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Adveniat-Aktion: Ein Kleid für Mutter Erde

  • 09.12.19 14:43
  • Christina Weise
  •   Im Auftrag des Herrn

Hellrot, ockerfarben und grau-braun strecken sich die majestätischen Berge der bolivianischen Anden gen Himmel. Die Sonne knallt erbarmungslos auf die staubtrockene, steinige Erde. Jeder schattenspendende Baum ist eine Wohltat, aber die Landschaft in der Region Tapacarí, 80 Kilometer von der Großstadt Cochabamba entfernt, ist kahl. Auf halbem Weg von einer der vielen Bergspitzen zum trockenen Flussbett stehen doch ein paar Bäume, es ist fast ein kleines Waldstück. An den hohen Eukalyptusbäumen und Kiefern vorbei gelangt Don Mauricio García zu seinem Terrain, auf dem zwei winzige Ein-Zimmer-Lehmhütten, zwei Lebensmittelspeicher und ein Geräteverschlag stehen. Trotz der kahlen Umgebung blickt Don Mauricio ins Grüne, wenn er auf dem kleinen wackeligen, Holzhocker vor seiner Tür sitzt. Auch rund 2.000 Kilometer weiter nördlich in der peruanischen Andenstadt La Oroya hat Pachamama, wie Mutter Erde von den Indigenen genannt wird, ihr Kleid verloren und ist den äußeren Einflüssen schutzlos ausgesetzt. Hier sind das nicht nur extreme Wetterverhältnisse, sondern vor allem Giftstoffe, die Berghänge verätzen, Wasser verseuchen und Pflanzen töten. Weiß, schwarz und grau dominieren, zerklüftete Berge, eine tote Landschaft. 97 Jahre lang wurden von der örtlichen Metallschmelze ungefiltert und ohne Rücksicht auf Natur und Menschen Schadstoffe in die Luft gepustet. Hier ist Yolanda Zurita Trujillo geboren und hat ihr ganzes Leben Schwefeldioxid und Feinstaub eingeatmet. Kurz vor ihrer Abschlussprüfung im Studium bekam sie starke Krampfanfälle, Entladungen von Nervenzellen des Gehirns, die durch einen hohen Bleigehalt im Körper hervorgerufen werden können. 

Kampf und Gebet

Von da an änderte sich ihr Leben. Sie engagierte sich noch stärker in der Kirchengemeinde und setzte sich für den Umweltschutz und die Gesundheit der Menschen ein. Das Engagement der Kirche für die Umwelt stieß auf Widerstand des Unternehmens. Yolanda wurde verfolgt, bedroht, angegriffen. „Ich hatte fast aufgegeben, da gab mir Monseñor Barreto neuen Mut“, erzählt sie. Der heutige Kardinal Pedro Barreto Jimeno ist seit 2004 Erzbischof der Diözese Huancayo, in der auch La Oroya liegt. Die meiste Wut richtete sich gegen ihn, denn er rief mehrere Projekte zum Umweltschutz ins Leben. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen wurden Särge mit seinem Namen durch den Ort getragen. „Ich kämpfe für das Leben und die Gesundheit der Menschen“, erklärt Kardinal Barreto. 2012 stellte das Unternehmen die Arbeit ein, was auch ein Verdienst des langjährigen Kampfes der Kirche war. Genauso wie Kardinal Barreto setzt Yolanda sich weiterhin für den Umweltschutz ein. Zusammen mit einer Gruppe von Freunden pflanzte sie auf 21 Hektar Land Bäume, in der Hoffnung auf bessere Luft und fruchtbaren Boden.

Im Einklang mit der Natur

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Im Einklang mit der Natur

Bei Don Mauricio ist das gelungen. Heute erntet er dicke Kartoffeln, Mais, Gemüse, Äpfel. Genug, dass es zum Leben reicht, und so viel, dass er einen Teil davon sogar verkaufen kann. „Das hätte ich nie gedacht. Die Erde hier ist arm an Nährstoffen und wir hatten nicht die richtigen Methoden, wir wussten es einfach nicht besser.“ Den entscheidenden Weg wies dem Katecheten sein Glaube.

Dadurch fand er den nötigen Mut, zwei Fremden und ihrem Projekt zu vertrauen. Der deutsche Pfarrer Axel Gerling und der bolivianische Agrarökonom Ricardo Crespo Torrico begannen Anfang der 1990er-Jahre, in der Landpfarrei eine Pastoral im Einklang mit der Natur und ausgerichtet auf die Kultur und Bedürfnisse der Menschen aufzubauen. „Don Mauricio ließ sich als Erster darauf ein. Es war nicht einfach für ihn, er wurde beschimpft und angegriffen, die Menschen sind hier sehr misstrauisch“, sagt Ricardo Crespo, der zum kleinen Seelsorger-Team der Pfarrei gehört. Das wird in La Oroya noch etwas dauern. Aber auch Yolanda ist erleichtert. Seit das Werk geschlossen ist, ist Ruhe eingekehrt. Ihr selbst und ihrer lungenkranken Mutter geht es besser, die Sonne ist immer öfter zu sehen, kleine grüne Pflänzchen lugen zwischen den grauen Steinen hervor. „Die Natur hat eine große Fähigkeit, sich zu erholen. Es wird aber lange dauern und alle Schäden wiedergutzumachen, wird nicht möglich sein“, sagt Kardinal Barreto, der auch für sein länderübergreifendes Engagement gegen die Zerstörung des Amazonasgebiets bekannt ist. Er ist Mitbegründer und Vize-Präsident des von dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützten Amazonas-Bündnisses Repam (Red Eclesial PanAmazónica). „Gott hat uns ein wunderschönes Haus gegeben mit allen Ressourcen, damit wir in Frieden darin leben können. Wir müssen uns nur darum kümmern.“ 

Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen:IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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