(c) Yvonne Dömling

Anwältin, Nonne oder???

  • 27.10.21, 11:03
  • Yvonne Dömling
  •   Kurz und Knapp

Im Rückblick erkannte ich, dass, seitdem ich Jesus zum Zentrum meines Lebens machte, sich all meine Wünsche, egal wie ausgefallen diese waren, innerhalb kürzester Zeit erfüllten. Jesus ist wie ein Bräutigam, der mir jeden Wunsch von den Lippen abliest. Ein irdischer Mann könnte dies so gar nicht erfüllen. Auf der einen Seite merkte ich nun deutlich, dass Jesus um meine Liebe wirbt, aber auf der anderen Seite erkannte ich, dass er mir totale Freiheit ließ. Das heißt: Wenn du diesen Mann heiraten willst, dann geh und heirate ihn. Wenn du Anwältin werden willst, dann geh und werde Anwältin. Ich gebe dir für alles meinen Segen. Aber ich mache dir noch ein Angebot: Wenn du möchtest, dann verlass alles was du hast und folge mir nach. Ich sah vor meinen Augen zwei Türen. Die eine Tür war das Heiraten, Kinder bekommen und Anwältin werden. Die andere Tür war eine offene, hinter der sich eine grüne Wiese, ein großes Licht und ein Pfad verbarg, welcher in eine total ungewisse, aber helle Zukunft führte. Der Weg war ungewiss. Ich wusste nur, dass Jesus mich ein bisschen so wie Abraham einlud mein jetziges Land aufzugeben, um in ein neues zu ziehen. Ich hielt das anfangs nur für eine Metapher und glaubte nicht, dass er mich wirklich mal in ein anderes Land führen würde. Für mich konkret hieß die zweite Tür also: Verlass deine Familie und alles was du hast und schenke dich mir ganz und gar hin. 

Gottgeweihtes Leben und was es eigentlich ist

Als traditionelle Katholikin dachte ich mir also: „Aha, ich soll ins Kloster gehen“. Etwas Anderes kannte ich nämlich nicht. So ging ich während der zweiten charismatischen Exerzitien zu der Ordensschwester, die alles leitete, und sagte ihr: „Ich glaube, ich soll ins Koster gehen.“ Als Jugendliche habe ich immer geglaubt, dass Gott grausam ist, wenn er Priestern und Nonnen das Heiraten verbietet. Heiraten ist doch das Schönste und etwas Besseres gibt es doch gar nicht. Man kann doch nicht ohne Liebe leben. Nun begriff ich erstens, dass jeder sich vollkommen frei entscheiden darf und Gott immer seinen Segen gibt. Und zweitens, dass das gottgeweihte Leben überhaupt nicht bedeutet, dass man auf Liebe verzichtet; sondern anstatt sich für einen irdischen Mann zu entscheiden, ist Jesus der Bräutigam. Man entscheidet sich also für die endgültige Liebe, was keineswegs bedeutet, dass man ohne Liebe lebt. Man lebt für die Liebe. Außerdem handelt es sich um eine total konkrete Liebe, denn Jesus ist wirklich allgegenwärtig und obendrein in der Kommunion und Anbetung leiblich anwesend, wo man kann ihm jeden Tag begegnen kann und sogar eins wird mit ihm.

Not der Zeit

So spürte ich deutlich, dass er mich einlädt ein Leben der Heimatlosigkeit zu führen. Daraufhin habe ich mir mehrere Klöster angesehen, die mich aber alle nicht angesprochen haben; und zwar aus dem Grund, dass die meisten Klöster, die ich kannte, sich um Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser kümmerten, aber das war für mich nicht die Not der Zeit. Der Staat hat ja mittlerweile auch gute Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser, aber die Not der Zeit ist, dass niemand Jesus wirklich kennt. Und wenn man Jesus nicht kennt, dann helfen auch die besten Krankenhäuser nicht. Das, was uns wirklich fehlt, ist der Glaube. Ich wusste immer noch nicht, wozu mich Gott konkret ruft, aber mir war klar, dass die Not der Zeit die Glaubenslosigkeit ist. Ich fragte mich, wie ich nun meine Berufung als gottgeweihte Person leben und etwas gegen die Not der Zeit tun könne.

AdventsZeit 2021 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2021.

Zur AdventsZeit 2021 »