Begegnungen in Albanien (c) Sonja Preiss

Albanien: Begegnungen, Natur pur und große Probleme

  • 28.10.16 14:10
  • Sonja Preiss
  •   Glaubensmagnete

Die Eindrücke hier erschlagen schier. Eine so wunderschöne Landschaft; der Aufschwung ist nicht zu übersehen: überall schießen Häuser aus dem Boden, Ein- und Mehrfamilienhäuser, Geschäftszentren, Hochhäuser; die Menschen so gastfreundlich und aufgeschlossen. Und auf der anderen Seite diese überall spürbare Sorge um die Zukunft. Die Gelder, die in den neuen Häusern stecken, kommen zum größten Teil aus dem Ausland, von Verwandten, die es geschafft haben, sich dauerhaft in EU-Ländern, Kanada oder den USA anzusiedeln.

Intensive Gespräche

Wir treffen Jugendliche, die offen über ihre Ängste und Hoffnungen sprechen, Rückkehrer, die über ihre Erfahrungen berichten, Laien, Priester und Ordensleute, die sich in bewundernswerter Weise unter schwierigsten Bedingungen um Notleidende kümmern. Als Hauptprobleme in Albanien werden uns immer wieder genannt Korruption, Arbeitslosigkeit, zunehmender Drogenhandel, unzureichende Bildungsmöglichkeiten und mangelnde medizinische Versorgung - aber darüber hinaus selbstkritisch auch noch aus kommunistischen Zeiten stammende Lethargie und Desinteresse mancher Albaner, selber etwas zur Verbesserung der Lebensqualität zu unternehmen. So sagt einer von drei befragten Jugendlichen, er würde Albanien sofort verlassen, wenn er die Möglichkeit dazu hätte, denn er sieht überhaupt keine Chance für sich hier im Land. Zwei jedoch, und das macht Hoffnung, sagen: ich liebe Albanien, ich bleibe hier. Dieses Verhältnis, so wird uns später von anderer Stelle bestätigt, entspricht dem Landesdurchschnitt: 1/3 kann sich eine gute Zukunft nur im Ausland vorstellen, 2/3 jedoch wollen im Land bleiben, weil sie darauf bauen, dass sich im Land etwas bessert und sie dazu beitragen können.

Kleine Schritte

 (c) Sonja Preiss

Eine Schwester in einem Vorort von Shkoder, die sich mit einer Mitschwester seit vielen Jahren für die Ärmsten der Armen und für Betroffene der Blutrache einsetzt, betont die Bedeutung der kleinen Schritte: jeder noch so kleine Schritt bringt weiter. Der Anspruch, die Welt retten zu müssen, überfordert hoffnungslos; wichtig ist, beim nächsten konkreten Fall weiterzuhelfen. Bei allem Schweren, das uns auf dieser Reise begegnet ist - Lichtblick und Hoffnungsträger sind zum einen junge Menschen, die den Glauben an eine gute Zukunft im Land nicht verlieren, und zum anderen das bewundernswerte Engagement einzelner - vor allem von Ordensleuten -, die täglich aufs Neue viel Energie in die Arbeit für andere stecken.

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