(c) Don Bosco Bonn

Beethoven Moves!

  • 13.05.19 16:38
  • Ulla Fricke
  •   Im Auftrag des Herrn

Und da stehen wir nun nach 20 stündiger Anreise endlich in Medellín. Haben uns den Berg hinaufgequält, in einem der schon betagten Schulbusse der Ciudad Don Bosco, beängstigend steil. Medellin, die kolumbianische Millionenmetropole liegt in einem Talkessel mit dicht besiedelten Hängen auf 1500 Metern Höhe. Je höher desto ärmer lautet die Faustregel, was wir daran merken, dass wir nicht alleine rausgehen sollen und dass es erst in der vergangenen Woche wieder tödliche Schießereien gab. Wir werden dafür mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Jeden Abend sehen wir auf das unfassbare Lichtermeer hinaus, die Wolkenkratzer und die grüne Landschaft. Wir, das sind 16 Musiker des Beethoven Orchester Bonn unter Leitung von Dirk Kaftan und seinem Team, vier Mitarbeitern der Don Bosco Mission Bonn (zu der auch ich gehöre) Regisseur Anselm Dalferth und Rita Baus, Ideengeberin und Projektleiterin. Die Idee, urbane Jugendkultur in Kolumbien mit klassischer Musik zusammenzubringen hatte uns hierhin geführt.

Guter Reise-Grund

 (c) Don Bosco Bonn

Anlässlich des 250. Beethoven Jubiläums in Bonn im kommenden Jahr waren wir Ende April auf unsere achttägige Reise zur 5. Sinfonie Ludwig van Beethoven aufgebrochen. Gespannt, vorfreudig und übermüdet- so begann sie. Und mit viel frischem Obst.

Das haben wir auch gebraucht, um das dichte Programm aus Bewegungsimprovisationen, musikpädagogischen Einheiten und künstlerischen Workshops zu meistern. Besonders natürlich „unsere“ 24 Jugendliche, auf die wir dort erstmals trafen. Unter ihnen ehemalige Kindersoldaten, frühere Straßenkinder und Kinder, die Leidtragende des fast 50-jährigen Konfliktes sind, der Kolumbien immer noch belastet. Die Begegnung mit ihnen, mit musikalischer Leidenschaft und Können, tänzerischen Supertalenten, der fantastischen Laura, mit lokalen Künstlern, wie dem Graffitisprayer Chota aus der Communa 13, dem Viertel, das als Sinnbild für den positiven Wandel von Medellín steht, machen diese Reise zu etwas ganz Kostbaren für mich und bestimmt auch für alle anderen. Diese fünf Tage, voller Energie und Emotionen. Und sie endete in einem grandiosen Abschlusskonzert, in dem Dirk Kaftan die 5. Sinfonie für Rap Einlagen und Breakdance Moves öffnete, das Publikum mit Bodypercussions unterstützte und deutlich wurde, wieviel Relevanz Beethovens Botschaft noch heute hat und wieviel Spaß wir dabei hatten, sie zu entdecken.

Dankbarkeit und Vorfreude

 (c) Don Bosco Bonn

Als uns am nächsten Tag der Bus wieder abholt, es die Hänge wieder runter geht, bleibt da ein unglaubliches Gefühl von Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit. Und Vorfreude auf ein Wiedersehen im August 2020, wenn 40 junge Menschen aus Bonn und Medellín zu einem dreiwöchigen Jugendcamp im Bonner Tanzhaus zusammenkommen und sich auf ein noch viel größeres Konzert der 5. Sinfonie mit dem Beethoven Orchester Bonn vorbereiten. Ich werde bei Beethovens berühmten „Tatatataa“ künftig wohl immer die nächtliche Kulisse von Medellín vor mir sehen und an den 17-jährigen Juan-Camillo denken, wie er voller Stolz das Orchester dirigiert.“

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SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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