(c) Marco Sengstake

„Bon Chemin“

  • 31.05.21, 14:02
  • Marco Sengstake
  •   Kurz und Knapp

Marco Sengstake hat sein Pilgerziel erreicht, wenn auch in Frankreich und nicht wie geplant in Spanien. Umso mehr war der Weg das Ziel für den Hürther.

Von Lourdes aus habe ich mich zunächst in Richtung Norden begeben, um dort auf den "Via Tolosana", den südlichsten Jakobsweg in Frankreich zu gelangen. Mein Plan war es, diesen in umgekehrte Richtung bis nach Arles zu gehen. Da ich nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, mir noch schnell gutes Kartenmaterial zu besorgen, habe ich mich selber mit dem Handy und GPS navigiert. Selten aber immer wieder stieß ich auf die rotweißen Markierungen oder auf eine Jakobsmuschel, die mir signalisierten, dass ich weiter auf dem richtigen Weg bin.

Es gelang mir auch immer sehr schnell am Ende des Tages eine geeignete Unterkunft zu finden. Und tatsächlich traf ich dann auch einige wenige Pilger, die den Jakobsweg nach Saint-Jean-Pied-de-Port gehen wollten. Es waren immer Franzosen. Ich war scheinbar der einzige Pilger, der nicht aus Frankreich stammte. Diese Begegnungen waren natürlich immer ein Höhepunkt und waren somit auch ein Motivationsschub in jeglicher Hinsicht, um die weiteren Anstrengungen zu meistern. Ich kam, bedingt durch Corona, zwar nicht so viel mit Menschen in Kontakt, aber auch auf meinem Jakobsweg geschahen zwischendurch diese kleinen besonderen Wunder. Zum Beispiel, als ich in einem kleinen Dorf nach einem schattigen Platz für eine Pause suchte und dann von einem netten Ehepaar spontan zu einem Mittagessen eingeladen wurde und beide auch noch fließend Deutsch sprachen. 

Egal, wo ich hinkam, habe ich immer sehr nette und hilfsbereite Menschen getroffen und somit nie Sorge gehabt, dass irgendetwas schief gehen könnte. Ich ging unterwegs immer gerne in Kapellen, Kirchen oder auch Kathedralen und zündete eine Kerze an. Dort fand ich auch immer Bilder oder Skulpturen des Sankt Jakobus oder des Saint Rochus. Nach rund 28 Etappen kam ich dann überglücklich in Arles an. Der Moment und das Gefühl waren unbeschreiblich und emotional. Insgesamt war ich 6 Wochen in Frankreich und bin über 820 Kilometer zu Fuß unterwegs gewesen. Aus dem ursprünglich geplanten spanischen "Buen Camino" wurde letztendlich ein spontaner französischer "Bon Chemin".

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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