St. Anna setzt schachmatt!

St. Anna setzt schachmatt!

Zu Beginn des neuen Jahres standen für die Schachfreunde an St. Anna wieder jede Menge spannender Wettkämpfe im Denksport an. Zunächst waren wir fest entschlossen, unseren Stadtmeistertitel des letzten Jahres zu verteidigen und traten unseren Gegnern der anderen Wuppertaler Schulen hochmotiviert und konzentriert mit ganzen vier Mannschaften entgegen. Sozusagen in der Höhle des Löwen – der Aula des Gymnasiums Bayreuther Straße – setzten wir uns nach zähem Ringen gegen eine starke Gegnerschaft durch.

 

Jan Beumker, Mark Voorbrock, Sam Burth und Jugend-Europameisterin Luisa Bashylina errangen den Stadtmeistertitel in der Wettkampfklasse II und lösten damit das Ticket zur Landesmeisterschaft. Ganze 920 Schüler in 197 Mannschaften trafen sich in Düsseldorf, um am größten Schachturnier in NRW teilzunehmen. Insgesamt konnten wir nicht nur ein erfreuliches Ergebnis in der Mannschaftswertung erzielen. Unserem „Schuljoker“ Luisa Bashylina gelang es, sich als beste Einzelspielerin Nordrhein-Westfalens in der Wettkampfklasse II zu behaupten.

 

St. Anna

Geschichte des Spiels

Die heutigen Schachhistoriker sind sich darin einig, daß das eigentliche Schach - mit einigen Unterschieden zu den heutigen Regeln - um 500 n. Chr. im Nordwesten Indiens seinen Ausgang nahm und sich von dort in alle Himmelsrichtungen ausbreitete. Dafür spricht auch, daß die Grundstellung der Schachfiguren dem damaligen indischen Heer entsprechen:

"In der Mitte steht der König, daneben der Oberbefehlshaber (damals der Wesir, heute die Dame), rechts und links die Elefanten, die Pferde, die Wagen und das Fußvolk davor".

Das moderne Schach ist in fünfzehnhundertjähriger Entwicklung um die ganze Erde gewandert. Dabei flossen Regeln, Symboliken und viele nationale und kulturelle Eigenarten östlicher und westlicher Kulturen in das Spiel ein. Vermutlich ist das Schach von indischen Händlern und Soldaten nach Persien gebracht worden.

Der Name "Schach" leitet sich vom persischen Wort "Schah" - König - ab.

Die Epoche des Aufstiegs der arabischen Wissenschaften war auch die erste Blütezeit des Schachspiels. Mathematiker, Mystiker, Mediziner und Meister aller Klassen stürzten sich auf das neue Spiel wie auf eine Fundgrube wunderbarer Geheimnisse. Die ersten Schachmeister verdienten ihr Brot am Hofe. Mediziner empfahlen das Spiel als psychiatrisches Heilmittel. Mit speziell verschriebenen Spielstilen wollten die Ärzte den Charakter beeinflussen und Krankheiten heilen. So sollten Melancholiker durchgeplanten Spielstrategien folgen, während sich Phlegmatiker vor allem Schematismus zu hüten hatten.

Das Spiel unterlag nach dem Urteil der islamischen Religionshüter nicht dem Spielverbot der 5. Sure Vers 92 ff, was erstaunt, da manch ein Dichter sogar in Schachmetaphern gegen das Bilderverbot verstieß und den Schachspieler Gott gleichsetzte:

"Die Welt ist ein Schachbrett, Tag und Nacht geschrägt,
Wie Schicksal Mensch hin und her bewegt,
Sie durcheinander schiebt, Schach bietet, schlägt,
und nacheinander in die Schachtel legt."

Das Spiel wurde geduldet, wenn
- nicht um Einsätze gespielt wurde,
- das Spiel nicht die Gebete behinderte,
- die Spieler nicht fluchten
- und nicht auf öffentlichen Plätzen gespielt wurde.

Zum Durchbruch verhalf der Schwiegersohn Mohammeds dem Schach im Jahre 632: Er sagte: "Es ist nichts Unrechtes am Schach. Es hat mit Krieg zu tun." Ein Ausspruch der die Entstehungslegenden konterkariert aber vor dem Hintergrund der damaligen kriegerischen Unternehmungen zur Befreiung der "Ungläubigen" verständlicher wird.

Der Erfolg des Schachs ging in Arabien Hand in Hand mit der Verbreitung der Dichtkunst. Schach als Thema hielt Einzug in die Literatur. Liebeskunst und Schachkunst lagen eng beieinander, und nicht selten endete eine Schachpartie zwischen Mann und Frau im Bett. Die Liebeskunst stand wohl doch über der Schachkunst -wie auch im Mittelalter das Liebesschach zu einem Leitmotiv der Minne wurde.

Im Vergleich zum heutigen dynamischen Schach war das Spiel damals viel langsamer. Die Bauern konnten auch mit dem ersten Schritt nur ein Feld vorrücken; die �Powerdame� von heute war ein kleiner Wesir der nur einfache Schrägschritte machen konnte. Die Läufer durften auf ihrer Diagonale nur auf das übernächste Feld springen, allerdings auch über Figuren hinweg. Die Rochade war unbekannt. Der zähe Verlauf führte zur Entwicklung der "Tabiyas": das sind aktive Eröffnungsstellungen, die beiden Spielern eine spiegelbildliche Ausgangsstellung gaben, die nicht der Grundstellung entsprach.

Quelle: www.humboldtgesellschaft.de