MultiCo, MINT und M(m)ehr

Erzbischöfliche Liebfrauenschule, Bonn

MultiCo, MINT und M(m)ehr

Text: Julia Simon und Barbara Busert / Liebfrauenschule

Als eine von nur drei deutschen Schulen wurde die Liebfrauenschule Bonn im Jahr 2015 für die Teilnahme am europäischen MultiCo Projekt ausgewählt. MultiCO („Promoting Youth Scientific Career Awareness and its Attractiveness through Multi-stakeholder Cooperation“)  ist ein dreijährig angelegtes EU-Forschungsprojekt mit dem Ziel, Möglichkeiten zu erforschen, um den naturwissenschaftlichen Unterricht spannend und bedeutsam zu gestalten, die Rolle von Naturwissenschaften und Technik in der Gesellschaft zu verdeutlichen und Schülerinnen und Schülern Karrieremöglichkeiten und Arbeitsfelder im naturwissenschaftlich-technischen Bereich aufzuzeigen. Mit der Teilnahme am MultiCo-Projekt eng verbunden war das Bestreben, das Interesse unserer Schülerinnen an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) praxisbezogen zu wecken bzw. zu stärken und die Relevanz der MINT-Fächer für ihre Lebenswelt herauszustellen.

Prämisse des Praxisbezugs

Getreu der Prämisse dieses Praxisbezugs wurden die entsprechenden Unterrichtseinheiten unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und Partnern aus Industrie und MINT-Berufen entwickelt. Die 7. - 9. Klassen der Liebfrauenschule testeten jene Unterrichtsreihen, die zusammen mit Lehrern, Professoren und Mitarbeitern der Universitäten Bonn, Joennsuu (Finnland), Tartu (Estland), London (GB), Nikosia (Zypern) erarbeitet worden waren, gleiches galt für Schüler in den anderen beteiligten europäischen Staaten.

Schülerinnen profitieren auch nach dem Ende des Projekts

Gemeinsam war allen Einheiten ein motivierendes Einstiegszenario (Filme, Präsentationen, Comics, etc.), das alltagsnah Menschen in ihren jeweiligen technisch-naturwissenschaftlichen Berufen vorstellte.  Dass das Konzept insgesamt aufging, wird im Feedback einer Schülerin der 9. Klasse deutlich: „Die Verknüpfung der Unterrichtsthemen mit konkreten Berufen macht uns klar, warum es sich lohnt, den Stoff zu lernen…“.

Auch nach dem Ende der dreijährigen Projektteilnahme profitieren die Schülerinnen der Liebfrauenschule weiterhin, da die erprobten (fertigen) Unterrichtsmaterialien auch zukünftig  im Unterricht der Klassen 7 bis 9 eingesetzt werden, sodass zukünftig jede Schülerin der LFS Interessantes über naturwissenschaftliche Berufe und Forschung erfährt. Im Hinblick darauf beurteilen wir FachlehrerInnen der MINT-Fächer das Konzept von MultiCo als überzeugend und visionär, da es das Interesse unserer Schülerinnen für den MINT-Bereich auch in Zukunft stärken wird.

MultiCo-Projekt stellt aber nur eines der vielfältigen Angebote im MINT-Bereich dar

Das MultiCo-Projekt stellt aber nur eines der vielfältigen Angebote im MINT-Bereich dar, die unsere Schule bietet. 

Wir beginnen mit unseren MINT-Aktivitäten bereits bei den Grundschülerinnen: In Workshops führen sie unter Anleitung von Oberstufenschülerinnen in den Fachbereichen Ernährungslehre, Chemie, Biologie und Physik Experimente durch. Sie können dabei an einer oder mehreren Werkstätten teilnehmen. „….“

Ab der Jahrgangsstufe 6 besuchen unsere Schülerinnen die MINT-Akademie: Im Rahmen dieses Angebots führt jede Klasse einmal im Halbjahr einen außerschulischen Workshop durch. Dabei knüpfen die Themen der Workshops an den aktuellen Unterricht an oder es werden Themenbereiche der Informatik behandelt. Jede Gruppe wird von MINT-Fachlehrern betreut und begleitet. In der Oberstufe können die Schülerinnen die MINT-Akademie weiter wählen.

In diesem Jahr

In diesem Jahr werden die Schülerinnen in die folgenden Institute fahren und u.a. folgende Workshops durchführen: Deutsches Museum: In der Weihnachtsbäckerei (Stufe 6), FS Bonn Rhein-Sieg: Robotics-Workshop (Stufe 6), Einführung in Microcontroller (Stufe 7), Museum König: Das Beutespektrum der Eulen (Stufe 7), Deutsches Museum: Workshop  "Prima Klima" (Stufe 8), RTH Köln: Für einen Tag Ingenieur (Stufe 8), TH Köln: Experimente mit Seifen - Herstellung und Eigenschaften (Stufe 9).

Die Junior-Ingenieur-Akademie

Die Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) wird als Wahlpflichtfach ab der Klasse 8 angeboten. Jedes Halbjahr beinhaltet eine spezielle Problemstellung, die aber als Gesamtheit mit dem Titel „Technische Forschung in der Zukunft unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz“ überschrieben werden kann.

Vielfältige Kooperationen zur Durchführung der Projekte

Vier Schwerpunktthemen werden behandelt: Energietechnik, Produktions- und Entsorgungstechnik, Fahrzeugtechnik und Medizintechnik, die die Teilnehmerinnen größtenteils in Laboren und Einrichtungen unserer Partner aus Forschung und Industrie kennenlernen. Die Schülerinnen arbeiten vor Ort an Projekten und experimentieren. Ein Semesterprojekt wird dabei in Györ (Ungarn) im Audi-Schülerlabor durchgeführt. Verbunden wird dies mit einem Schüleraustausch mit Schülern der Audi-Hungaria-Schule Györ (finanziert von der Deutschen Telekom Stiftung).

Pro Semester wird an einem der Schwerpunktthemen praktisch gearbeitet. Die Schülerinnen sind weitgehend an außerschulischen Laboren und Einrichtungen beschäftigt und führen dort Experimente durch. Nach vier Semestern erhalten die Teilnehmerinnen ein Zertifikat der Deutschen Telekomstiftung.

Wir kooperieren zur Durchführung der Projekte u.a. mit der Universität Bonn, der Technischen Universität Györ, Bayer, der FH Koblenz, der FH Bonn-Rhein-Sieg, der FH Köln, Covestro, der Dr. Reinhold Hagen Stiftung, Bonn Orange, Remondis, AUDI, der Audi-Akademie Györ und vielen mehr.

Flexibles Angebot für die Oberstufe

Für die Oberstufe entwickelten wir ein flexibles Angebot, in dem wir Wert darauf legen, den vielfältigen naturwissenschaftlichen Interessensschwerpunkten der Schülerinnen Rechnung zu tragen:

Die MINT-Akademie für die Oberstufe beinhaltet Themen aus den klassischen Naturwissenschaften und Technik: Pulssensoren werden an der Hochschule Koblenz gebaut, 3D-Filme an der FH Köln produziert, die Uni Köln bietet einen Chemie-Workshop an und wenn das MINT-Mobil kommt, wird ein Workshop zur Neurobiologie durchgeführt.

Durch das Angebot „FFF“ (Fördern, Fordern, Forschen) der Universität Bonn haben die Schülerinnen die Möglichkeit, bereits Universitätskurse zu besuchen und Scheine zu erwerben, die ihnen später angerechnet werden.

Spektrum außerschulischer Aktivitäten

Zudem können die Schülerinnen an einem großen Spektrum außerschulischer Aktivitäten teilnehmen: u.a. MINT-Symposien (z.B. in Haus Overbach), Schülerakademien, z.B. der Schülerakademie des WWF. Daraus ergeben sich vielfältige Forschungsmöglichkeiten. Eine ehemalige Schülerin entwickelte z.B.  mit einer weiteren Stipendiatin abschließend das Bildungs- und Aktionsprojekt „Zero Waste & No Plastic“ zur Vermeidung von umwelt- und gesundheitsschädlichem Plastikmüll. In vier Seminaren von Klasse 3 bis 10 besuchen sie Grund- und weiterführende Schulen und bilden dort Schülerinnen und Schüler zu Umweltscouts aus. Die Umweltscouts sollen als Multiplikatoren für den Umweltschutz dienen und sich untereinander austauschen. Auch für die Zukunft haben die Schülerinnen bereits Pläne: Dann möchten sie mit den Umweltscouts ein Alumninetzwerk gründen und einen Schneeballeffekt erzielen.

Wir hoffen und glauben mithilfe unserer Angebote die Faszination für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bei unseren Schülerinnen zu wecken und zu stärken, damit sie merken: hinter MINT steckt mehr!

Julia Simon und Barbara Busert