(c) Jan Sting

„Buon Camino“

  • 14.10.20, 10:15
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Seit fünf Jahren gibt es dort außerdem ein Zimmer in der ehemaligen Küsterwohnung, in dem die Pilger übernachten können. Ehrenamtliche übernehmen zwischen 17 und 20 Uhr übernehmen einen Telefondienst, nehmen Anmeldungen entgegen und kümmern sich um die Gäste. Sie haben den Schlüssel und weisen die Pilger in alles ein. Otti Bong aus Brühl betreut mit vier anderen Ehrenamtlichen in der Gemeinde Sankt Magareta in Brühl eine Unterkunft für Pilger, die auf dem Weg nach Santiago de Compostela sind. In der Innenstadt ist immer wieder die Jakobsmuschel, das Zeichen der Pilger, zu sehen. Es gibt Privatzimmer und Hotels, in denen sie übernachten können. Wer noch keine Unterkunft gefunden hat, kann spontan zur Pfarrkirche Sankt Margareta kommen. „Ich glaube, dieses Buch von Hape Kerkeling hat schon eine Welle ausgelöst, viele, so ist es auch bei mir, machen sich auf den Weg. Ich kenne viele in Brühl, die pilgern“, sagt Otti Bong. Die Leute melden sich an, ab 17 Uhr kann man uns erreichen, dann sagen sie, wo sie sind und ich hole sie dann ab, zeige ihnen die Herberge und unterhalte mich ein bisschen mit ihnen.“

Frühstück mit den Obdachlosen

 (c) Jan Sting

Gut hundert Pilger machen ihm Jahr in der ehemaligen Küsterwohnung Station. Durch Corona sind es seit März erst 37. Frühstück gibt es, wenn nebenan der Raum für die Obdachlosen geöffnet ist. Viel hat Otti Bong Jahren von den Menschen erfahren, seit sie vor vier Jahren den Schlüssel-und Telefondienst übernahm. „Viele erzählen, warum sie pilgern: Weil sie in Ruhestand gehen oder einen Verlust hatten in der Familie“, so Otti Bong. Auf dem Pilgerweg kann das Leben dann manchmal einen unerwarteten Verlauf nehmen, wie die Brühlerin erfahren hat. „Ja ich habe von einem Pärchen gehört, die auf dem Pilgerweg unterwegs waren.

 Die Dame hatte ihren Mann verloren und hat sich vom Schwarzwald aus auf den Weg gemacht nach Santiago und in der Schweiz hatte sie einen Mann kennen gelernt. Und als ich sie kennenlernte, waren sie verheiratet.“

Zur Oma nach Santiago

Einfach ist das Zimmer, Mitbegründer Hep Fischer hat zwei Etagenbetten aus Bundeswehrbeständen erworben, für die Rucksäcke gibt es Regalbretter und die Übernachtung ist kostenlos, aber es kann etwas gespendet werden. Voraussetzung für die Unterbringung ist, dass man auch tatsächlich pilgert, wie Hep Fischer betont: „Aufregende Sachen passieren selten. Es kommen schon mal Leute, die nicht so pilgermäßig aussehen. Da muss man dann entscheiden, darf ich sie aufnehmen.“ Aber in der Regel haben die Pilger ein Pilgerbuch, in das auf den Stationen ein Stempel kommt. Das gibt es im Pfarrbüro oder bei der Jakobusgesellschaft. Viele Pilger machen den Weg in Etappen und manchmal dauert es Jahre. Berührt hat Otti Bong die Geschichte eines jungen Mannes, der im März in die Herberge kam. Otti Bong erinnert sich: „Ein 23-Jähriger und er hat gesagt, wenn das klappt, wird ihn seine Oma in Santiago in Empfang nehmen. Das weiß ich ja nicht, ob das geklappt hat. Ich hätte es ihm sehr gewünscht. Er hat einfach gesagt, dass er wenig auf die Reihe gekriegt hat. Und dass ihn seine Oma auf seinem Weg unterstützt.“

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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