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Das Lourdes von Brasilien

  • 08.05.17 17:51
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Das erste von zwei Wundern, das bis heute nachwirkt und Aparecida für so viele Katholiken Südamerikas zu einem der beliebtesten Wallfahrtsorte macht, liegt fast 300 Jahre zurück. 1717 sollen drei Fischer ihr Fangglück auf dem Paraíba-Fluss versucht haben. Es war eine fischarme Zeit und trotz großer Mühe war der Ertrag für Domingos Garcia, Filipe Pedroso und João Alves stundenlang gleich Null. Bis sie in ihren Netzen eine kleine Terrakottafigur ohne Kopf entdeckten. Sie warfen die Netz abermals aus und fanden nach erneutem Einholen den Kopf der Figur. Kurz darauf wimmelte es im Paraíba-Fluss nur so von Fischen und am Abend fuhren die drei Fischer mit einem vollen Boot nach Hause. So erzählt die Legende.

Madonnen-Magie

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Die Fischer klebten den Kopf auf den Rumpf der schwarzen Figur und erkannten in ihr die im portugiesischen Kolonialreich hoch verehrte Muttergottes „Nossa Senhora da Conceição“. Fischer Filipe Pedroso baut für sie eine kleine Hauskapelle und seitdem zieht „Nossa Senhora“ die Menschen magisch an. Viele Krankenheilungen und reiche Ernten werden ihr seitdem zugeschrieben. Angesichts der zunehmenden Besucherströme lässt der Dorfpfarrer 1745 auf dem Hügel über dem Fluss eine Kapelle bauen. Im Jahr 1790 ereignet sich dann das zweite große Wunder. Dem in Eisenketten gefesselten Sklaven Zacarias lösen sich beim Beten vor der Statue wie von Geisterhand die Ketten. Sein Herr, bewegt von dem Geschehen, schenkt dem Sklaven daraufhin die Freiheit.

Der Verehrung von „Nossa Senhora Aparecida“, wie sie fortan genannt wird, folgen 167 Jahre später die Anerkennung von Krone und kirchlicher Hierarchie. Eine erste große Kathedrale, die heute als alte Basilika bekannt ist, wird gebaut. 1930 erklärt Papst Pius XI. Nossa Senhora Aparecida zur Königin und Schutzherrin von Brasilien. 1955 beginnt man mit dem Bau der heutigen Basilika, die 1980 von Papst Johannes Paul II. eingeweiht wird. 1984 ernennt die Brasilianische Bischofskonferenz Aparecida zum Nationalheiligtum. Soweit die Fakten.

Mystischer Ort und Kirche der Superlative

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Aber Aparecida ist mehr als eine riesige Anlage mit Krankenstation, Pilgerherbergen und Räumen zum Gebet und zur Meditation. Trotz der Besucherströme hat sich dieser Ort bis heute eine besondere berührende Spiritualität und mystische Anziehungskraft erhalten. Die Menschen bitten bei der „Großen Mutter“ um Gesundheit, Eheglück, Kindersegen, Arbeit und danken für die Erhörung ihrer persönlichen Bitten. Davon zeugen die zahlreichen Gaben in den Vitrinen der Unterkirche: Brautkleider, Schul- und Universitätsdiplome liegen hier, aber auch Waffen, die mit dem Versprechen abgegeben wurden, zukünftig friedlich und ohne Hass zu leben. In den letzten 50 Jahren hat sich Aparecida zum größten marianischen Wallfahrtsort der Welt entwickelt.

Alleine am 12. Oktober, dem Fest der Gottesmutter und einem Nationalfeiertag in Brasilien kommen jedes Jahr 200.000 bis 300.000 Besucher. Mit ihren Maßen von 173 Metern Länge, 168 Metern Breite und einer Kuppelhöhe von 70 Metern ist die Wallfahrtskirche die zweitgrößte katholische Kirche. In die Basilika passen insgesamt über 45.000 Menschen. Allein der Parkplatz hat eine Fläche von 272.000m². 4.000 Busse und 6.000 Autos können hier parken. Die Basilika verfügt darüber hinaus über die größte Kirchturmuhr der Welt.

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