(c) Marita Jendrischewski

Carl Schmitz: Vom Webstuhl in die Wüste

  • 25.03.19 12:20
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Vom heimischen Webstuhl im Bergischen Städtchen Wermelskirchen zog es den Missionar Carl Schmitz 1906 in die Wüste Namib, dem heutigen Namibia. Seine Großnichte, die Wermelskirchener Lehrerin und Heimatsforscherin Marita Jendrischweski, fand im Nachlass ihrer Eltern seine Briefe in die Heimat. Sie recherchierte, reiste zu den Enkeln ihres Großonkels nach Namibia und trug die Geschichte unter dem Titel „Vom Webstuhl in die Namib“ zusammen. Auslöser für den Wandel vom Schulabbrecher und Kartenspieler zum Missionar war laut Jendrischewski eine unheimliche Erscheinung. Den Teufel habe ihr Großonkel mit einer Flasche Bier auf dem Webstuhl sitzen gesehen. Der Schreck sei gewaltig gewesen und habe ihn nachhaltig verändert. Der damals 24-Jährige warf die Karten ins Feuer und beschloss 1899, Missionar zu werden.

Strenge Ausbildung

Seine Ausbildung hatte Carl Schmitz bei der Rheinische Mission in Wuppertal-Barmen gemacht. „Wenn man Missionar werden wollte, ging man nach Barmen. Und man musste erst einmal eine Aspirantenzeit überstehen, im Missionshaus angenommen zu werden. Und dann musste man studieren“, sagt Jendrischewski. Das alles hat Schmitz auf sich genommen und reiste mit dem Schiff nach Afrika und dem Ochsenkarren zu seinem ersten Einsatzort in Okambahe. Später lebte er mit seiner Familie in der Walfischbucht. In Namibia, das damals als erste deutsche Kolonie den Namen „Deutsch Südwestafrika“ trug, lebte Schmitz ein halbes Jahrhundert. Die Kolonialherren hatten dort ein rassistisches System etabliert, nur wenige Jahre zuvor hatten sie dort den Aufstand der Herero und Nama blutig niedergeschlagen und damit den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts begangen.

Ein Buch vom Aufbruch

 (c) Marita Jendrischewski

Politisch sei ihr Großonkel nicht gewesen, sagt Jendrischewski. Ihr Buch handelt vom Aufbruch aus beengten Verhältnissen unter neun Geschwistern im Bergischen Land in ein Land, das mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber mit 2,3 Millionen Einwohnern nur dünn besiedelt ist.

Auf ihren Reisen nach Namibia besuchte Jendrischewski Stationen ihres Onkels. Manche Missionskirche sei heute verwaist. Die Gottesdienste würden in moderneren Kirchen gefeiert, erklärt sie. „Ihm war es wirklich wichtig, die Leute für das Evangelium zu begeistern.“ Er lernte die Sprachen unterschiedlicher Stämme, darunter die der Nama mit den ihr  eigenen Klick- und Schnalzlauten und war offenbar lernfähig, was die eigene Aussprache anbetraf. Am vierten Advent 1906 hielt er in seiner ersten Station im Okombahe eine Predigt, die ihm die Besucher anschließend als „Kinderlallen“ beschrieben. Auch die Schulkinder, die er unterrichtete, fanden die Aussprache offenbar lustig, und Carl Schmitz büffelte. Später übersetzte Schmitz das Neuen Testament für die Einheimischen und  ließ sich phonetische Umschreibungen für die Klicklaute  einfallen.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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