20. Dezember 2017 Holger Dörnemann


 

„›Du, Mächtiger, hast Großes an mir getan‹. Meine Ahnen haben mich gelehrt, du seiest so erhaben über alle und alles; ich dürfe deinen Namen nicht aussprechen; ich dürfe es nicht wagen, in deine Nähe zu treten, sonst müsse ich sterben. Und jetzt hast Du dich selbst in die Enge meines Schoßes hineinbegeben. In mir hast Du dich leibhaftig in die Menschheit hineinverwurzelt. In mir hast du einen neuen Namen angenommen: Immanuel, Gott mit uns. Das bist du, mein Kind.
 Mein Volk Israel hat dein machtvolles Wirken von Generation zu Generation erfahren, Du warst mit Israel. Du hast es geführt und befreit. Unsere Väter haben mir die wunderbare Geschichte deiner Liebe erzählt. Und nun hat diese Geschichte gleichsam in mir Fleisch angenommen. Ich darf in mir sowohl die Erinnerung an deine viele Großtaten als auch die Erfüllung deiner unerhörten Verheißung tragen. Du schweigenden und verborgener Gott, hast dich wohl von Zeit zu Zeit meinem Volk offenbart. Du hast gesprochen; du hast dich gezeigt; du bist erschienen. Aber dein Anblick war nicht zu ertragen, du Erhabener. Und jetzt hast du in mir ein menschliches Gesicht angenommen. Bald wirst du sichtbar erscheinen. Dann werde ich im Gesicht meines Kindes das Gesicht meines Gottes sehen.
 Der Herr ist mit mir. Wohl hattest du trauten Umgang mit einigen meiner Ahnen, Du warst ihnen nah. Aber selbst die Großen meines Volkes sind dir mit Furcht und Zittern begegnet, du großer Gott! Und jetzt hast du in mir ein menschliches Herz angenommen. Ein Herz für mich, für alle Menschen aller Zeiten. Dein Herz schlägt in mir, ganz in der Nähe meines Mutterherzens. Ich darf dich lieben mit dem Herzen, das du selbst mir geschenkt hast. In meinem innersten Innern erfahre ich innige Verbundenheit und Freundschaft mit dir, Ich glaube an dich mit meinem Herzen. Und ich kann dafür nur danken. Mein Herz strömt über in unbeschreiblicher Freude „Hochpreiset meine Seele den Herrn. ›Mein Geist ist voll Jubel über Gott meinen Retter.‹“


Aus: Josef Heinzmann, Glauben ist Freundschaft, Freiburg/CH 1980, S. 114-116.

 

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