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Adveniat-Aktion 2016: Grüne Vielfalt

  • 17.12.16 21:12
  • Ina Rottscheidt
  •   Im Auftrag des Herrn

Dichtes, sattes Grün umgibt das kleine Dorf Sarayaku. Straßen gibt es hier nicht und nur ab zu tönt ein tierisches Quaken, Krähen und Schnalzen aus der Tiefe des Regenwaldes. Die Menschen hier leben das ursprüngliche Leben der Kichwa-Indianer, die in einfachen Hütten unter Palmdächern wohnen. Es gibt kein Handynetz und auf den Teller kommt, was die Natur hergibt: Fisch, Yucca oder Kochbananen. Sarayaku liegt in einer der wenigen noch unberührten Regionen Ecuadors: im amazonischen Tiefland. Doch diese Unberührtheit müssen seine Bewohner hartnäckig verteidigen. Seit Jahrzehnten wehren sich die Menschen im Osten Ecuadors gegen das Vorrücken ausländischer Erdölfirmen. Das Land gehört ihnen. Doch die riesigen Erdölvorkommen darunter beansprucht der ecuadorianische Staat für sich. In Sarayaku begannen die Konflikte 1996, als die Regierung dem argentinischen Unternehmen Compañía General de Combustibles (CGC) die Förderlizenzen erteilte, ohne vorher die Gemeinde in die Entscheidung einbezogen zu haben.

Fast wie im Krieg

„Militärs und private Sicherheitskräfte drangen in unser Land ein“, erinnert sich Patricia Gualinga, eine der Sprecherinnen der Gemeinschaft. „Tonnen von Dynamit wurden für seismische Messungen in der Erde vergraben“, erzählt sie. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. „Wir waren in einer Art Kriegszustand, in ständiger Angst und Ungewissheit. Die Politiker hatten erwartet, dass wir zu Verhandlungen mit dem Unternehmen bereit sein würden.“ Denn viele andere Gemeinden lassen sich darauf ein. Sie verkaufen ihr Land für vage Jobversprechen und Geld, das schnell aufgebraucht ist. Gemeinschaften werden so gespalten. „Wir wollten keine Verhandlungen und beschlossen, Widerstand zu leisten – bis zum Ende“, sagt Patricia. Das Unternehmen zog sich schließlich zurück.

Dauerhafter Kampf

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2012 bestätigte auch der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte in Costa Rica: Der ecuadorianische Staat hatte das Recht der Indigenen auf vorherige Beratung, auf Gemeindeeigentum und kulturelle Identität verletzt. Trotzdem müssen sich die Menschen in Sarayaku nach wie vor gegen die Begehrlichkeiten großer Firmen wehren. Sarayaku ist nur eines von vielen Beispielen im Amazonasgebiet, dem Lebensraum von etwa 375 Völkern. Nirgendwo ist der Raubbau an der Schöpfung so offensichtlich wie dort: Eine Fläche von der Größe Frankreichs ist bereits unwiederbringlich verloren.

Bedrohte Schöpfung – bedrohte Völker. Die Adveniat-Weihnachtsaktion 2016

Die bundesweite Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat wurde am ersten Adventssonntag im Erzbistum München und Freising eröffnet. Unter dem Motto „Schützt unser gemeinsames Haus“ setzt sich Adveniat für die ursprünglichen Völker des Amazonasgebiets ein. In den Monaten November und Dezember sind Adveniat-Aktionspartner aus Ecuador, Peru und Brasilien in den deutschen Bistümern unterwegs, um über ihre Arbeit für die indigenen Völker im Amazonasgebiet zu berichten: Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.

SommerZeit 2017

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