Marc Metzger (c) Robert Boecker

"Alles hat seine Zeit"

  • 01.11.17 19:48
  • Martin Mölder und Robert Boecker
  •   Nachgefragt

Herr Metzger, Sie sind vielen durch den Kölner Karneval in Ihrer Figur des „Blötschkopps“ bekannt. Wie viel Blötschkopp steckt denn in Ihnen?

In mir steckt natürlich ´ne Menge „Blötschkopp“ drin, aber eben nicht nur. Der „Blötschkopp“ ist ja nicht einfach nur eine Karlnevalsfigur, sondern auch irgendwie eine Einstellung und diese Denke krieg´ ich auch gar nicht weg. Der ist immer da, aber sieht ja auch anders aus als der Musiker Marc Metzger und der „Blötschkopp“ singt ja auch nicht. Und andersherum kann man manche Lieder auch einfach als „Blötschkopp“ nicht singen.

Sie singen, moderieren und schreiben zurzeit ihr erstes Theaterstück. Sind diese Wege abseits des bekannten „Blötschkopps“ ein Wagnis?

Ja. Und es gab in manchen Sälen immer wieder mal Irritationen bei Teilen des Publikums. Die sind aber dann doch immer geblieben und waren danach doch recht angetan. Manche Wagnisse muss man eben auch mal eingehen. Ich bin ja auch Sänger und Musiker und Schauspieler. Und dann wäre es zu schade, sich nur auf den Karneval und die Figur des „Blötschkopp“ zu beschränken. Karneval ist begrenzt – zumindest für mich. Und irgendwann will ich auch das „Blötschkopp“-Kostüm mal in den Schrank hängen.

Wie oft beschäftigen Sie sich noch mit ihrem Burnout aus dem Jahr 2013?

Das hatte damals ja damit zu tun, dass ich nicht mehr begriffen habe, an welchem Punkt man aufhören muss zu arbeiten. Zu mir sind danach noch einige aus dem Bekanntenkreis gekommen, die dasselbe Problem hatten. Man darf diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn wir werden immer hektischer, immer schneller, man versucht immer alles intensiver zu machen. Das geht auf Dauer nicht gut. Ich musste das auch erst einmal richtig kapieren, dass das eine Krankheit ist und mir hat es geholfen, schwarz auf weiß zu sehen, dass meine medizinischen Werte wirklich schlecht und im Keller waren. Seitdem habe ich einiges geändert und bin wesentlich konsequenter und disziplinierter geworden. Zum Beispiel ist Telefonieren nach 22.00 Uhr tabu. Meine Frau und ich machen zum Beispiel auch jeden Montag frei und zum Glück haut sie mir immer wieder mal auf die Finger, wenn ich doch dazu neige, zu viel zu machen. Wir machen einfach ganz viel nach einem Bibelwort: „Alles hat seine Zeit“.

Sie haben sich immer offen ihren katholischen Glauben bekannt. Warum?

Weil man da eben keinen Hehl draus machen muss, finde ich. Ich tausche mich auch unheimlich gerne mit katholischen und auch evangelischen Pfarrern aus. Das interessiert mich einfach, über Religion zu sprechen und wirklich zu diskutieren. Ich bin ein gesunder Zweifler geworden. Frei nach dem Satz: Wer zweifelt, der glaubt. Und seitdem macht das Thema Kirche auch wieder Spaß.

Sie waren im Kindergarten der Franziskanerinnen und sie haben das private Gymnasium der Franziskanerinnen von Nonnenwerth am Rhein besucht. Was hat sie damals am meisten geprägt?

Die Ordensmänner. Das war ein Novizenkloster in Remagen und ich fand´ diese Weltoffenheit so toll. Gut die meisten haben vielleicht auch dadurch bedingt, das andere Geschlecht besser kennen gelernt und sind dann nicht im Kloster geblieben, aber dass wir auch Musik machen durften, sogar mit Schlagzeug, in der Kirche und auch mal lauter sein durften, das hat mir schon gefallen. Ich war ja auch jahrelang Messdiener in Remagen-Unkelbach in St. Remigius.

Was würden Sie Papst Franziskus in einer Privataudienz sagen?

Ich würde ihm sagen: Eure Heiligkeit, tragen Sie bitte für Andere die roten Schuhe, aber bleiben Sie für uns im Herzen so wie Sie sind.

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