(c) Lars Schäfers

Catedrala Parascheva: Orthodoxe Herrlichkeit

  • 27.01.20 09:44
  • Lars Schäfers
  •   Glaubensmagnete

„Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24) – diese radikale Aussage Jesu hat im Laufe der Kirchengeschichte viele Männer und Frauen dazu bewogen, ihr Leben grundlegend zu ändern und sich voll und ganz in die Jesusnachfolge zu begeben. Eine von ihnen war die heilige Paraskevi von Iași aus dem 10. Jahrhundert. Als besagte Worte Jesu sie während eines Gottesdienstes in ihrer byzantinischen Heimatstadt ins Herz trafen, beschloss das aus reichem Hause stammende Mädchen ein monastisches Leben in besonderer asketischer Härte zu führen. Nach ihrem Tod wurden ihre Reliquien mehrfach herumgereicht, bis sie 1641 im rumänischen Iași ankamen und heute in der rumänisch-orthodoxen Catedrala Cuvioasa Parascheva von Iași zu finden sind und hier besondere Verehrung als „Herrlichkeit der Orthodoxie“ erfahren.

Byzantinisch-barocke Sakralkunst

Diese „Herrlichkeit der Orthodoxie“ wird aber auch an dem Kathedralgebäude selbst erfahrbar. Bei der orthodoxen Kirche handelt es sich um die zweitgrößte christliche Konfessionsgemeinschaft, die in besonderer Weise das griechisch geprägte Erbe der antiken Christenheit bewahrt und ihm seit der Zeit der byzantinischen Reichskirche einen unverwechselbaren Charakter gegeben hat. Die Bischofskirche von Iași verbindet diese für Westkirchler faszinierend-fremdartige griechisch-orthodoxe Ikonen- und Sakralkunst mit Stilelementen der Renaissance und des Barock der westlich-lateinischen Kirche, besonders bei den Innen- und Außendekorationen. Mit Vorsicht kann man diese Komposition als eine Art architektonisch vorausgedeutete Ökumene zwischen Ost- und Westkirche deuten, die bereits seit dem Jahr 1054 voneinander getrennt sind. Die Pilgerfahrt zu den Heiligtümern in der Kathedrale ist zu einem der bedeutsamsten christlichen Ereignisse in Rumänien geworden. Hunderttausende Pilger versammeln sich jedes Jahr am zweiten Oktoberwochenende in Iaşi, um der Asketin Paraskevi zu gedenken. Auch Papst Franziskus war im vergangenen Jahr hier.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2019.

Zur AdventsZeit 2019 »