(c) Robert Boecker

Aus alt mach neu

  • 04.02.17 10:37
  • Anna Woznicki
  •   Kurz und Knapp

Blau, rot, weiß, gemustert, gesteppt, Baumwolle, Seide, Jeans … Bahnen von Stoff, die bis unter die Decke reichen und bald eine neue Bestimmung finden. Denn bevor sie zu Handtaschen, Patchwork-Decken oder anderem verarbeitet werden, fristeten sie ihr Dasein einst als Bettwäsche, Hose, Bluse oder auch schon einmal als Kaffeesack. „Hier war mal, wie man riecht, jede Menge Kaffee drin“, erklärt Dorothea Domasik und hält eine moderne Aktentasche hoch. „Oder das hier: das war früher eine Jeans, die jetzt als Handtasche ziemlich gut wegkommt.“ Dorothea Domasik leitet die Beschäftigungsförderung bei ProDonna® des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Langenfeld. Sie kümmert sich darum, dass Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, die Möglichkeit bekommen, mit ihrer Arbeit wieder Teil des gesellschaftlichen Lebens zu werden. Und nebenbei designt sie zusammen mit der Schneidermeisterin Elke Sommerfeld und ihrem Team Taschen und andere Teile. Nach dem Motto „aus alt mach neu“ wird aus entbehrlichen Kleidern und Stoffen wieder richtig Schönes. Der englische Fachbegriff dafür: Upcycling – eine Bewegung, die voll im Trend liegt.

Jedes Teil ein Unikat

Anders als beim Recycling wandern die Rohstoffe nicht über die Sortierbänder der Abfallentsorger, sondern gehen durch die Hände von Designern und Kreativen. So ist das Ergebnis ein völlig anderes – und jedes Teil ein Unikat. Dorothea Domasik: „Upcycling ist ökologisch und kreativ. Und gibt bei uns langzeitarbeitslosen Menschen auch noch eine sinnstiftende Beschäftigung.“ Bei der Caritas ist so auch der soziale Mehrwert garantiert. Unter dem Label EINZIGWARE® bieten Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern der Caritas veredelte Produkte aus Altmaterialien an. Über 20 Beschäftigungsbetriebe aus ganz Deutschland machen bereits mit. Während sich ProDonna® aus Langenfeld entbehrlicher Kleidung widmet, möbeln andere beispielsweise alte Vitrinen auf oder geben Dingen eine ganz neue Funktion: Ein alter Kaugummiautomat dient nun als Schlüsselkasten, aus einer Kaffeemühle wird der Standfuß einer Nachttischlampe. Individualität statt Massenware – und schon bekommt das eigene Zuhause einen richtigen Blickfang.

Abwechslung mit Nadel und Garn

 (c) Robert Boecker

Yordanos Brhane liebt die kreative Arbeit. Die 38-Jährige macht zurzeit ihre Ausbildung als Änderungsschneiderin bei ProDonna® in Langenfeld. „Bei einer Ausbildung in einer normalen Schneiderei wäre ich die meiste Zeit nur mit dem Kürzen von Hosen beschäftigt. Das lerne ich hier zwar auch, aber kann dazu meiner Kreativität freien Lauf lassen.“ Gleichzeitig bekommt sie genauso wie ihre Kollegin Sandra Dolezal (32) eine zweite Chance auf dem Arbeitsmarkt. Dorothea Domasik: „ProDonna® bietet als Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt des SkF Frauen Beratung und Unterstützung mit dem Ziel der Integration in den regulären Arbeitsmarkt.

Die teilnehmenden Frauen können Arbeitserfahrungen sammeln, neue Berufsfelder kennenlernen, ihre Belastungsfähigkeit am Arbeitsmarkt sowie ihr Selbstbewusstsein steigern.“

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