(c) Robert Boecker

Caritas: Suche Azubis, biete WG

  • 14.05.19 11:54
  • Markus Harmann
  •   Kurz und Knapp

Hellroter Putz, blaue Tür- und Fensterrahmen – das ehemalige Pfarrhaus von St. Mariä Himmelfahrt im Düsseldorfer Stadtteil Lohausen fällt schon rein äußerlich aus der Reihe. Wo einst ein Pfarrer wohnte, sind seit Anfang des Jahres sechs Personen eingezogen – niemand davon älter als 25 Jahre. Eine klassische Wohngemeinschaft, könnte man meinen, denn alle Bewohnerinnen und Bewohner sind Auszubildende. Und doch ist in diesem Hause vieles anders. Da ist zum Beispiel Becky Uwoghiren, 21 Jahre jung, vor drei Jahren aus Nigeria geflohen. Lange lebte sie in einem Jugendwohnheim. Nicht ideal, denn ihr Zimmer war klein und die Privatsphäre eingeschränkt. Im September 2017 startete sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau beim Caritasverband Düsseldorf, und der vermittelte ihr dieses WG-Zimmer am nördlichen Ende der Stadt. „Ein Glücksfall“, sagt die junge Frau, „denn wir sind eine tolle Gemeinschaft.“

Kleines Geld, große Hilfe

Die Caritas hat das ehemalige Pfarrhaus angemietet. Eigens für ihre Azubis – die einen werden Altenpfleger und -pflegerinnen, die anderen Kaufleute für Büromanagement. Das Besondere: Sie zahlen nicht einmal Miete, sondern kommen lediglich für Strom, Heizkosten und Wasser auf. Macht für jeden Bewohner 50 Euro im Monat. Anderswo in Düsseldorf reicht diese Summe nicht einmal für einen überdachten Fahrradstellplatz, hier, im alten Pfarrhaus, gibt’s dafür ein schmuckes Altbau-Zimmer mit Küche, Bad und Gartenmitbenutzung. „Wir mussten etwas tun“, sagt Henric Peeters, Vorstandschef der Düsseldorfer Caritas. „Der Wohnungsmarkt ist besonders für Menschen mit geringem Einkommen äußerst angespannt.“ Ohne die Hilfe des Verbandes würden die Azubis nur schwer eine Bleibe finden – oder es bliebe so gut wie nichts vom Gehalt. Zo Hereniaina ist 25 Jahre alt und stammt aus Madagaskar. Im ersten Lehrjahr verdient die angehende Altenpflegerin 1236 Euro brutto. Ein klassisches WG-Zimmer in Düsseldorf hätte, sofern sie überhaupt fündig geworden wäre, mindestens 500 Euro gekostet. „Bei der Bewerbung war meine erste Frage, ob es eine Unterkunft für mich gibt“, sagt Zo.  Als die Caritas ihr ein Zimmer in der WG anbot, sei klar gewesen: „Da mache ich meine Ausbildung.“

Attraktiver Arbeitgeber

 (c) Robert Boecker

15 WG-Plätze in drei Häusern bietet die Caritas aktuell an. Mit zwei weiteren Pfarrgemeinden laufen Gespräche. Ausgewählt hat die Caritas die Bewohner nach der Maxime: Wer braucht den Wohnraum am dringendsten? Dass junge Leute mit Fluchterfahrung ganz oben auf der Liste standen, versteht sich von selbst. Für einige von ihnen ist die Azubi-WG das erste richtige Zuhause in Deutschland. So ist eine multinationale WG entstanden. Wird abends gemeinsam gekocht, fällt die Wahl zum Beispiel auf Gerichte aus Bangladesch, Kamerun oder Albanien. Schon jetzt lohne sich der Einsatz für die Azubis überaus, sagt Petra Ricken, Ausbildungsbeauftragte der Düsseldorfer Caritas: „Bieten Arbeitgeber ihren Azubis Wohnraum an, machen sie sich attraktiver und binden ihr Personal.“

 

Weil die Azubis das Engagement ihres Arbeitgebers schätzen, seien sie auch immer „Botschafterinnen und Botschafter für gute Ausbildungsbedingungen“. Der Erfolg gibt Ricken recht: Die Zahl der Pflege-Azubis hat sich in anderthalb Jahren von 27 auf 120 mehr als vervierfacht. Omar Sipan ist 23 Jahre alt und gebürtiger Syrer. 500 Euro bezahlte er für sein Zimmer, ehe er im April 2018 seine Ausbildung zum Altenpfleger im Caritas-Altenzentrum St. Josef begann und in die Caritas-WG umzog. Dort fühlt sich der 23-Jährige wohl: „Wir sind wie eine Familie.“

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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