Berninis Ziborium (c) picture alliance_Zumapress_Evandro Inetti

Berninis Ziborium - das Dach des Petrus

  • 08.08.16 10:38
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Es war die Idee eines Papstes. Papst Urban VIII. wollte den architektonischen Charakter des Zentralbaus Peterskirche noch verstärken. Dieser Gedanke brachte ihn zur Idee des Ziboriums über dem Altarbereich und unter der Kuppel Michelangelos. Die Entscheidung, wer dieses Kunstwerk schaffen sollte, wurde schnell getroffen, denn der junge Giovanni Lorenzo Bernini, damals gerade mal 25 Jahre alt, hatte bereits an mehreren Stellen in Rom seine geniale Handschrift hinterlassen. Vor allem seine Skulpturen in der Galleria Borghese gefielen Papst Urban VIII. und der Kurie so gut, dass sie dem begnadeten Nachwuchsbildhauers seinen ersten großen Auftrag gaben. Die Herausforderung für Bernini lag beim Ziborium allerdings nicht in der kunstvollen Ausgestaltung und Verzierung des Baldachins, sondern vielmehr in der architektonischen Umsetzbarkeit. Denn schnell war klar, dass das immense Gewichts des geplanten Bauwerks statische Probleme hervorrufen würde. Nicht auszudenken, wenn der Boden nachgab und das Grab Petrus´ zerstört würde.

Ein Konkurrent hilft

Bernini holte sich zur Unterstützung in Person von Francesco Borromini, einem in Rom bereits angesehenen und erfahrenen Architekten. Der hatte seinerseits auf den Auftrag „Ziborium im Petersdom“ gehofft, half aber dennoch seinem Konkurrenten Bernini bei der Umsetzung des Projektes. Die Aufgaben waren klar verteilt: Borromini hatte die technische, Bernini die künstlerische und organisatorische Leitung. 30 Meter hoch sollte der Baldachin werden und ganz aus Bronze bzw. von Bronze ummantelt sein. Das bedeutete allein für die Säulen, dass sie in fünf Teilstücken gegossen werden mussten: der Fuß, drei Säulenelemente und das Kapitell. Etwa zwei Jahre dauerten alleine die Gussarbeiten für das Ziborium. Währenddessen hatte sich das Innere der Peterskirche von einem Gotteshaus in eine Baustelle verwandelt, vor allem, weil Architekt Borromini für die Statik des Baldachins vier jeweils vier Meter tiefe Löcher graben ließ. 1627 waren die 14 Tonnen schweren Säulen endlich aufgerichtet.

Beeindruckende Verzierungen

Verzierte Säule (c) picture alliance_Akg_Joseph-Martin

Perlenbänder, Lorbeerranken, Bienen, Putten, Blätter, die Weltkugel mit einem Kreuz, Engelköpfe mit nach unten hängenden Flügeln – all das findet der Betrachter, wenn er das Ziborium heute ansieht. Und natürlich die vier Engel, die oben auf dem Himmel stehend, diesen mit Bändern auf scheinbar spielerisch leichte Weise zu tragen scheinen. Eine versteckte Ironie, denn der Bauprozess des heute weltbekannten Bauwerks war alles andere als leicht. Und das Ziborium selbst ist es schon gar nicht.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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