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Advent in der Tüte

  • 01.12.20, 14:08
  • Jan Sting
  •   Kurz und Knapp

Weil Advent und Weihnachten in diesem Jahr so anders sein werden, beschloss die Evangelische Kirchengemeinde in Haan vor allem den Menschen eine Freude zu machen, die einsam sind und über die Einschränkungen des Lockdowns besonders erschüttert sein dürften,weil sie vertraute Rituale und Bräuche vermissen werden. In den nächsten Tagen werden die kleinen Adventsüberraschungen der ökumenischen Aktion mit anderen christlichen Gemeinden daher vor die Türen gebracht. „36 Menschen haben an zwei Tagen in vielen Einzelschichten mit großem Abstand und mit Maske bei weit offenen Tüten Adventstüten gepackt für die Menschen, die wir jetzt nicht besuchen können, die bei Advent- und Weihnachtsfeiern in Gemeinden und Senioreneinrichtungen nicht einander begegnen können. Die wir nicht treffen in Gottesdiensten und unterwegs, weil Corona in der Herbst und Winterzeit es schwer macht, sich zu begegnen“, sagt Prädikantin Birgit Annighöfer.

Gemeinsam packen verbindet

Hinter der Aktion „Advent in der Tüte“ stehen Menschen aus Chören, Gruppen und Gremien, ja ganze Familien und viele Ehrenamtliche im Kreis Mettmann. Sie packen in die Tüten auch Briefe der Seelsorger, Bibelverse und kleine Überraschungen. „Ich denke, gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, dass man sich auf den Advent besinnt und ein bisschen Vorweihnachtsstimmung bekommt und die auch verschenken möchte“, sagt Elisabeth Hutter, die im großen Gemeindesaal mit anderen Ehrenamtlichen zwar auf Abstand steht. Doch die gemeinsame Packaktion hat etwas Verbindendes. Ehrenamtliche Angelika Blind-Osenberg findet, dass sie während des Lockdowns mehr Zeit hat, in der sie auch etwas für andere machen kann: „Was mir so gut gefällt, dass das völlig unabhängig von der Konfession, ob mit Konfession oder ohne Konfession, sowohl für die Protestanten als auch die Katholiken geht. Und das finde ich ganz bewundernswert.“ Ulla Stegmaier hat in den vergangenen Monaten viel Einsamkeit gesehen und weiß, dass diese vor allem den Senioren zusetzt: „Ich weiß von so vielen älteren Menschen, die seit März zu Hause sind und sich von so vielem fernhalten.“ Als Ehrenamtliche profitiert Ulla Stegmaier von der Aktion, denn sie spürt ein Gefühl der Gemeinschaft, die ihr in diesen Tagen besonders wichtig ist. „Es ist ja auch gar nicht so viel los draußen. So viele Chöre und Gruppen sind abgesagt, man kann nur spazieren gehen. Und indem ich die Tüten packe hoffe ich, dass ich ein bisschen Weihnachtshoffnung weitergeben kann.“

2400 Päckchen bis an die Tür

Jetzt sind laut Birgit Annighöfer 70 weitere Menschen in Haan aktiviert, die nun Listen der Straßen und Viertel bekommen und die fertig gepackten Tüten mit einer Adventsgeschichte des Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch verteilen, Bibelversen und einem tröstenden Wort des Propheten Jesaja zum Volk, das im Finstern wandelt und ein großes Licht sieht. „Das Volk, das im Finstern wandelt, so kommen wir uns auch gerade vor. Weil es so dunkel ist und wir uns so sehnen nach der Hoffnung und deswegen fällt Advent nicht aus und wir wollen sicher sein, kommt Gott kommt und wir als seine Arme und Hände wollen den Menschen etwas entgegen bringen“, sagt Birgit Annighöfer. Für Menschen, die mit Kirche vielleicht schon länger nicht mehr in Kontakt waren, gibt es in der Tüte eine kleine Gebrauchsanweisung: „In der Tüte ist eine kleine Adventsgeschichte von Hans-Dieter Hüsch zum Schmunzeln und Nachdenken. Es ist eine Gebrauchsanweisung dabei, damit man auch weiß, was mache ich denn jetzt mit dem Material in der Tüte“, sagt Birgit Annighöfer. Und es ist eine Lichttüte mit einer LED-Kerze dabei, die eine Krippenszene ausleuchtet. Es gibt einen Tee und ein wenig Sternenglitzer, der an Advent erinnert und an den einen Stern, der über der Krippe in Bethlehem leuchtet.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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