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Domwallfahrt im Jahr 2017

Schuljubiläum in Düsseldorf und Neuss

Zwei Wallfahrten zum Dom

 

90 Jahre – Erzbischöfliches Berufskolleg in Düsseldorf  & 160 Jahre Erzbischöfliches Gymnasium Marienberg in Neuss

„Einheit“- was verbinden wir mit diesem Wort? Vielleicht fällt uns der Tag der Deutschen Einheit ein, oder wir denken an Maß-Einheiten oder an eine Gruppe bei der Polizei …Und wie ist es bei „Einigkeit“?  ... und Recht und Freiheit. Einigkeit klingt nach Konsens, Gemeinsamkeit, Übereinstimmung:

 

Da sind wir uns doch einig!

Einigkeit und Einheit begegnen uns auch in unserem Glauben. Die junge christliche Gemeinde war – der Apostelgeschichte nach – ein Herz und eine Seele. Und Jesus bittet und betet für Einheit, wohl wissend, dass diese gar nicht so einfach zu bewahren bzw. wiederherzustellen ist.

 

Aber es ist und bleibt Jesu Auftrag an uns- gerade im Jahr des Reformationsgedenkens: „Alle sollen eins sein“. Das Motiv zur  Domwallfahrt; "Alle sollen eins sein" gilt insbesondere für zwei jubilierende Erzbischöfliche Schulen, die ihr  Schuljubiläum als Abschluss und Auftakt mit einer Domwallfahrt krönten.

 

Wurde  im Erzb. St. Ursula Berufskolleg der Festakt zum 90-jährigen Bestehen des St. Mit der Wiedereröffnung der Schulkirche in der Altstadt gestartet, beendet  das Erzbischöfliche Gymnasium Marienberg in Neuss sein Jubiläum mit einer Schiffswallfahrt und 1200 Schülerinnen zum Kölner Dom.

Schulrat Thomas Pitsch

Zwei Erzbischöfliche Schulen machten sich in diesem Jahr im Rahmen ihres Jubiläumsjahres auf den Weg und zeigten eine wunderbare Gemeinschaft.  Pilgern, so Schulrat Thomas Pitsch, heiße aufbrechen. Das Wallfahren und Pilgern gehöre zum  Christentum, solange es das Christentum gebe.

 

Abraham der Begründer des Volkes Gottes sei in das verheißene, gelobte Land aufgebrochen. Seit dieser Zeit gehöre der Aufbruch zum Christentum wie das Amen in der Kirche. Pitsch: „Christus ist aufgebrochen, die Jünger sind aufgebrochen, die heiligen Drei Könige sind aufgebrochen. Das Erzbischöfliche Berufskolleg Düsseldorf und das Erzb, Gymnasium Marienberg in Neuss brachen auf. Im Sinne des Wallfahrtsgedankens waren sie bereits andere als sie gingen. Die Domwallfahrt ist  jeweils mehr als ein frommer Akzent. Sie rührt an das Wesen des Christentum als Anhänger des neuen Weges, der gegangen werden will, um die frohe Botschaft zu verkünden. So viele Schülerinnen und Schüler in einem voll besetzten Dom: ein wunderbares Bild, ein ermutigendes Zeichen des Glaubens.“

 
Katholische Schulen bieten Kindern und Jugendlichen, Lehrkräften und Eltern einen Lern-Erfahrungs- und Lebensraum an, in dem religiöse Erziehung und Bildung von zentraler Bedeutung sind. Grundlegend ist dabei die Überzeugung, dass zu einer vertieften Erkenntnis der Wirklichkeit auch ein Bewusstsein von deren religiöser Dimension gehört. Diesen Weltzugang für Kinder und Jugendliche zu erschließen, ist eine anspruchs- volle Aufgabe, der sich Katholische Schulen und die in ihnen arbeitenden Lehrkräfte stellen müssen. Die religiöse Dimension ihrer Erziehungs- und Bildungsarbeit darf sich daher nicht allein auf den Religionsunterricht beschränken, sondern muss den Unterricht aller Fächer wie auch die vielfältigen außerunterrichtlichen Angebote und das gesamte Schulleben durchziehen.

 

Dies, so Schulrat Pitsch, sei hier vorbildlich gelungen. Gespräche mit den teilnehmenden Schulen hätten ihm gezeigt, dass trotz aufwendigen Organisationsrahmens beide Erzbischöflichen Schulen gezeigt haben, Phänomene der Wirklichkeit über die jeweiligen Fachperspektiven hinaus konsequent auch aus religiöser Perspektive als Schulgemeinde betrachten zu können. Dies entspreche vorbildlich ihrer eigentlichen Bildungsaufgabe.

Schulrat Pitsch: „Damit erweitern die Schulen mit der Wallfahrt das Weltverstehen der Kinder und Jugendlichen und bieten neue und andere Möglichkeiten der Weltdeutung. Der Aspekt des Unterwegsseins ermöglicht die Reflexion über den Moment hinaus. In einem so skizzierten Bildungsverständnis verbinden sich die Erkenntnisse der Wirklichkeit mit deren christlich-ethischer Reflexion. Ziel solchen Lernens ist ein Orientierungswissen, das es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, die Welt unter verschiedenen Perspektiven zu betrachten und differenziert zu bewerten sowie entsprechende eigene Positionen zu entwickeln und zu vertreten.“

 

 

 

Schiffswallfahrt

„Anlässlich des 160jährigen Jubiläums unternahm das Erzbischöfliche Gymnasium Marienberg, Neuss, unter dem Motto „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21) zum Abschluss des 160. Jubiläums am 14.09.2017 eine Schiffswallfahrt zum Kölner Dom.

 

Zunächst machten sich am Morgen in mehreren aufeinanderfolgenden Zügen alle 1101 Schülerinnen in Begleitung von 100 Lehrerinnen und Lehrern sowie den Sekretärinnen und Hausmeistern auf den Weg nach Köln. Nach einem gemeinsamen Einzug feierte unser Schulseelsorger, Pfr. Guido Dalhaus, mit der ganzen Schulgemeinde um 12.00 Uhr im Kölner Dom eine hl. Messe zum Fest Kreuzerhöhung, zu der uns der Kölner Stadt- und Domdechant, Msgr. Robert Kleine, begrüßte. Der Schulchor gestaltete den Wallfahrtsgottesdienst festlich mit.

Schulleiter Josef Burdich

Schulleiter J. Burdich: „Gerne haben wir in diesem Jahr die Einladung zur Domwallfahrt aufgenommen, begeht das Erzb. Gymnasium Marienberg in Neuss doch in diesem Jahr sein 160jähriges Jubiläum. Das ganze Jahr über haben die Fachschaften mit Veranstaltungen zu diesem besonderen Jahr beigetragen. Jedoch die Wallfahrt nach Köln sollte der Höhepunkt des Festjahres werden. 

 

Es war für alle ein erhebendes Erlebnis, als im gut gefüllten Dom die Schar der Ministrantinnen mit Herrn Pfarrer Dalhaus einzog, begleitet von Weihrauch und zu den fast schon mystischen Klängen von Josquin Desprez‘ „Tu pauperum refugium“, das der Marienbergchor eindrucksvoll von der Orgelempore intonierte; pünktlich brachen draußen die Wolken auf, so dass die Sonne die Fenster des Chores und das Richterfenster wie einen Schrein erstrahlen ließen. Wir waren alle erfüllt!

 

Die anschließende Prozession durch das Chorhaupt unter dem Schrein der hl. Dreikönige hindurch ließ uns ebenso Zusammengehörigkeit erfahren wie der Weg über Domplatte, am Museum Ludwig vorbei zum Rheinufer, wo uns die „Rheinenergie“, das größte KD-Schiff erwartete. Das Programm auf dem Schiff stellte uns nochmals sinnfällig vor Augen, dass die Schulgemeinde Jahr für Jahr, vergleichbar einem Schiff mit Mannschaft und Kapitän, unterwegs ist. Nur ist unser Kapitän Jesus Christus, auf den wir als Christen unser Vertrauen gesetzt haben.

Beginn der Domwallfahrten Erzbischöflicher Schulen

29 Erzbischöfliche Schulen sandten bei der ersten Domwallfahrt eine Abordnung von 3000 Schülerinnen und Schüler nach Köln.

Sie repräsentierten 36000 Schülerinnen und Schüler der Erzbischöflichen und anderen Katholischen Freien Schulen. Das Gefühl, „wie gut es ist, wenn man nach einem langen Weg endlich am Ziel ist“, haben nicht nur die Heiligen Drei Könige auf der Suche nach dem neugeborenen König der Welt empfunden, sondern auch die Schülerinnen und Schüler die sich auf den Weg machten.

 

Mit Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela sei Köln dank der Heiligen Drei Könige „zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des christlichen Westens geworden“ - das hat Benedikt XVI. den Kölnern beim Weltjugendtag 2005 ins Stammbuch geschrieben. Durch eine alljährliche Domwallfahrt soll das Bewusstsein für diesen geistlichen Schatz verstärkt werden. Vielleicht ist Köln auch ein wenig das deutsche Rom und dahin wallten die Schülerinnen und Schüler der Erzbischöflichen Schulen. Wie sich die Wallfahrt in den nächsten Jahren entwickeln wird, kann sicherlich erst mit zeitlichem Abstand benannt werden, weil sich Erfahrungen nicht konstruieren lassen.

 

 Es ist immer auch die praktizierte Schulgemeinschaft, die ein Miteinander von Lehrern und Schülern erfahrbar werden lässt. Nicht gilt es, die auf einem Minimalkonsens beruhenden Richtlinien im Fach Religion unreflektiert zu übernehmen, sondern deutliche Akzente, nicht nur in der theoretischen Reflexion über Glaubensinhalte, sondern im praktischen Glaubensvollzug zu setzen. Neben der wöchentlichen Schulmesse erleben die Schüler und Schülerinnen den Spannungsbogen des Kirchenjahres und gewinnen im Laufe der Zeit die Erkenntnis, dass die Eucharistiefeier das Zentrum des christlichen Glaubens sei. Man erlebte Wallfahrer, die angesichts des gotischen Bauwerks den Blick hoben und Überblick zeigten. Denn hin und wieder muss man den Blick heben, um über die irdische, menschliche Wirklichkeit hinaus auf die göttliche Verheißung eines wartenden, friedliebenden Gottes zu blicken. Die erlebbare, gute, würdige Stimmung versprach, dass viele versuchen werden, die Welt in der sie leben besser zu machen, nach dem Evangelium zu leben. Spürbar wurde auch, dass Schüler stolz waren, an Gott zu glauben.

 

Schülerinnen und Schüler leben nicht aus ihrer Selbstverwirklichung, sie brauchen verlässliche Vorbilder, sie können sich nicht selbst umarmen. Sie brauchen den anderen, das Miteinander und ein Ziel. Der Weltjugendtag 2005 hat etwa eine Million Menschen in Köln zusammengeführt und viele haben in diesen Tagen erlebt, mit ihrem Glauben nicht allein zu stehen, sondern zu einer großen, weltweiten Gemeinschaft zu hören. Das hat auch den Glauben des Einzelnen gestärkt.

Der Weltjugendtag stand unter dem Leitwort; „Wir sind gekommen, ihn anzubeten“. Es sind die Worte der Weisen aus dem Morgenland, als sie vor Herodes stehen. Im Kölner Dom werden die Gebeine der hl. Drei Könige verehrt. So lag es nahe, den Weltjugendtag in Verbindung mit dem Geburtstag, dem Weihetag des Kölner Domes im Rahmen einer Wallfahrt lebendig zu halten. So soll nun regelmäßig um den 27. September herum eine Domwallfahrt durchgeführt werden, in die selbstverständlich vor allem junge Menschen eingebunden werden sollen. In diesem Jahr steht sie ebenfalls unter einem Satz aus dem Evangelienabschnitt über die Weisen aus dem Morgenland: „Als sie den Stern sahen, wurden sie mit sehr großer Freude erfüllt“. Der Besuch des Papstes in seiner bayrischen Heimat stand unter dem Leitwort: „Wer glaubt ist nie allein“. Das sollte auch die Erfahrung sein, die wir unseren Schülern und Schülerinnen als Stärkung für ihren persönlichen Glauben wünschen, wenn wir zusammen mit den anderen erzbischöflichen Schulen an diesem Fest des Glaubens teilnehmen.

 

Die Erzbischöflichen Schulen und anderen Freien Katholischen Schulen zeigten Flagge(n), die eigens für diese Domwallfahrt und künftige Zusammenkünfte angefertigt wurden. Jede der 29 Schulen hatte ihre eigene Flagge, hinter der sich die Schulgemeinde versammelte und ein Ganzes bildete. Die zukünftig jährlich stattfindende Domwallfahrt hatte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am 6. Januar 2006, dem Festtag der Heiligen Drei Könige, in einem Gottesdienst angekündigt. Die erneuerte Domwallfahrt nimmt die positiven Erfahrungen des Domjubiläums 1998 und des Weltjugendtages 2005 auf.

 

Die Idee der Domwallfahrt ist nicht neu. Spätestens mit der Ankunft der Reliquien der drei Weisen im Jahr 1164 trat Köln in die Reihe der abendländischen Wallfahrtsorte; seitdem kommen die Menschen in die Domstadt. Sie machen sich, wie einst die Weisen, auf den Weg, um Christus zu finden. Wie jene im Stern ein Zeichen Gottes erkannten, sollen auch die Pilger von heute Gottes Nähe in ihrem Leben erfahren. Darum zu beten, dafür aufmerksam zu werden und sich darüber zu freuen, ist Sinn und Ziel der Domwallfahrt.

Olaf Gruschka