Dokumentation des 8-Punkte-Plan für verbesserten Schutz vor ­sexualisierter Gewalt

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und Generalvikar Dr. Markus Hofmann haben am 23. März 2021 die ersten Konsequenzen verkündet, die sie aus dem Gutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger für das Erzbistum ziehen. Am 18. März war die Unabhängige Untersuchung zum Umgang mit sexueller Gewalt im Erzbistum Köln veröffentlicht worden. Kardinal Woelki bekräftigte: „Ich werde alles versuchen zu tun, damit die Kirche besser wird.“

Zu den ersten konkreten Schritten gehört ein 8-Punkte-Plan mit folgenden Maßnahmen, von denen einige zwischenzeitlich bereits (teilweise oder vollständig) umgesetzt wurden:

Das Erzbistum richtet eine unabhängige Aufarbeitungskommission ein, zu der Kardinal Woelki bereits am 15. März eine Vereinbarung der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes Wilhelm Rörig gegengezeichnet hat. Sie gibt einen verbindlichen – in allen Bistümern einheitlichen – Rahmen für die konsequente Aufarbeitung sexualisierter Gewalt vor.

Eine unabhängige Kommission wird mit Betroffenen, Experten aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung sowie kirchlichen Vertretern besetzt sein, wobei die Mehrheit der Mitglieder, d.h. konkret 5 von 7 Personen mit Kandidaten vom Land NRW und von Seiten der Betroffenen benannt wird.

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission hat unter anderem den Auftrag, Empfehlungen zu geben, ob es weitere juristische oder historische Untersuchungen geben wird und wie diese dann gegebenenfalls zu konzipieren sind.

Bis die Kommission ihre Arbeit aufnehmen kann, hat das Erzbistum die Ermittlungsrichterin a.D. Erika Nagel für den bestehenden Beraterstab gewonnen. Mit ihrer Expertise als Ermittlungsrichterin wird sie die Fortführung der unabhängigen Aufarbeitung sicherstellen.

 

Aktualisierung  vom 15. September 2021

Der Kompetenzbereich des Beraterstabs bis zur Konstituierung der Aufarbeitungskommission ist erweitert worden. Aufgabe: Konsequenzen aus den Gutachten und Maßnahmen des Erzbistums Köln kritisch zu begleiten, kontrollieren und eigene Vorschläge zur systemischen Veränderungen zu erarbeiten, damit sexualisierte Gewalt verhindert wird. 

Um die Übergabe und Unabhängigkeit in diesem Arbeitsauftrag zu gewährleisten, ist in den Beraterstab Frau Erika Nagel (Ermittlungsrichterin a.D.) durch Kardinal Woelki berufen worden. Als „unabhängige Ansprechpartnerin“ leitet sie den Prozess der weiteren Aufarbeitung und ist verantwortlich für die „Übergabe“ an die Aufarbeitungskommission, nach deren Konstituierung. Frau Nagel wird Mitglied dieser unabhängigen Aufarbeitungskommission sein.

Zur Konstituierung dieser Aufarbeitungskommission muss das Land NRW dem Erzbistum Köln seine Kandidaten benennen. Die NRW-Bistümer haben seit April eine entsprechende Anfrage an die Staatskanzlei gestellt.

 

Aktualisierung vom 7. April 2022

Alle Mitglieder der Unabhängigen Aufarbeitungskommission sind seitens des Landes NRW, des Betroffenenbeirates sowie des Erzbistums Köln benannt. Die Kommission wird mit der konstituierenden Sitzung am 1. Juni 2022 ihre Arbeit aufnehmen.

Das Erzbistum erkennt erlittenes Unrecht und Leid an und übernimmt Verantwortung. Dafür hat das Erzbistum 5 Mio Euro im aktuellen Wirtschaftsplan bereitgestellt.

Die Leistungen zur Anerkennung des Leids stammen nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern aus einem Sondervermögen des Erzbistums, im Wesentlichen gespeist durch freiwillige Abgaben von Klerikern aus vergangenen Jahren. Es ist sichergestellt, dass diese Finanzmittel zur Verfügung stehen.

Betroffene sollen Leistungen erhalten auch dann, wenn dies nach staatlichem Recht nicht oder nur schwierig möglich ist. Dabei soll die Gefahr der Re-Traumatisierung vermieden werden. Auch Betroffene, die bereits Leistungen erhalten haben, können sich erneut an die unabhängigen Ansprechpersonen im Erzbistum Köln wenden und einen weiteren Antrag stellen.

Aktualisierung vom 15. September 2021

Die Mittel stehen zur Verfügung. Nach Entscheidung der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) in Bonn, werden entsprechende Zahlungen durch das EBK an die Betroffenen geleistet.

Das Erzbistum Köln intensiviert die Kontrolle und Begleitung mit Auflagen belegter, beschuldigter Kleriker. Diese werden regelmäßig  von einem beauftragten Team bestehend aus einer psychologischen Fachkraft sowie einem Priester aufgesucht. Die ausgesprochenen Auflagen werden kontrolliert durch persönliche Besuche vor Ort, durch Gespräche mit den betreffenden Personen.

Vorrangiges Ziel ist der Schutz von Betroffenen sowie die Vermeidung weiterer Taten. Falls jemand gegen seine Auflagen verstößt, werden die beschuldigten Kleriker natürlich entsprechend den rechtlichen Bestimmungen zur Verantwortung gezogen.

Dazu hat der Erzbischof von Köln am 1. Juli 2021 die Kommission zur Kontrolle beschuldigter oder straffällig gewordener Kleriker eingerichtet. In die Kommission hat Kardinal Woelki  verschiedene, auch externe Personen mit fachlichen Qualifikationen im psychologischen, personalfachlichen und juristischen Bereich berufen.

Die Mitglieder sind von Kardinal Woelki zunächst für eine Dauer von drei Jahren beauftragt und beraten den Erzbischof in der Wahrnehmung seiner Aufsichts- und Fürsorgepflicht für alle Kleriker, die mit entsprechenden Auflagen belegt sind. Die Kommission hat sich in den vergangenen Monaten in intensiver Areit mit den konkreten Fällen und Auflagen auseinandergesetzt und daraus Erkenntnisinteressen für die Besuche des beauftragten Teams formuliert. Die Beauftragten haben mit ihren Besuchen begonnen und berichten darüber der Kommission. Dem Erzbischof werden seitens der Kommission die Ergebnisse der Besuche und ggf. umzusetzende Schritte empfohlen.

(Stand: 07.04.2022)

Wenn Fälle aus der Vergangenheit neu bekannt werden oder aktuell ein Missbrauchsverdacht besteht, dann wird unsere Stabsstelle Intervention tätig, klärt den Sachverhalt, spricht mit allen betroffenen Personen und eröffnet ein geregeltes Verfahren bis hin zur umgehenden Meldung bei der Staatsanwaltschaft. Bisher waren in der Intervention drei Personen tätig. Es wurde nun eine 4. Stelle eingerichtet, die Ende April 2021 besetzt wurde.

Für die langfristige Stärkung wird zeitnah eine „Arbeitsgruppe Intervention“ eingerichtet, die die konkreten strukturellen und inhaltlichen Empfehlungen in ein Zukunftskonzept überführt.

(Stand: 30. April 2021)

Aktualisierung vom 15. September 2021

Personelle Verstärkung durch Besetzung einer Referentenstelle.

Darüber hinaus ist eine weitere personelle Aufstockung um zwei Stellen (Referent und Sachbearbeitung) im Sommer entschieden worden; zu diesen Stellen läuft das Besetzungsverfahren.

> Pressemitteilung vom 30. April 2021: "Mehr Personal gegen sexuellen Missbrauch"

In den letzten 10 Jahren wurden über 100.000 Menschen in der Prävention sexualisierter Gewalt geschult. 87% aller Pfarreien haben bereits Schutzkonzepte entwickelt und umgesetzt. Das zeigt: Der Schutzauftrag ist im Regelbetrieb integriert.

Ziel war es, sichere Orte zu schaffen, in denen uns anvertraute Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die besonders schutzbedürftig sind, sich sicher aufgehoben fühlen und verstanden werden.

Gemeinsam mit den anderen Bistümern in Nordrhein-Westfalen stellt das Erzbistum Köln sicher, dass wissenschaftlich ausgewertet und evaluiert wird, ob die bisher geleistete Präventionsarbeit wirksam ist und wie sie gegebenenfalls auch in ihrer Effizienz gestärkt werden kann.

Aktualisierung vom 1. Mai 2022

Aktualisierung vom 15. September 2021

Die Prävention wird ab dem 1. November 2021 zu einer Stabsstelle. Die Leitung dieser Stabsstelle wurde vor den Sommerferien ausgeschrieben und wird ebenfalls zum 1. November 2021 besetzt.

Die Auftragsvergabe für ein Forschungsprojekt zur Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen soll an ein Forscherteam durch die fünf NRW-Bistümer erfolgen.

 

Aktualisierung vom 1. Mai 2022

Mit dem heutigen Tag tritt die neue Präventionsordnung für das Erzbistum Köln in Kraft.

Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln war der erste seiner Art in den Diözesen in Deutschland. Die Wiederbesetzung im Laufe dieses Jahres wird nach den Standards und Regeln der Deutschen Bischofskonferenz geschehen, die es bei der Erstbesetzung des Betroffenenbeirates vor 3 Jahren noch nicht gab.

Aktualisierung vom 15. September 2021

Zum 1. April 2022 konstituiert sich der Betroffenenbeirat nach den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz. Damit wird dann auch die Geschäftsordnung angepasst. Das entsprechende Besetzungsverfahren erfolgt Anfang 2022. Der Betroffenenbeirat besteht aus fünf Personen und ist damit auch beschlussfähig; im April hat er Peter Bringmann-Henselder zum Sprecher gewählt. 

Für die noch einzurichtende Aufarbeitungskommission sind zwei Betroffene durch den Betroffenenbeirat benannt worden.

Das Erzbistum hat alle Personalakten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst bereits durch eine Fachfirma manipulationssicher digitalisieren lassen. Mit der Einführung einer manipulationssicheren Personalaktenführung und der Umstellung auf ein digitales Dokumenten-Management-System hat das Erzbistum Köln bereits in den Jahren 2018/2019 bei den Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten begonnen.

Aktualisierung vom 15. September 2021

Das Projekt ist im Juni 2021 abgeschlossenen worden. Alle Akten von Pastoralen Diensten (Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten) und aller Mitarbeitenden in den Erzbischöflichen Schulen, dem Generalvikariat und den angeschlossenen Dienststellen sind erfasst. Insgesamt betrifft es rund 3.700 Personen.

> Pressemitteilung vom 28. Juni 2021: "Ab 1. Juli digitale Personalakte für alle Mitarbeitenden des Erzbistums Köln"

In Zukunft sollen Frauen deutlich stärker als bisher in der Priester­ausbildung tätig sein.

Mit dem im Herbst 2020 begonnenen Ausbildungsjahrgang ist ein eigenes Vorbereitungsjahr, das sog. Propädeutische Jahr, eingeführt worden. Schwerpunkt dieses Jahres sind Einsätze im sozialen Bereich.

Bereits seit der MHG-Studie 2018 hat das Erzbistum für alle Priester­kandidaten am Beginn ihrer Ausbildung ein psychologisches Prüf- und Analyseverfahren eingerichtet. Diese psychologische Standortbestimmung gibt den Studierenden selbst und den Ausbildungs­verantwortlichen die Gelegenheit, um zu einer validen Wahrnehmung ihrer Situation zu kommen.

Aktualisierung vom 15. September 2021

In der Ausbildungsleitung ist seit 1. Juni 2021 Dr. Carmen Breuckmann-Giertz, Referentin für die Diakonen- und Priesterausbildung, durch Kardinal Woelki ernannt worden. Sie übernimmt die Studienleitung in der Priester- und Diakonenausbildung sowie die Begleitung der Kandidaten auf ihrem Weg in den seelsorglichen Einsatz. Bisher waren hierfür allein Priester oder Diakone zuständig. 

Ebenso ist seit 1. September 2021 Pfr. Regamy Thillainathan neuer Regens und Direktor des Collegiums Albertinum. Es sollen mit ihm neue Akzente in einer zukunftsweisenden Priesterausbildung erfolgen, die auch die Erkenntnisse aus der unabhängigen Untersuchung berücksichtigen.

> Pressemitteilung vom 26. Mai 2021: "Kardinal Woelki überträgt erstmals einer Frau die Studienleitung für die Priester- und Diakonenausbildung"

> Pressemitteilung vom 31. Mai 2021: "Priesterausbildung im Erzbistum Köln erhält neue Leitung"

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