Gotteslob - Nr. 282 | Gotteslob - Ideen für Familien | Erzbistum Köln

Nr. 282 – Beim letzten Abendmahle

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Brot und Wein

 

Dieses Abendessen würde ich niemals vergessen. Dies war wahrhaftig kein gewöhnliches Abendessen: Es war ein feierliches Abendmahl.

Es lag nicht am Essen selber, dass das Mahl für immer in meiner Erinnerung sein würde. Die Speisen waren wie jedes Jahr, wenn wir das Fest der Befreiung unseres Volkes Israel feierten: Vor langer Zeit hatten die Israeliten in Ägypten gelebt. Dort mussten sie als Sklaven arbeiten. Aber schließlich hatte Gott unser Volk aus der Not befreit.

Das ganze Essen an diesem Fest erinnerte an diese wunderbare Rettung: Es gab zum Beispiel nur ganz einfaches Brot, wie damals. Es gab bittere Kräuter, weil das Leben in Ägypten so schlimm gewesen war. Es gab ein Mus aus Früchten, das zwar sehr lecker schmeckte, aber braun war wie der Lehm, mit dem die Israeliten in Ägypten Ziegel herstellen mussten. Es gab Lammfleisch und roten Wein.

Das war also alles nicht außergewöhnlich. Das hatte ich an diesem Fest gegessen, solange ich denken konnte. Und das aß ich auch in diesem Jahr, als ich das Fest mit meinem Lehrer und Meister Jesus von Nazaret und anderen Jüngern feierte.

Wie immer wurden bei diesem Essen bestimmte Gebete gesprochen, und die Geschichte von Gottes Wirken wurde erzählt. Soweit war alles wie sonst.

Auch als Jesus Brot nahm und ein Gebet sprach, wunderte ich mich nicht weiter: „Groß bist du, Gott. Du hast den Himmel und die Erde gemacht. Du hast auch dieses Brot gemacht. Wir danken dir dafür.“ Aber was dann kam, war unerwartet. Jesus brach das Brot in mehrere Stücke und gab allen am Tisch etwas davon. Dabei sagte er: „Nehmt, das ist mein Leib.“

Wir alle schauten uns verwundert an. Ich fragte mich: „Was soll das bedeuten? Wieso ist das sein Leib? Was meint Jesus damit?“ Aber ich wagte nicht, laut nachzufragen, denn im Raum war plötzlich eine besondere, eine ernste Stimmung. Deshalb aß ich das Brot schweigend, wie die anderen es taten.

Anschließend nahm Jesus einen Becher mit Wein. Auch jetzt betete er: „Groß bist du, Gott! Du hast den Himmel und die Erde gemacht. Du hast auch den Wein geschaffen. Dafür danken wir dir.“

Und er reichte den Becher dem Jünger, der neben ihm saß. Er hieß Johannes. Johannes trank einen Schluck daraus und gab ihn dann weiter.

Während der Becher weitergereicht wurde, schaute Jesus von einem zum anderen und sagte: „Das ist mein Blut. Das Blut des Bundes. Ich werde es für euch vergießen.“

Plötzlich fühlte ich mich schwer und traurig. Sprach Jesus von seinem Tod? Er hatte tatsächlich schon häufiger angedeutet, dass er sterben würde. „Aber was soll das heißen: Er vergießt sein Blut für uns?“ dachte ich still.

Bevor ich eine Antwort finden konnte, reichte mir der Jünger neben mir den Kelch. Ich nahm ihn und blickte zu Jesus. Jesus schaute in diesem Moment zu mir und nickte mir zu, dass ich trinken solle. Eine große Freundschaft und auch eine große Traurigkeit lagen in seinem Blick. Ich trank von dem Wein. Mir wurde klar: Nie im Leben würde ich diesen Blick vergessen.

Danach gab ich den Becher an meinen Nachbarn auf der anderen Seite weiter. Als der Becher wieder bei Jesus ankam, sangen wir alle ein Loblied über Gottes große Wundertaten. Damit endete das Abendmahl. Schließlich stand Jesus auf und verließ den Raum. Wir folgten ihm.

 

Noch in derselben Nacht wurde Jesus verhaftet und am nächsten Tag am Kreuz getötet. Ich erinnerte mich an das Letzte Abendmahl: Ja, Jesus hatte dort tatsächlich von seinem Tod gesprochen.

Auch die anderen Jünger erinnerten sich, und wir beschlossen, immer wieder ein solches Mahl zu halten und uns dabei an Jesus zu erinnern. Und wenn wir dann zusammen waren und jemand Brot und Wein nahm und Jesu Worte wiederholte: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“ – dann fühlten und wussten wir: Jesus war wirklich bei uns.

nach Markus 14, 22-26

 

 

Mit freundlicher Genehmigung aus: Petra Klippel, Und alle wurden satt. Jesus-Geschichten zur Erstkommunion © 2012 Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.bube.de