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Citykirchen: Mitten im Leben

  • 01.05.17 20:08
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

„Wir müssen eine offene Kirche sein für, offen die Menschen der Stadt. Hier gibt es keine Schwellen, jeder ist willkommen“, sagt Dieter Spoo, Pastoralreferent an der Citykirche, St. Nikolaus in der Innenstadt Aachens. Und jeder der ihn hört, merkt ihm an, dass durch ihn eine gelebte Überzeugung spricht, ein tiefer Glauben und eine Vision. Dieter Spoo glaubt, dass viele Menschen Jesu Botschaft befürworten, den Weg in eine Kirche aber aus unterschiedlichen Gründen nicht finden. „Der liebe Gott ist in Ordnung, aber das Bodenpersonal...“. Solche Sprüche hat er schon öfter gehört und er hat Verständnis, wenn selbst gläubige Christen beginnen, am System Kirche zu zweifeln, ja manchmal sogar zu verzweifeln. „Umso wichtiger sind unsere Angebote“, sagt der 58-jährige. „Ich mache die Erfahrung, dass Glaube befreit. Indem ich die Bergpredigt für zutiefst wahr halte, bin ich innerlich unabhängig und weniger verführbar. So gibt mir der Glauben eine innere Ruhe bei der Bewertung gesellschaftlicher und politischer Fragen und eine große Toleranz im Umgang mit anderen Menschen. Um die aber zu erreichen, muss das Angebot stimmen.“

Rockmusik und Ruhe

Das bedeutet konkret: keine ellenlangen, ermüdenden Gottesdienste, sondern kurze ca. zehnminütige Andachten jeden Tag um 12.15 Uhr; nicht nur Mozarts Requiem, sondern Konzerte mit Rockmusik; keine endlos langen Predigten, sondern das direkte Gespräch mit den Menschen. Und vor allem: eine werktags von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnete Kirche in einer Zeit in der immer mehr Gotteshäuser tagsüber geschlossen sind, aus Angst vor Diebstählen. Einmal zur Ruhe kommen im stressigen Alltag, Stille genießen im lauten Einkaufstrubel oder im Sommer die Kühle des Kircheninnenraums spüren, wenn draußen die Sonne das Thermometer auf 35 Grad klettern lässt – warum die Menschen in die Citykirche kommen, ist Dieter Spoo egal, wichtig ist ihm, dass sich jeder Besucher hier wohl fühlt. St. Nikolaus ist eine helle Kirche und durch das Entfernen der Kirchenbänke wirkt sie einladend und luftig. Lediglich zwei Bänke haben den Umbau überlebt. Eine steht vor der Pieta zum Gebet und die andere hinten in der Kirche. Sonst findet der Besucher nur Stühle vor, die variabel aufgestellt werden können, je nachdem was gerade in St. Nikolaus passiert. Und es passiert viel in der Kirche, die früher einmal dem Franziskanerorden gehörte, aber 1997 plötzlich leer stand, als der letzte Franziskaner gegangen war. Regionaldekan Toni Jansen hatte dann 1998 die Idee, die Kirche anders zu nutzen als bisher. Von Beginn an, gab es die ökumenische Idee und die evangelische Kirche in Aachen war schnell begeistert von dem neuen Projekt.

Verliebt, aber nicht unbedingt verlobt

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Besonders beliebt ist der jährlich am Valentinstag stattfindende Gottesdiensten für Verliebte, mit entsprechenden Texten und Musik rund um das große Thema Liebe und natürlich ist der Blumenschmuck, der jeden Tag frisch ist, an diesem Tag besonders üppig. Genauso wichtig sind ihm die Gottesdienste für Hospizgruppen, für Angehörige von Suizidopfern, für Getrennte und Geschiedene, für die Eltern früh gestorbener Kinder oder für Flüchtlings und Asylanten. Diesen Gottesdienst bereitet er zusammen mit der Ortsgruppe von Amnesty International vor. Das ist auch ein Prinzip der Arbeit der Citykirche. „Alle Gruppen der Stadt Aachen, die Lust haben mit uns zusammenzuarbeiten, sind willkommen. Je größer das Netzwerk, umso besser“, sagt Dieter Spoo und betont, dass es nur mit engagierten Ehrenamtlern geht.

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