(c) Robert Boecker

Das Bier aus der Bibliothek

  • 23.09.17 10:46
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

Wer vom Parkplatz der Abtei Marienstatt im Westerwald nahe Altenkirchen, nur wenige Kilometer hinter der Bistumsgrenze, die uralte Steinbrücke Richtung Zisterzienser-Kloster überquert, bekommt eine Ahnung davon, welch große Bedeutung dieses Kloster in seiner Blütezeit wohl hatte.

Klosterschenke als Brauhaus

Drei Fahnen mit der Aufschrift „Marienstatter Klosterbräu – mit allen Sinnen genießen“, lenken den Blick der Besucher auf das erste Gebäude der Klosteranlage, die „Klosterschenke“. „Unser Brauhaus“, nennt es auch Pater Dominikus, der Cellerar, also der Verwalter des Klosters und gleichzeitig der Bier-Beauftragte unter den Zisterziensern der Abtei. Pater Dominikus gehört seit 36 Jahren dem Konvent an. Die Idee, hier wieder Bier zu brauen, hatte vor 13 Jahren Pater Martin, der derzeitige Prior der Abtei. „Eines Tages  fanden wir einen Teil der alten Bier-Rezepturen in unserer Bibliothek“, erzählt Pater Dominikus, „und wir waren uns sehr schnell einig, die hier vor vielen Jahren praktizierte Braukunst unserer Vorgänger wieder aufleben zu lassen.“ Nachdem die dafür notwendigen Gerätschaften wie Malzmühle und Sudkessel angeschafft waren, beauftragten die Mönche 2003 einen Braumeister, auf Grundlage der alten Rezepturen ein neues Bier zu brauen.

Immer neue Biersorten

Das „Marienstatter Klosterbräu“ ist ein naturtrübes, dunkles, untergäriges Landbier. Besonders charakteristisch: sein malziger Geschmack. Ein Naturprodukt mit einer Stammwürze von 12,7 bis 13 Prozent und einem Alkoholgehalt um die 5,5 Prozent, denn die Klosterbrauerei der Abtei verzichtet auf jede Form von künstlicher Klärung, Stabilisierung und Kurzzeiterhitzung. Da die Nachfrage nach dem Stammbier wesentlich größer ist als die Produktionskapazität der eigenen Brauerei mit dem kupfernen 1000 Liter fassenden Sudkessel, wird das „Marienstatter Klosterbräu“ in einer befreundeten Brauerei hergestellt. Jedes andere Bier, das Josefs-Bier, das immer am Namenstag des heiligen Josef auf der Speisekarte steht, das Mai-Bier oder das Schwarzbier entsteht in der rund 50 Quadratmeter großen Brauerei unterhalb der Schenke.

Das Maß macht´s

 (c) Robert Boecker

„Das Brauen ist ein wunderschönes Handwerk,  weil man mit Naturprodukten arbeitet und weil man wohlschmeckende Ergebnisse produzieren darf“, sagt Brauer Siebel und bekommt in dieser Einschätzung sofort Unterstützung von Pater Dominikus. Hin und wieder hilft der Zisterzienser seinem Braumeister und füllt den Sudkessel mit dem vorher in der Malzmühle geschroteten Gerstenmalz.

Kritische Fragen nach der „Einstiegsdroge Bier“ beantwortet Pater Dominikus relativ gelassen. „Es kommt eben auch beim Biertrinken auf das richtige Maß an. Wir wollen nicht, dass sich unsere Besucher hier betrinken, sondern wir wollen ihnen mit unserem Bier eine Freude machen. Und wenn Sie hier eine Haxe essen, dann gibt es einfach nichts Besseres dazu als unser Bier.“

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2018.

Zur SommerZeit 2018 »