Schule ohne Rassismus

St. Angela in Wipperfürth ist Teil des „Courage-Netzwerkes“

Das Erzbischöfliche Gymnasium St. Angela in Wipperfürth  wurde am Montag offiziell zum Teil des „Courage-Netzwerkes“. Die Plakette wird an der Schulwand auf gehängt  und soll immer wieder an die Selbstverpflichtung erinnern.

Seit über einem Jahr arbeitet die Schülervertretung schon an dem Projekt und stellte unterschiedliche Veranstaltungen auf die Beine. Schüler des Gymnasiums kochten gemeinsam mit Flüchtlingen am Marktplatz im „Foodtruck“ und eine Schülergruppe der Klasse 8a sammeln unter dem Titel „Wir geben der Flucht ein Gesicht“ Geschichten von Heimatvertriebenen, um sie in einem Buch zusammenfassen, um so gegen Vorurteile anzugehen.

Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus eintreten - dieses Vorhaben verbindet bundesweit schon weit über 2.600 Schulen, die für ihr Engagement mit dem Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet wurden. In NRW gibt es über 700 Netzwerkschulen.

Zivilcourage in der Schule zeigen

Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage (SOR-SMC) ist ein Projekt von und für Schüler_innen, die gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten wollen. Dabei geht es besonders darum, Zivilcourage zu entwickeln und ein Schulklima zu schaffen, in dem „anders sein“ als Normalfall akzeptiert

Größtes Netzwerk von Schüler/innen in Deutschland

NRW unterstützt das Schulministerium das Projekt personell.

Kinder und Jugendliche werden aktiv, weil es sie stört, wenn Menschen zum Beispiel wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder aufgrund ihrer Religion beschimpft, gemobbt oder gar körperlich bedroht werden. Sie engagieren sich, weil es die Situation erfordert, und sie handeln unmittelbar, ohne zuvor ein Expertenkomitee zu Rate zu ziehen. Das Courage-Netzwerk bietet Schüler*innen einen angemessenen Rahmen für ihr bürgerschaftliches Engagement.

Gleich in der ersten Schulwoche hat der Food Truck der Aktion Neue Nachbarn auf dem Wochenmarkt in Wipperfürth Halt gemacht. Schülerinnen und Schüler des Erzbischöflichen Sankt-Angela-Gymnasiums verteilten gegen Spenden Wraps an die Marktbesucher. „Wir wollen mit Menschen aus Deutschland und mit Flüchtlingen das Essen teilen, damit die Deutschen und die Flüchtlinge sich kennenlernen“, erklärt Ashraf Sweidan. Der 21-jährige Syrer macht im kommenden Jahr an der Schule sein Abitur. Seit drei Jahren lebt er in Deutschland. „Die Schüler setzen sich ein für mich, wenn ich zum Beispiel Fragen habe“, erzählt er.

Die Themen Migration, Integration und Hilfe für Geflüchtete spielen am Sankt-Angela-Gymnasium eine große Rolle. So absolvieren die Schülerinnen und Schüler der Stufe 9 ein zweiwöchiges Sozialpraktikum, viele von ihnen bei WippAsyl, der örtlichen Flüchtlingshilfe in Wipperfürth. Die Jugendlichen betreuen zum Beispiel Familien, bringen Kinder in die Schule und helfen bei Sprachproblemen.

Die Aktion Neue Nachbarn ist die Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln. Unter dem Motto „EAT&GREET– Zusammen isst besser“ rollt seit April ein Food Truck durch die Diözese. Helfer und Flüchtlinge können den Wagen nutzen, um mit internationalem Essen ihre Initiativen vor Ort zu präsentieren. Mehr Informationen unter www.eat-greet.de.

Die Rede zur Feierstunde

Anlässlich unserer kleinen Feierstunde zur Titelverleihung „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ hielten unsere Paten Daniel Breidenbach und Hubertus Gierse von Querbeat eine mitreißende Rede, die wir an dieser Stelle der gesamten Schulgemeinschaft noch einmal zur Verfügung stellen dürfen. Vielen Dank für diese bewegenden Worte!

Schule ein Vorbild für die Gesamtgesellschaft

„Lieber Herr Krämer, lieber Herr Kemper, liebe Frau Hennigfeld, liebe SV, liebe SuS, Lehrerinnen und Lehrer, liebe Gäste, vielen Dank für die Einladung ans St. Angela Gymnasium. Daniel und ich freuen uns sehr als Vertreter von Querbeat heute bei Ihnen und bei euch zu sein, um die Patenschaft für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu übernehmen. Insbesondere, weil wir als ehemalige Schüler eine persönliche Verbindung zum St. Angela Gymnasium haben.

Es ist beeindruckend, dass über 80% der SuS, Schulangestellten und Lehrer sich mit ihrer Unterschrift verpflichtet haben, aktiv gegen jede Form der Diskriminierung, der Gewalt und des Mobbings an der Schule einzutreten, bei Konflikten einzugreifen und Courage zu zeigen. Durch die aktive Umsetzung dieser Grundsätze gestaltet ihr auf der einen Seite eure Gegenwart im Zusammenleben als Schulgemeinschaft, auf der anderen Seite aber auch eure individuelle Zukunft, indem ihr die erlernten und erlebten Überzeugungen und Werte wie Offenheit und Toleranz mit euch in die Welt hinaustragt. Jede(r) Einzelne von euch kann durch das überzeugte Eintreten gegen jede Form von Diskriminierung zum Vorbild werden: Zum Vorbild für Mitschüler, zum Vorbild für Freunde, zum Vorbild für die Familie. Genauso kann Schule ein Vorbild für die Gesamtgesellschaft werden, das St. Angela für Wipperfürth und Umgebung.

 

Aber wo fängt Rassismus an?

Für uns als Band ist Integration mehr als nur ein Wort. Andere Herkunft zu akzeptieren und lieben zu lernen ist Basis von allem: von Zusammenarbeit, von Gemeinsamkeit und von Kreativität. Verschiedene Einflüsse und verschiedene Kulturen machen uns reicher, niemals ärmer. 

Aber wo fängt Rassismus an? Wir supporten unter anderem das Engagement von SOS Mediterranee. Als überzeugte Europäer haben wir eine klare Haltung: Wer Unterschiede macht zwischen seinem Nachbarn im Heimatland und Menschen die vor unserer Haustür, dem Mittelmeer, der Haustür Europas, ertrinken, fängt an, unmenschliche Grenzen zu ziehen zwischen Menschen wie dir und mir.

Unserem Nachbarn würden wir sofort helfen, hier aber schauen wir weg. Ganze Boote mit Schicksalen werden allein gelassen, schlimmer noch, allein sterben gelassen, an unserer Grenze, unserer europäischen Haustüre. Aber: Grenzen zu verschieben, Grenzen einzureißen, Vorurteile abzubauen, das ist unsere Aufgabe, die Aufgabe von uns allen in der Zukunft.

„Schule ohne Rassismus“ ist nicht nur ein Label, es ist eine Verantwortung

Lasst uns Schwarz-Weiß-Denken einfach mit Grafitti und Pinseln bunt übermalen, der Gesellschaft zeigen wofür wir, die Guten, stehen. Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Ausgrenzung und Stereotypisierung haben hier in unserer Gesellschaft keinen Platz! Lasst uns offen sein, dann wird unser Leben bereichert! Unterschiede machen unsere Gesellschaft besonders, nicht fremdartig. Nie Wegschauen sondern Hingehen, nie vergessen sondern wissen, nie weghören sondern für alle Benachteiligten ein offenes Ohr haben.

„Schule ohne Rassismus“ ist nicht nur ein Label, es ist eine Verantwortung, die wir alle tragen! Packen wir es an, mit Courage, gegen Rassismus, in den Schulen, im Alltag und überall! Die Zukunft fängt jeden Tag neu und immer genau an einem Punkt an: jetzt und hier.“

(Daniel Breidenbach und Hubertus Gierse)