Bonn – Festakt in der Godesburg – Interview

18. März 2019 Newsdesk/mac

Kurienerzbischof Georg Gänswein wurde am vergangenen Samstag, 16. März, in der Godesburg als neuer Schirmherr der Priesterausbildungshilfe e.V. eingeführt. Gänswein folgt damit auf den 2017 verstorbenen emeritierten Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp übernahm die Schirmherrschaft in der Zwischenzeit. Die Priesterausbildungshilfe e.V. vergibt Stipendien an Priester, die aus ärmeren Ländern stammen. Sie haben die Möglichkeit, an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom zu studieren.

„Als ich gebeten wurde, die Aufgabe als Schirmherr zu übernehmen, musste ich nicht lange überlegen“, sagte Gänswein in seiner Ansprache. Er tue das von Herzen gerne aus der Überzeugung heraus, dass er eine kleine Dankesschuld abtragen und etwas davon zurückgeben könne, was er selbst empfangen habe. „Und weil mir die Priesterausbildungshilfe am Herzen liegt.“

Gänswein im Interview über Vertrauen und Sinnsuche

In einem kurzen Interview vor dem Festakt sprach er darüber, wie die Kirche verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und wie sie jungen Menschen bei der Sinnsuche helfen könne: 

Sie haben den Missbrauch als 9/11 der Katholischen Kirche bezeichnet. Was kann die Kirche tun, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen?

Erzbischof Gänswein: „Vertrauen setzt immer voraus, dass ich glaubwürdig bin. Wo ein Verlust an Glaubwürdigkeit da ist, da muss ich alles tun, um diesen Verlust wettzumachen. Nicht mit Strategien, irgendwelchen künstlichen Aktionen, sondern einfach mit Klarheit, mit Mut, mit Ehrlichkeit oder – um es mit einem Modewort zu sagen – mit Transparenz.

Die Kirche hat mehr zu geben, als wir manchmal glauben. Es geht nicht darum, dass der Priester sich selbst als großartige Persönlichkeit darstellt, sondern der Priester soll das Erlösungswerk Jesu Christi fortsetzen. Darum geht es auch heute in der schweren Situation, in der wir leben.

Aber schwierige Situationen sind Herausforderungen, denen man sich stellen muss und die man mit der Hilfe Christi auch überwinden kann. Das ist meine feste Überzeugung, auch und gerade im Hinblick auf die Priesterausbildung.“ 

Wie kann die Kirche jungen Leuten bei der Sinnsuche helfen?

Gänswein: „Meines Erachtens ist es so, dass die Kirche jungen Menschen am meisten hilft, wenn sie ganz klar sagt, wie sie das Priestertum sieht. Sie soll den jungen Menschen erklären, welche Lebensweise sie für die Angemessenste hält, die ein Priester eingehen soll. Es muss ganz normal, natürlich, entschieden und überzeugend gesagt werden. Dann muss auch die Einladung erfolgen, sich auf diesen Weg zu machen.

Ich bin überzeugt, dass es hilft, aus dieser schwierigen Situation herauszukommen und eine neue Perspektive zu eröffnen für junge Menschen, die nach dem Sinn ihres Lebens suchen. Für dieses Leben und darüber hinaus.“

Wie haben Sie erkannt, dass Sie zum Priester berufen sind?

Gänswein: „Für mich war es entscheidend, dass ich vor der Oberprima gespürt habe: Ich muss irgendwohin, um zu suchen, um Fragen nicht nur zu stellen, sondern auch Antworten zu bekommen nach dem Sinn des Lebens. Da habe ich zuerst an die Theologie und die Philosophie gedacht, die mir geholfen haben.

Im Priesterseminar habe ich Personen erlebt, vor allem einen geistlichen Leiter, der mir durch all meine inneren Schwierigkeiten hinausgeholfen hat. Schritt für Schritt bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass das wirklich mein Weg, meine Berufung und mein Lebensziel ist. Das ist in wenigen Sätzen umrissen, aber der Prozess hat einige Jahre gedauert.“

Die Priesterausbildungshilfe e.V.

Die Priesterausbildungshilfe e.V. wurde 1991 in Köln gegründet, um Priesternachwuchs aus aller Welt zu fördern. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die Vergabe von Ausbildungsstipendien für Seminaristen und für Priester in Weiterbildung. Die Seminaristen und Priester studieren im Auftrag ihrer Bischöfe an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom, um ihre akademische Ausbildung international zu vertiefen. Dabei setzen sie sich mit ihrem Glauben auseinander, um ihn authentisch weitergeben zu können.

Im akademischen Jahr 2017/2018 konnten 34 Stipendien an Kandidaten aus 16 Ländern vergeben werden. Die meisten Stipendiaten kommen aus den ärmsten Regionen der Welt und aus Ländern, in denen Christen verfolgt werden, zum Beispiel Nigeria, China, Indonesien oder Vietnam.