Salma (c) Bettina Flitner/Kindermissionswerk

Aktion Dreikönigssingen 2018

  • 25.12.17, 23:18
  • Susanne Dietmann
  •   Im Auftrag des Herrn

Salma ist zwölf Jahre alt. Gemeinsam mit ihrer Familie wohnt sie in dem kleinen Dorf Milik in Nordindien. Wie viele andere Jungen und Mädchen in Milik arbeitet auch Salma als Teppichknüpferin. Doch sie hat Glück: Partner des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ haben eine Dorfschule gegründet und Salmas Eltern überzeugt, wie wichtig Bildung für ihre Tochter ist. Mit neun Jahren begann Salma mit dem Teppichknüpfen. Damals hatte ihre älteste Schwester geheiratet und war von zu Hause ausgezogen. Salma übernahm ihren Platz am Webrahmen. Seither arbeitet das Mädchen gemeinsam mit ihrer Mutter Mariam und ihren älteren Geschwistern täglich im Innenhof des Familienhauses. „Montags bis samstags arbeite ich den halben Tag, sonntags den ganzen Tag“, erzählt sie. Auf einer schmalen Holzbank sitzt Salma hinter einem riesigen Knüpfstuhl aus Metall. Von hier aus sieht sie die Welt durch einen dichten Vorhang aus Fäden. Geschickt arbeitet sie sich Knoten für Knoten von links nach rechts. „Ich kann schneller knüpfen als meine Mutter“, sagt sie stolz.

Zentimeter für Zentimeter

 (c) Bettina Flitner/Kindermissionswerk

Nach jedem fertigen Knoten ist ein leises Zischen zu hören, wenn Salma mit ihrem sichelförmigen Messer blitzschnell den überstehenden Faden abschneidet. Von der Arbeit hat Salma Hornhaut an den Fingern. Manchmal verletzt sie sich auch mit dem Teppichmesser. Vor Salma auf dem Boden liegt ein detailliertes Knüpfmuster, aus dem sie abliest, wann sie welche Wollfarbe verwenden muss. Täglich wächst ihr Werk mehrere Zentimeter in die Höhe, bis nach rund zwei Monaten ein mehrere Meter großer Teppich entstanden ist.

Dann kommt die schönste Zeit für Salma: Zeit zum Spielen mit ihren Freundinnen. Zwei bis drei Tage dauert es, bis ein neuer Webrahmen aufgezogen ist. Dann beginnt die Arbeit von vorne. Salmas Alltag gleicht dem von rund 200.000 Mädchen und Jungen im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, die täglich als Teppichknüpfer arbeiten. Doch Salma hat Glück, denn neben der Arbeit kann sie auch zur Schule gehen und hat sogar noch etwas Zeit zum Spielen. „Das Lernen macht mir viel mehr Spaß als das Teppichknüpfen“, sagt sie. „Spielt, lernt und wachst zusammen auf“, steht in bunten Buchstaben auf Salmas Schulheft geschrieben. Englisch und Hindi sind ihre Lieblingsfächer. Salma hat auch schon einen Berufswunsch: „Später möchte ich Lehrerin werden.“

Ausbeuterische Kinderarbeit in der Teppichindustrie

Indien ist der weltgrößte Exporteur von handgewebten Teppichen. Allein im sogenannten Teppichgürtel im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh arbeiten rund 200.000 Kinder als Teppichknüpfer. 80 Prozent aller Teppiche werden nicht in Fabriken, sondern in Privathaushalten hergestellt. Viele Kinder erleiden durch die Arbeit an den Webstühlen dauerhafte Gesundheitsschäden: Die Wollfasern belasten ihre Atemwege, die Chemikalien zur Behandlung der Garne führen manchmal zu Vergiftungen, die lange Arbeit in gebeugter Haltung beeinträchtigt Muskeln und Knochen. Nur jedes dritte Kind, das in der Teppichindustrie arbeitet, besucht eine Schule.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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