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Clonmacnoise in Irland: Mönche, Gelehrte und Jedi-Ritter

  • 02.07.19 11:19
  • Robert Boecker
  •   Glaubensmagnete

Hier entstand das atemberaubende Finale von „Star Wars“. Hierhin hatte sich Jedi-Ritter Luke Skywalker zurückgezogen. Doch während das monumentale Kino-Zukunftmärchen auf viel Fantasy-Animation setzt, gibt es diesen Ort wirklich: Skellig Michael. Dabei handelt es sich um einen 218 Meter hohen Felsen, der 13 Kilometer vor der Südküste Irlands steil aus dem Atlantik emporragt. In 170 Metern Höhe „kleben“ die Gebäude einer frühmittelalterlichen Klostersiedlung an den Felsen. Nur wenige Touristen können in den Sommermonaten nach stundenlanger Fahrt mit kleinen Booten die Insel besuchen. Ist die See zu rau, ist der Ausstieg nicht möglich. Zudem sollte man schwindelfrei sein, um über die hunderte in den Fels gehauenen Stufen diese sonderbare Welt zu besteigen. An diesen unwirtlichen Ort zogen sich Mönche zurück, um sich in völliger Abgeschiedenheit und totaler Askese nur dem Gebet zu widmen. Während die einen aus tiefer Überzeugung glaubten, der Welt völlig entsagen zu müssen, sahen viele andere irische Männer in den Jahrhunderten nach der Missionierung der Grünen Insel durch den heiligen Patrick (385-461) ihre Berufung darin, in klösterlichen Gemeinschaften zu leben. Eine dieser Mönchssiedlungen ist Clonmacnoise.

Das Ende der Welt

In Zeiten, in denen man mit ein wenig Glück für 50 Euro von Düsseldorf oder Köln in rund zwei Stunden in die irische Hauptstadt Dublin fliegen kann, fällt es schwer, sich vorzustellen, wie „weit“ Irland für die Menschen, die vor Jahrhunderten lebten, entfernt war. Irland ist damals das Ende der Welt. Und von diesem Ende der Welt machen sich seit Ende des sechsten Jahrhunderts Männer auf den Weg, um auf dem europäischen Festland den christlichen Glauben zu verbreiten. Die Mönche sind nicht nur Verkünder der Botschaft Christi, sie bringen auch Kultur, Wissen und technisches Know-how mit zu den Völkern, die sie missionieren. Wissen, das dort nicht vorhanden oder in Vergessenheit geraten ist. Eine wichtige Keimzelle für diese Entwicklung ist die Klosteranlage Clonmacnoise, die sich fast im geografischen Mittelpunkt Irlands befindet und die heute eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes ist. Am 23. Januar 544 legt der heilige Ciaran den Grundstein für eine erste Kirche an der Stelle, wo der von Nord nach Süd durchfließende Fluss Shannon die wichtigste uralte Ost-West-Verbindung, die Straße „Esker Riada“, kreuzt.  Auf der „Weide der Söhne von Nóis“, so die Übersetzung des Namens Clonmacnoise, entsteht auf einem sanft vom Flussufer ansteigenden Hügel die riesige Klosteranlage.

Ruinen und ihre Geheimnisse

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Zahlreiche Kirchen werden gebaut, drei der berühmtesten keltischen Hochkreuze Irlands erheben sich hier seit mehr als 1200 Jahren über drei Meter hoch in den oft bedeckten Himmel. Die Vielzahl der noch erhaltenen Fundamente und Mauerreste lässt eine Ahnung aufkommen, wie diese Anlage einmal ausgesehen haben muss. Fundierte Informationen bekommt man im Besucherzentrum. Dort sind auch die wertvollsten Funde ausgestellt. Seit einigen Jahren stehen in dem Museum die Originale. Kopien ersetzen die keltischen Hochkreuze. Clonmacnoise erlangt schon wenige Jahrzehnte nach der Gründung einen hervorragenden Ruf. Im Laufe der Zeit kommen Gelehrte aus aller Welt hierhin, um ihr Wissen an junge Mönche weiterzugeben.

Vom achten bis in die Mitte des zehnten Jahrhunderts ist Clonmacnoise für seine Skriptoren berühmt. Tag und Nacht schreiben die Mönche unermüdlich Bücher, kopieren antike Autoren, schmücken und verzieren die auf Pergament verfassten Werke. Die unbekannten Meister perfektionieren die Schriftkunst und die Ausschmückung von Manuskripten. Der Ruf der Goldschmiede von Clonmacnoise geht weit über Irland hinaus. Die hier hergestellten filigranen Kunstwerke aus Gold, Silber und Bronze rufen auch heute noch Erstaunen und Bewunderung hervor.

Geistiges Zentrum

Clonmacnoise hat, wie auch andere irische Klosterschulen, den Rang einer Universität. Neben dem Gälischen wird wie selbstverständlich Lateinisch gesprochen – obwohl die Insel niemals von den Römern besetzt war. Die Mönche schätzen die Lehren der Antike, halten diese in Ehren und verbreiten sie. Viele der Mönche, die von Irland aus in die Welt ziehen, zwischen dem sechsten und zehnten Jahrhundert mehr als 150 Klös-ter außerhalb von Irland gründen und das Christentum auch im Bereich des heutigen Erzbistums Köln verbreiten,  sind in Clonmacnoise ausgebildet worden. Der Erfolg ihrer Missionsreisen hängt auch mit ihrem technischen Wissen zusammen. Wer zum Beispiel den Bewohnern an den Flüssen und Küsten beibringen kann, wie Hochwasserschutz wirksam funktioniert, hat größere Überzeugungskraft als der heidnische Priester, der im Opfern einer Kuh an einen germanischen Gott das einzige Mittel zur Verhinderung von Überschwemmungen sieht.

AdventsZeit 2019 (c) Robert Boecker

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