Friedensglocke in Tirana (c) Sonja Preiss

Albanien: Unterwegs im Land der Adlersöhne

  • 24.10.16 08:22
  • Sonja Preiss
  •   Glaubensmagnete

Wir, eine Gruppe von sieben Frauen und einem Mann, sämtlich im kirchlichen Dienst, und den beiden Leiterinnen der Reise haben uns am Samstag auf den Weg nach Albanien gemacht. Hintergrund der Reise ist die Eröffnung der jährlichen Pfingstaktion von Renovabis, die in den deutschen Bistümern reihum geht und nächstes Jahr in Köln stattfindet zum Thema Arbeitsmigration. Verschiedene Begegnungen sind vorgesehen, mit Betroffenen, aber auch mit Organisationen und Menschen, die den Betroffenen helfen.

Von Tirana nach Shkodra

Nach der reibungslosen Anreise hat uns ein sehr kompetenter Stadtführer zunächst Tirana näher gebracht. Es gibt nette Eckchen, einige parkähnliche Anlagen, aber sie können nicht erreichen, dass Tirana mir überaus gut gefällt. Ich freue mich auf Shkodra. Shkodra gefällt mir. Es war meine erste Anlaufstelle in Albanien, hier habe ich viele Freunde und Bekannte.
Nach drei Stunden Stadtführung durch eine beeindruckende Stadt, die sich toll entwickelt hat in den vergangenen zehn Jahren wurden wir herzlich in den Geschäftsräumen der Organisation „Justitia et Pax“ empfangen. Dort trafen wir einen in kommunistischer Zeit inhaftierten Mann und die Söhne zweier anderer Männer, die Opfer der Gräueltaten der Kommunisten wurden. Nur weil ein Schäfer nach über 20 Jahren sein Schweigen darüber brach, was er Ende der 80er zufällig gesehen und gehört hat, erfuhr einer der beiden jungen Männer, welches Schicksal seinem Vater widerfuhr: Er wurde zusammen mit 19 anderen Häftlingen aus dem Arbeitslager Spac verschleppt, erschossen und verscharrt.

"Vergeben - aber wem?"

 (c) Sonja Preiss

Unser nächster Gesprächspartner, der selbst acht Jahre in Spac gefangen war und alle Arten der Verletzung der Menschenrechte am eigenen Leib erfahren hat, beeindruckt durch seine ruhige und sachliche Erzählung, ohne jedes Anzeichen von Verbitterung oder Hass. Erschütternd aber ist, was er zur Aufarbeitung der Vergangenheit und Entschädigung der Betroffenen sagt:es gibt sie schlichtweg nicht.

Dabei wäre er selber bereit zu vergeben. Doch die Täter werden nicht entlarvt, nicht angeklagt, nicht zur Rechenschaft gezogen. Er möchte gerne vergeben - aber wem? Seine ausgestreckte Hand reicht ins Leere. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Kamze, durch Abwanderung aus den Bergregionen mittlerweile eine der größten Pfarreien in Albanien. Dort wird uns nach der Messe Schwester Mirjam von ihrer Arbeit mit Binnenmigranten und Opfern von Menschenhandel erzählen. Trotz bislang vieler schwerer und auch trauriger Themen – dieses Land hat auch andere Seiten. Ich freue mich auf die nächsten Tage.

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