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Das Kloster auf dem "zersägten Berg"

  • 17.07.17, 11:50
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Viele Wege führen hinauf zu einer der wichtigsten christlichen Orte Kataloniens. Aber wer mit dem PKW, im Bus, der Seilbahn oder mit der Zahnradbahn „Cremallera de Montserrat“ auf eine Höhe von 721 Metern fährt, fühlt sich plötzlich so winzig - angesichts der mächtigen Klosteranlage inmitten des noch viel mächtigeren Gebirges Montserrat. Zum Glück packten viele stolze Katalanen beim Wiederaufbau des spätmittelalterlichen Klosters mit an, nachdem es 1811 von den Truppen Napoleons zerstört wurde. Spätestens nach dem Papst Leo XIII. 1881 sie zur päpstlichen „Basilica minor“ erhob, ist die Klosteranlage Santa Maria de Montserrat mit den Jahren immer bedeutender geworden. Spiritueller Fixpunkt ist die aus dem 12. Jahrhundert stammende Mariendarstellung „Unsere Liebe Frau von Montserrat“, die die Katalanen nur liebevoll „La Moreneta“ („Die Braune“) nennen. Eigentlich ist sie aber doch eher schwarz. Zwei bis drei Millionen Besucher jährlich wollen die Schutzpatronin Kataloniens sehen, der bis heute Wunderdinge zugesprochen werden. Ihr zu Ehren erklingt in der Basilika der Klosteranlage täglich zur Mittagszeit das Marienlied Virolai, das von der Escolania de Montserrat gesungen wird - einem Knabenchor, der 1307 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird und damit zu den ältesten Europas gehört.

Lebendiges Ordensleben

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Im Kloster leben derzeit 80 Mönche, die neben den Touristenströmen auch das Museum des Klosters betreuen und die kostbaren Gemälde von El Greco, Caravaggio, Luca Giordano, Claude Monet, Pablo Picasso und Salvador Dalí bewachen. Außerdem verwalten sie die Bibliothek und damit rund 200.000 Bücher. Das sind nicht nur religiöse Werke, sondern auch solche, die sich mit der katalanischen Kultur und Sprache beschäftigen. Und die galt es zu verteidigen.

So leistete das Kloster zur Zeit der Franco-Diktatur aktiv Widerstand. Trotz Androhung von Repressalien sprachen die Mönche weiterhin Katalanisch und hielten auch Messen in der „verbotenen“ Sprache. Außerdem versteckten sie mehrere hundert Verfolgte des Franco-Regimes. Das bezahlten mehr als 20 Mönche mit ihrem Leben. Aber eben dieser Widerstand machte das Kloster zu einem wichtigen Symbol der stolzen katalanischen Seele und ihres Kampfes gegen die Unterdrückung durch die Spanier. Die Katalanen sind dafür noch heute dankbar.

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