(c) Yvonne Dömling

Aus einer Juristin wird eine Bibelwissenschaftlerin

  • 07.09.21, 15:47
  • Yvonne Dömling/Nina-Sophie Heereman
  •   Kurz und Knapp

Am 20 Juni 1972 wurde ich als Nina-Sophie Freiin Heereman von Zuydtwyck in Bonn geboren, als Ältestes von sechs Kindern - hinein in eine „für deutsche Verhältnisse“ recht katholischen Familie. Das heißt, wir sind sonntags in die Kirche gegangen und haben eben zu Tisch und vor dem Zubettgehen gebetet. 

Meine Mutter hatte aufgrund ihres Theologiestudiums keinen allzu festen Glauben. Fast hätte sie ihn gänzlich verloren, wäre nicht zur gleichen Zeit ihr Vater schwer erkrankt und durch die Begleitung eines heiligmäßigen Franziskaners von einem total rationalen zu einem lebendigen Glauben gekommen. Ihren Vater gläubig werden zu sehen, hat sie zu zwei Erkenntnissen geführt: Erstens: der Tod hat nicht das letzte Wort. Zweitens: der Glaube gibt wirklich Halt. Deshalb hat sie uns Kindern, so gut es ging, immer versucht, den Glauben weiterzuvermitteln. 

Der erste Medjugorje-Besuch

Als ich 13 Jahre alt war, hörte meine Mutter von einer angeblichen Marienerscheinung in Medjugorje. Die Wahrheit ist, dass sie nicht wirklich etwas mit der Muttergottes anfangen konnte, da sie in der Kindheit keine Marienverehrung erlebt hatte und im Theologiestudium Maria eigentlich nur als Quantité négligeable vorgekommen war. Aber gleichzeitig dachte sie sich: „Was, wenn es doch wahr ist und Jesus wirklich seine Mutter schickt? Dann wäre es doch unhöflich nicht hinzugehen!“ Somit beschloss sie aus reinem Anstand und ohne große Erwartungen, mit mir und meinem Bruder Sylvester nach Medjugorje zu fahren.

Medjugorje war für mich unglaublich prägend. Auch hatte ich das Glück, bei einer Muttergotteserscheinung dabei sein zu dürfen. Zuhause fand ich die Kirche immer langweilig, aber hier hatte ich die schönste Woche meines Lebens, obwohl es im Jahr 1985, in diesem kleinen Dorf, wirklich nichts gab. Wir schliefen auf dem Boden und aßen dreimal am Tag Suppenbrühe. Den ganzen Tag wurde nur gebetet und zwar ein Rosenkranz nach dem anderen. Das Abendprogramm fand nur auf Kroatisch in der rappelvollen Kirche statt, wo alle nach den anstrengenden Feldarbeiten schweißgebadet dasaßen. Das heißt jeden Abend drei Stunden lang nur Schweißgeruch und Gebet - und trotzdem kam es mir vor wie 10 Minuten. Es war wie im Himmel, dachte ich - und konnte mir das natürlich nicht mal ansatzweise erklären. 

Fester Glaube und prägende Botschaften

Als ich nachhause kam, wusste ich zwei Dinge: den Himmel gibt es wirklich und der katholische Glaube ist der echte; denn sonst würde Jesus ja nicht seine Mutter schicken, um genau hier zu erscheinen. Daran würde ich ab jetzt nicht mehr zweifeln. Ich sah aber, dass alle Erwachsenen irgendwie am Glauben zweifelten und deshalb bat ich immer: „Lieber Gott, wenn ich groß bin, dann lass mich bitte nicht den Glauben verlieren.“ Zwei Botschaften aus Medjugorje haben mich auf meinem Lebensweg besonders geprägt: „Wenn ihr wüsstet, wie sehr ich euch liebe, ihr würdet vor Freude weinen.“ Und: „Kinder, dankt, dankt, dankt bis euer ganzes Leben zum Dank wird.“ Deshalb bestand danach einige Jahre lang mein Gebet nur darin, abends im Bett zu liegen und Gott für alles, was mir einfällt, zu danken. 

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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