Bruder Klaus (c) pa_Artcolor_Toni-Schneiders

Bruder Klaus, der Volks-Heilige

  • 04.03.17 17:30
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Der Knabe Nikolaus von Flüe wächst im heutigen Kanton Obwalden in der Schweiz auf, mitten in der Natur. Das Flüeli besteht aus einer Ebene, die in die Steilhänge der Sachsler Berge übergeht. Oft steigt der junge Nikolaus auf den Felsen "Fluo" und überblickt von hier seine ganze Welt - den elterlichen Bauernhof auf der einen, seine erweiterte Heimat, das Obwaldnerland, auf der anderen Seite. Nikolaus lernt von seinem Vater das Handwerk eines Bauern. Aber bereits als Kind zieht er sich immer wieder zurück, will alleine sein, denkt nach und betet. Mit 16 Jahren wird er wie alle jungen Männer zum Wehrdienst einberufen. Und auch hier berichten Kameraden später, dass er die Stille gesucht und versucht hat, seine Feinde im Kampf möglichst wenig zu schädigen. Mehr noch: Da wo es ging hat Nikolaus sie sogar geschützt.

Auf Zweisamkeit folgt Einsamkeit

Nikolaus heiratet, wenn auch spät, mit 29 Jahren. Und es ist eine wahre Liebeshochzeit mit seiner Dorothee. Fünf Kinder bekommen sie. Aber mit den Jahren verändert sich Nikolaus immer mehr. Er isst wenig, in der Nacht steht er auf und betet stundenlang. Er zieht sich nach der Arbeit immer wieder zurück, um mit Gott allein zu sein. Sein Ansehen in Politik und Gesellschaft wächst, aber er spürt, dass dies nicht sein Weg ist. Mit etwa 48 Jahren fällt er in eine tiefe Depression, weil ihm eine innere Stimme immer wieder sagt: "Verlass alles, auch das Liebste, Frau und Kinder, Hof und Heimat". Am Gallustag, dem 16. Oktober 1467 verlässt Nikolaus von Flüe, drei Monate nach der Geburt des jüngsten Kindes seine Familie. Eigentlich will er ins Ausland gehen und als Wallfahrer von einem heiligen Ort zum andern wandern. Aber schon bald signalisiert ihm Gott, dass er umkehren soll. So geht er zurück in die Heimat und lebt unweit seines Bauernhofes und seiner Familie in einer kleinen Wohnzelle direkt neben einer Kapelle, die Freunde und Nachbarn ihm gebaut haben.

Aus Nikolaus wird Bruder Klaus

Von nun an nennt er sich Bruder Klaus. Er betet und meditiert und er hört auf zu essen und zu trinken. Außer der Heiligen Kommunion nimmt er nichts mehr zu sich. Das sogenannte „Wunderfasten“ wird unter anderem vom Gesandten der Regierung des Kantons Obwalden und auch vom damaligen Weihbischof von Konstanz bestätigt. Der Ruf vom "lebendigen Heiligen" verbreitet sich in der Eidgenossenschaft und bald in ganz Europa. Viele Menschen suchen ihn auf. Es kommen Rat suchende Männer und Frauen aus der Umgebung, Bischöfe, Äbte und Priester, die seinen rechten Glauben prüfen - aber auch bewundern. Schließlich verhindert Bruder Klaus sogar einen drohenden Bürgerkrieg in der Schweiz. Am 21. März des Jahres 1487, mit 70 Jahren stirbt Bruder Klaus an einer schweren Krankheit. Seitdem wird von mehreren Wundern berichtet, die an seinem Grab geschehen sein sollen.

Langwierige Heiligsprechung

 (c) pa_Dumont-Bildarchiv_Rainer-Kiedrowski

Es dauert lange, bis die Kirche Bruder Klaus als Heiligen anerkennt. Papst Innozenz X. spricht ihn im Jahr 1649 selig, 20 Jahre später erlaubt Papst Clemens IX. seine liturgische Verehrung. Aber erst im Jahr 1947 wird Nikolaus von Flüe von Papst Pius XII. heilig gesprochen. Bruder Klaus ist der Schutzpatron des Kantons Obwalden und der Schweiz, der Schweizer Garde, der Katholischen Landjugendbewegung, der Katholischen Landvolkbewegung und des Schweizerischen Studentenvereins. Bruder-Klaus-Kirchen gibt es nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, zum Beispiel in Berlin, Göppingen und Köln. Besonders sehenswert: die Bruder-Klaus-Kapelle in Mechernich-Wachendorf (s. Bild).

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