Der kolumbianische Pfarrer José Elver Rojas Herrera im Gespräch mit einer Frau (c) Philipp Lichterbeck/Adveniat

Adveniat: Venezuela nicht alleine lassen

  • 23.03.21, 14:42
  • Carolin Kronenburg
  •   Im Auftrag des Herrn

„Jeden Tag kommen neue Venezolaner mit Hunger und Durst und suchen einen Platz, wo sie die nächste Nacht überstehen“, berichtet Priester José Elver Rojas Herrera aus der kolumbianischen Grenzdiözese Cúcuta. „Die Lage für die Menschen hier in Cúcuta ist sehr dramatisch. Die Stadt ist auf eine solche Zahl an Migranten nicht vorbereitet, und es bilden sich rund um die Stadt weitere Elendsviertel. Es ist schon zu neuen Gewaltausbrüchen gekommen, die aus Verzweiflung und Aussichtslosigkeit von Venezolanern begangen wurden. Dazu kommen auch Verbrechen von illegalen bewaffneten Gruppen, die sich in diesem Umfeld mehr und mehr ausbreiten”, berichtet Priester Rojas Herrera, der als Projektpartner des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat in Cúcuta die Lebensmittelversorgung von venezolanischen Migrantinnen und Migranten sicherstellt.

Wir dürfen sie nicht im Stich lassen

„Auf dem ganzen Kontinent ist die Situation dramatisch. Erst in dieser Woche starb erneut ein Migrant aus Venezuela vor Erschöpfung, nachdem er auf Umwegen die geschlossene Grenze zwischen Bolivien und Chile überquerte“, sagt Pater Heinz. Auch aus Peru und Ecuador würden tödliche, ausländerfeindliche Übergriffe gegen Flüchtlinge aus Venezuela gemeldet, Politiker aus Kolumbien und Peru machten populistische Stimmung gegen die Flüchtlinge und schürten damit den Hass gegen die Schutzsuchenden. „In dieser Situation kann und dürfen die USA und auch Europa Lateinamerika nicht alleine lassen. Die Länder, die Flüchtlinge aufnehmen, müssen von der internationalen Gemeinschaft finanziell unterstützt werden, um diese riesige zusätzliche humanitäre Anstrengung inmitten der Corona-Pandemie stemmen zu können“, fordert Pater Heinz. „Lassen wir Länder wie Kolumbien, Brasilien, Ecuador, Peru oder Chile alleine mit diesen Problemen, wird das die Region weiter destabilisieren und den Populismus weiter stärken. Gerade in dieser Phase, in der Lateinamerika besonders heftig von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise betroffen ist“, so Pater Michael Heinz. Die internationale Staatengemeinschaft müsse zugleich ihre Anstrengungen erhöhen, um die Fluchtursachen in Venezuela zu beseitigen. Dazu zählten freie, transparente, von den Vereinten Nationen überwachte Wahlen, das Ende der Gewalt gegen die Opposition im Land sowie ein Ende der internationalen Sanktionen gegen Venezuela, unter denen am Ende vor allem die Armen leiden, fordert Pater Heinz.

Ein Leben in Menschenwürde

Ein Weg in die richtige Richtung sei dabei die jüngste Entscheidung Kolumbiens, den venezolanischen Flüchtlingen einen zehnjährigen Schutzstatus einzuräumen. „Das holt Migrantinnen und Migranten aus der Illegalität und verschafft ihnen die Perspektive, im Land legal Fuß zu fassen“, sagt die Kolumbien-Expertin von Adveniat, Monika Lauer Perez. Zudem beinhalte das Schutzkonzept auch den Zugang zur Gesundheitsversorgung und das Recht auf eine Corona-Impfung. „Diese Entscheidung bedeutet ein Zeichen der Hoffnung für all die Menschen, die ihr Land verlassen mussten, um eine neues, ein menschenwürdiges Leben aufzubauen. Dies ist ein Weg, der es möglich macht, dass sich Familien im Land integrieren und weiterentwickeln können und ist eine Politik, die von anderen Ländern übernommen werden sollte”, ruft Pfarrer José Elver Rojas Herrera weitere lateinamerikanische Länder dazu auf, dem Beispiel Kolumbiens zu folgen.

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