(c) Lars Schäfers

Christentum und Buddhismus

  • 06.07.18 10:49
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Ein Tempel in Bangkok, der Hauptstadt Thailands. Der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Junge Thai entzünden sie an einem schmuckvollen, blumenbesetzten Altar. Folgt man ihren Blicken nach oben, sieht man eine große goldene Buddha-Statue emporragen. Es ist eine heilige Stätte, die so reich verziert und vergoldet ist, dass so manche katholische Barockkirche da nicht mithalten kann. Die Gläubigen knien sich hin, werfen sich in regelmäßigen Abständen zu Boden und sprechen leise ihre Gebete. Sie gehören zu den vielen Millionen Menschen weltweit, die – so ihr Glaubensbekenntnis – ihre Zuflucht zum Buddha, zum Dharma (zur Lehre) und zum Sangha (zur Glaubensgemeinschaft) nehmen. Der Buddhismus ist heute die viertgrößte Weltreligion, deren Wurzeln in Indien liegen. Der Fürstensohn Siddharta Gautama, des Lebens am Hof überdrüssig, revolutionierte nach seiner Konfrontation mit der Vielfalt menschlichen Leidens und seiner darauffolgenden Erleuchtung die bisherigen Denkweisen der hinduistischen Tradition. Der Buddhismus entstand. Wie können Katholikinnen und Katholiken mit praktizierenden Buddhistinnen und Buddhisten ins Gespräch kommen? Das Grunddokument der katholischen Kirche zum Dialog mit den nichtchristlichen Religionen ist die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils Nostra Aetate. Darin hielten die Konzilsväter erstmalig fest, die Kirche lehne „nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.

Parallelen in Leid und Heil

Der Weg zum Dialog war fortan freigegeben. Gemeinsamkeiten in spirituellen und ethischen Überzeugungen können im gegenseitigen Austausch freigelegt werden. Auf dem Feld der Ethik sind dabei die größten Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Buddhismus zu finden. Als Kern der buddhistischen Lehre gelten die „Vier Edlen Wahrheiten“ Buddhas darüber, wie menschliches Leid entsteht und beendet wird. Der Buddhist oder die Buddhistin trachtet das Leiden durch Einüben des „achtfachen Pfads zum Nirwana“ zu überwinden. Es handelt sich um ein Ethos der Selbstlosigkeit, das genau wie die christliche Tugendlehre vor extremen Haltungen und Handlungen warnt. So gründet buddhistische Ethik auf den allgemeinen Sittengeboten „nicht töten“, „nicht lügen“, „nicht stehlen“ und „nicht Unzucht treiben“. Es sind ethische Leitplanken wie jene der jüdisch-christlichen Zehn Gebote. Genau wie im Christentum gibt es im Buddhismus auch ein Mönchtum, in dem die entsprechenden Lebenshaltungen intensiv gelebt und eingeübt werden. Das buddhistische Mönchswesen mit seinen reichhaltigen Weisheitslehren, seinem Streben nach Achtsamkeit und seinen Meditationstechniken übt daher zu Recht eine große Faszination auf den modernen westlichen Menschen und auch auf Christinnen und Christen aus. Letztere können in diesem Mönchsethos viel Wahres und Heiliges entdecken, was auch für ihr eigenes Glaubensleben fruchtbar gemacht werden kann.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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