(c) Robert Boecker

Casa Famiglia: Ein Haus voller Liebe

  • 25.04.19 12:53
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

„Bongiorno“ begrüßt mich Patti, eine 49-jährige Italienerin mit kurzen, grauen Haaren und warmen, leuchtenden Augen. Ihren achtjährigen Sohn Romeo habe ich schon auf der Treppe kennengelernt, als erstes von insgesamt sechs Kindern, die zur Familie gehören. Pattis Ehemann Massimo Arrigoni sitzt gerade mit der siebzehnjährigen Tochter Gillian am Küchentisch und gleich werden noch Alice, 13 Jahre alt, und die drei Pflegekinder dazu kommen. Dann erst ist die Casa Familia im „Haus Franziskus“ komplett. „Haus Franziskus“ – so haben Massimo Arrigoni und Patti Venturi ihre Casa Familia genannt. Und der heilige Franz von Assisi wäre bestimmt sehr einverstanden mit dieser Namensgebung, denn hier ist jeder willkommen, der arm, obdachlos oder bedürftig ist. Dieses Haus lebt. Mehr noch: Hier ist die Gegenwart Gottes spürbar. Das empfinde ich bei jedem Schritt und in jedem Moment, den ich hier erlebe. Patti und Massimo gehören zur Gemeinschaft Papst Johannes XXIII., einer Laiengemeinschaft, die ihren Hauptsitz in Rimini, in Italien hat. Der Priester Don Oreste Benzi aus San Clemente bei Rimini gründete die Gemeinschaft aus der christlichen Motivation heraus, denjenigen zu helfen, die abseits der Gesellschaft stehen: Obdachlose, Prostituierte, Drogenabhängige, Heimkinder. Ein Kern der christlich-sozialen Arbeit der Gemeinschaft sind die Familienhäuser, in denen fast immer Pflegekinder leben.

Auf der Suche

Eine besondere Mentalität, eine offene Lebenseinstellung findet man in allen Familienhäusern der Gemeinschaft und genau das verbunden mit einem tiefen Glauben an Gott hat damals vor sechs Jahren Massimo überzeugt. „Ich habe damals als Designer gearbeitet. Ich hatte große Firmen als Kunden und habe gutes Geld verdient. Aber ich war nicht glücklich. Ich wusste: Da fehlt etwas.“ Patti erinnert sich noch gut daran, als ihr Mann abends nach Hause kam und völlig euphorisch von der Gemeinschaft Papst Johannes XXIII. erzählte. „Er hatte endlich gefunden, wonach er gesucht hatte“, erzählt sie, „aber es hat dann noch gut ein Jahr gedauert, bis auch ich gespürt habe, dass das mein Weg, unser gemeinsamer Weg ist. Heute weiß ich: Es musste so sein, es konnte nicht anders sein.“ Im Januar 2014 kamen sie mit ihren drei Kindern nach Deutschland, auf Einladung des Erzbistums Köln. Grundsätzlich geht die Gemeinschaft nur in Länder, in die sie eingeladen wird.

Schnelle Eingewöhnung

 (c) Robert Boecker

„Das war am Anfang schon schwer“, erinnert sich Alice, „ich kam am 03. Januar nach Deutschland und am 7. Januar saß ich in der vierten Klasse der Grundschule und verstand kein Wort“. Mittlerweile sprechen alle Kinder fließend Deutsch und auch die Eltern sind angekommen in der anderen Kultur und Mentalität im Oberbergischen.

„Die Menschen hier mussten erstmal verstehen, wer wir sind und dass wir nicht gefährlich sind“, lacht Patti, „jetzt freuen sich die meisten, dass wir da sind, glaube ich“. Das liegt vor allem daran, dass alle fünf auf die Menschen zugegangen sind, sich sofort integriert und signalisiert haben, dass sie Teil der deutschen Gesellschaft sein wollen, ohne dabei ihre italienischen Wurzeln aufgeben zu müssen. Patti und Massimo arbeiten als Katecheten und seit März ist Massimo Küster der kleinen Dorfkirche. Der Glaube an Gott, die Verbundenheit mit Jesus ist zur Basis des Lebens der Familie Arrigoni-Venturi geworden. Ein kleines Zimmer haben Patti und Massimo zur Kapelle umgebaut. „Dieser Raum ist die Quelle, das Allerheiligste dieses Hauses“, sagen sie, „hier beten wir regelmäßig morgens und abends.“ Und natürlich vor den Mahlzeiten, wobei die Tischgebete von Italienern auch mal laut getrommelt und gesungen werden. Patti schmunzelt darüber und sagt dankbar: „Ich kann mir mein Leben nicht mehr anders vorstellen“.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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