüberarbeitung, zu Maske, Kostümen und Bühnenbild.

Ein Augen- und Ohrenschmaus...

Die Athener Damen unter der Führung der Titelheldin treten perfekt frisiert in schicken weißen Kleidern und Hosenanzügen auf und schmieden bei Prosecco und Kuchen am Laptop ihre Pläne zur Beendigung des Krieges ihrer Männer mit den Spartanern, damit endlich die Störche wieder nach Athen kommen. Unterstützung erhalten sie durch die ebenso schöne wie resolute Spartanerin Lampito (natürlich im roten Kleidchen), die alte Seherin und den Chor der Witwen, der Besen schwingend und in Schwarz immer wieder in fantastisch konzertiertes Wehklagen ausbricht und sich auch Seitenhiebe auf die mangelnde Subventionierung der Künste nicht verkneifen kann. Ein Augen- und Ohrenschmaus...

Im Gegensatz dazu schleppen sich die Ehemänner Luftikos, Lethargos, Wutknochos und Trauerklos in abgetragenen Militärlumpen über Schlachtfelder und freuen sich auf den Fronturlaub bei ihren Frauen. Doch als sie in Athen ankommen, haben sich die Frauen auf der Akropolis verschanzt und winken verschmitzt zwischen den weißen Säulen hervor. Was folgt ist – nach der ersten Entrüstung – eine Serie von Versuchen vonseiten der hilflosen Männer, den Streik der Frauen zu beenden. Diese sind den Männern jedoch immer einen charmanten Schritt voraus und so ergeben sich die Männer am Ende nur allzu gerne und unterschreiben die Kriegsdienstverweigerung. Ein wunderbares Happy End mit ernsten Klängen und einem Aufruf zum Frieden, als am Ende die vierte Wand durchbrochen wird.

 

Am Ende steht mit der modernen „Lysistrata“ eine Produktion, die in ihrer Qualität und Aussage noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Was gibt es Schöneres als zu erleben, wie die eigene Freude am Stück sofort aufs Publikum überspringt? Das Publikum amüsierte sich blendend und die Lacher kamen an den richtigen Stellen: etwa bei der eigens einstudierten Boygroup-Choreo der Männer, mit der sie die Frauen fast „rumkriegen“; oder bei der Kissenschlacht der Frauen mit Schlafmaske und Kuscheltier, die durch den Ohnmachtsanfall des überforderten Herolds unterbrochen wird?  Unvergesslich auch die Versuche der Männer, einen Stein aus dem Weg zu räumen. Am Ende muss als „Pragmatiker“ ein Herr aus dem Publikum einspringen und den Weg frei machen. Ein waherer „Brüller“ ist der versehentliche Verlust eines Beines, als ein Säugling etwas zu liebevoll vom cholerischen Wutknochos gewickelt wird.

 

Nach einem arbeitsreichen Theaterjahr und dem Premierenabend sind sich Publikum, Kurs und Leiterin einig: Theatermachen ist für alle die richtige Kursentscheidung gewesen. Am Ende steht mit der modernen „Lysistrata“ eine Produktion, die in ihrer Qualität und Aussage noch lange in Erinnerung bleiben wird.

                                                                                                          Christiane Becker-Nett