Erzbistum Köln - Ethische Fragestellungen auf allen Ebenen im gesamten Gesundheitswesen

7. Dezember 2018 Newsdesk/lmi

Was passiert, wenn die Ärzte Eltern auf der Neugeborenen-Station mitteilen, dass für ihr deutlich zu früh geborenes Kind nichts mehr getan werden kann und die Eltern diese Meinung nicht nachvollziehen können? Oder was passiert gar, wenn sich Ärzte und Pflegepersonal selbst über die Behandlung des Patienten nicht einig sind?

Ob in Krankenhäusern, Altenheimen, Frühgeborenstationen oder Hospizen: ethische Fragestellungen sind sowohl für Pflegende als auch für die behandelnden Personen oftmals ein großes Thema. Um in solchen Situationen eine fundierte Entscheidungshilfe zu leisten, führen viele Einrichtungen im Erzbistum Köln „Ethische Fallbesprechungen“ durch.  

Wer nimmt an Ethischen Fallbesprechungen teil?

In zahlreichen Einrichtungen im Erzbistum Köln und darüber hinaus können sich die Behandelnden in solch problematischen Situationen an das hausinterne Ethikkomitee wenden. Das Komitee organisiert im nächsten Schritt eine Ethische Fallbesprechung, an der alle Behandelnden teilnehmen – das können zum Beispiel Ärzte, Pflegende, Seelsorger und Sozialdienste sein. Dieser übergreifende Austausch ist wichtig, damit vielfältige Perspektiven in die Diskussion integriert werden können.

Friedhelm Berlitz, Oberarzt Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie in der St. Lukas Klinik Solingen, führt als Beispiel an: „Die Ärzte übertreiben oft.“ Heute gebe es eine Vielzahl von Behandlungs-möglichkeiten, auf die oft zurückgegriffen werde, ohne das Wohl des Patienten zu bedenken. An dieser Stelle könnten die Pflegekräfte, die im täglichen Kontakt mit dem Patienten stünden, das Wort ergreifen. Außerdem nehmen ein neutraler Moderator und ein Protokollant teil.

Wie läuft eine Fallbesprechung ab?

Im Anschluss an die Besprechung des Falls werden Fragen eines standardisierten Katalogs diskutiert, die sich z.B. mit der medizinischen oder der lebensanschaulichen und sozialen Dimension beschäftigen.

Ute Ganz, leitende Pflegekraft der Intensivstation im St. Elisabeth Krankenhaus Köln-Hohenlind, kennt noch die Zeit, in der keine ethischen Fallbesprechungen durchgeführt wurden. Sie stellt fest: „Die Fallbesprechungen sind hilfreich, da so eine sachliche Informationssammlung möglich ist und man den Weg im Team gemeinsam gehen kann.“

Das Ergebnis der Fallbesprechung ist eine Empfehlung für die letztverantwortlichen Entscheider in Medizin und Pflege.

20-jähriges Jubiläum

Die Ethischen Fallbesprechungen werden bereits seit 20 Jahren im Erzbistum Köln angeboten. Gefeiert wurde das Jubiläum mit einem Festakt am 5. Dezember 2018. In dieser Zeit wurden durch das Erzbistum:

  • etwa 220 Implementierungs- und Begleitprozesse in Kliniken, Altenheimen, Psychiatrien und weiteren Einrichtungen durchgeführt,
  • 600 Moderatorinnen und Moderatoren ausgebildet.

Monsignore Rainer Hintzen, Diözesankrankenhausseelsorger und Abteilungsleiter der Abteilung Seelsorge im Sozial- und Gesundheitswesen, blickt zurück: das Konzept der Ethischen Fallbesprechungen sei damals von Nimwegen (Holland) nach Köln importiert worden, dort habe man dann „echte Pionierarbeit“ geleistet. Heutzutage seien die Fallbesprechungen jedoch allerorts eine etablierte Methode.