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Ammann: „Das ist kein religiös motivierter Konflikt“

  • 09.04.19 14:24
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Die Zentralafrikanische Republik gehört zu den ärmsten Ländern. Jahrelang herrschte ein Bürgerkrieg. Das Erzbistum Köln hat den „Runden Tisch Zentralafrika“ mit ins Leben gerufen, der vor kurzem in Berlin tagte. Wir haben nachgefragt bei Nadim Ammann, Leiter des Referats „Hilfen für die Mission“ im Erzbistum Köln.

 

Herr Ammann, wie ist die Situation derzeit in der Zentralafrikanischen Republik?

Bis auf die Hauptstadt ist die Situation im Rest des Landes eine Katastrophe und die Friedensmission Minusca der Vereinten Nationen bekommt das auch nicht in den Griff. In Alindao, direkt neben dem Bischofssitz, ist ein riesiges Flüchtlingscamp und da hat es im November ein Massaker mit 60 Toten gegeben, alles Christen. Da haben sich die mauretanischen Soldaten von Minusca keinen Meter bewegt, weil die Befehlskette viel zu lang ist oder weil sie zum Teil als Muslime mit den muslimischen Rebellen sympathisieren.

Woher kommt denn die enge Verbindung des Erzbistums Köln mit der Zentralafrikanischen Republik?

Das kommt daher, weil der erste Bischof von Alindao, Spiritaner-Pater Peter Marzinkowski, aus Köln kam. Und diese Diözese in Alindao haben wir sehr stark im Aufbau unterstützt und gefördert. Wir haben beispielsweise das Bischofshaus gebaut und das pastorale Zentrum und dann 2014 haben wir die drei Weisen der Interreligiösen Plattform als Erzbistum Köln gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz nach Deutschland eingeladen. Wir haben also diesen Runden Tisch vor fünf Jahren initiiert und treffen uns seitdem in der Regel alle sechs Monate.

Was schätzen Sie besonders an der Interreligiösen Plattform?

Wir haben in der konkreten Zusammenarbeit überwiegend mit dem Exekutiv-Büro der Interreligiösen Plattform zu tun. Deshalb haben wir jetzt vier Vertreter des Büros jetzt nach Deutschland eingeladen, um Ihnen auch unsere Wertschätzung für deren Arbeit zu zeigen, denn dieses interreligiöse Projekt ist schon ziemlich einmalig. Ich kenne eine solche Zusammenarbeit evangelischer, katholischer und muslimischer Kirche  von nirgendwo sonst. In anderen Ländern ist es so, dass diese drei Kirchen eben nicht miteinander arbeiten können. Aber hier haben sich die drei religiösen Führer zusammen getan und wehren sich gegen Äußerungen, der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik sei religiös motiviert. Sie sagen, wir hatten hier in all den Jahren nie Probleme miteinander. Das hier ist kein religiös-, sondern wirtschaftlich motivierter Konflikt.

Wie wurde das von den religiösen Führern begründet?

Der Kardinal hat uns berichtet, dass er gerade zwei Wochen im Landesinneren unterwegs war und insgesamt 1500 Kilometer über fast nicht zu befahrende Straßen gefahren ist. Und er hat auf dieser Reise keine einzige zerstörte Moschee oder Kirche gesehen und die ersten, die ihn mit Jubelgesang und offenen Armen empfangen haben, waren die Muslime.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse Ihres Treffens in Berlin?

Wir haben wichtige Politiker der Bundesregierung getroffen und gute Gespräche geführt. Das wichtigste, konkrete Ergebnis war aber für mich das „House of one“. Das wird in diesem April in Berlin eröffnet, also ein Haus, unter dessen Dach sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee befinden. Das soll ein Haus des Gebets und der interdisziplinären Lehre sein, aber auch ein Haus der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Religionen. Und genau so ein Haus, auch mit unserer Unterstützung, soll danach auch in Bangui, in der Zentralafrikanischen Republik, entstehen.

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