Prof. Dr. Biesinger

Kinder und der Tod

Religiöse Bildung und Erziehung des Kindes in der Kita

Wissenschaftliches Forum EBK Neuss, Abt. Marienhaus

 

In ihrer Persönlichkeitsentwicklung sind Kinder auf religiöser Orientierungs- und Sinnsuche. Sie nehmen sensibel wahr, dass es mehr gibt, dass noch viele Geheimnisse zu ergründen sind, dass es Dinge gibt, die da sind, obwohl wir sie nicht sehen und anfassen können. Erzieherinnen und Erzieher sind gefordert, das Kind in seiner Sinnsuche ernst zu nehmen, es zu respektieren und ihm entsprechende Hilfestellungen und Unterstützung zu geben. Wie diese Aufgabe von sozialpädagogischen Fachkräften religionspädagogisch umgesetzt werden kann, erörterte Prof. Dr. Alfred Biesinger, Universität Tübingen, mit 90 TeilnehmerInnen im Rahmen des diesjährigen Wissenschaftlichen Forums zum Thema „religiöse Früherziehung“ am EBK Neuss, Abt. Marienhaus.

 

Nach Prof. Biesinger müssen Kitas für Kinder ein Ort der Gottesberührung werden, wo sie eine innere Verheißung für das Leben erfahren. Es gilt eine frohe, selbstbewusste Religionspädagogik zu leben, die dem Kind an der Person des Erziehers/der Erzieherin erfahrbar werden soll. Deutlich werden muss, dass göttliche Erfahrung über den Tod hinaus Sicherheit und Perspektive verleiht. Gerade Tod und Sterben zeigen, dass Kinder unterschiedliche, individuelle Zugänge in der Erfahrung und im Umgang damit haben. Hier gilt es, sich empathisch auf Kinderfragen einzustellen und die lebenstragenden Antworten im Glauben greifbar zu machen. Zur religiösen Begleitung von Kindern benötigt die pädagogische Fachkraft nach Prof. Biesinger vier wesentliche Grundkompetenzen: Wissenskompetenz, Beziehungskompetenz, Sprachkompetenz, Ritualkompetenz. Bei der Wissenskompetenz geht es um Glaubenswissen, aber auch um die Auseinandersetzung und Bewusstmachung der eigenen Glaubensbiographie. Mit dem Kind unmittelbar Glauben zu leben, Religion zu thematisieren basiert immer auf der Grundlage von Beziehung. Deshalb ist es erforderlich, dass der Erzieher/die Erzieherin eine vertrauensvolle Bindung mit dem Kind aufzubauen vermag. Bei der Sprachkompetenz geht es darum, das eigene Christsein zum Ausdruck bringen zu können. Eine pädagogische Kraft muss erklären können, warum sie  glaubt. Religiöse Bildung ist geprägt von Ritualen im Alltag.

 

Heutzutage ist religiöse Bildung immer auch interreligiös. Deshalb sollen die Gemeinsamkeiten von Religionen gestärkt werden, den Unterschieden zwischen ihnen muss aber Rechnung getragen werden. Der interreligiöse Dialog setzt voraus,  auf Augenhöhe zu kommunizieren, Störungen nicht zu ignorieren, sondern sie aufgreifen und aufzulösen versuchen.

Nach Prof. Biesinger hat jedes Kind ein Recht auf Religion und religiöse Erziehung, denn wir dürfen „Kinder nicht um Gott betrügen“.

 

EBK Neuss