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Das Web ökumenisch machen

  • 18.05.21, 16:42
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Digital und dezentral war das Format des 3.Ökumenischen Kirchentages. Es war das einzig Richtige in diesen Zeiten der Pandemie, die Kirchentagsaktivitäten weitestgehend ins Netz zu verlagern. So war es dieses Mal zum ersten aber hoffentlich nicht zum letzten Mal – warum „nach Corona“ wieder rein physisch und analog den Glauben feiern und Zeitfragen diskutieren, wenn auch digital längst so einiges und noch viel mehr geht? Kirche, vor allem im ökumenischen Plural, hat im Web noch viel Potenzial, um Gott auch online Raum zu geben. Das haben die Kirchen auch begriffen. Nicht erst der ÖKT zeigt nämlich, dass sich Christinnen und Christen intensiv darüber Gedanken machen, wie sie es mit der Religion im World Wide Web halten.

Großes Angebot der Institutionen

Dazu nur zwei Schlaglichter: Auf katholischer Seite hat beispielsweise die Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz das Thema im Visier und aktuelle Thesen zur Digitalität, zur „Technik im Dienst des Geist-begabten und Selbst-bewussten Menschen“ im Angebot. Einen großen Coup, der auch außerkirchlich gewürdigt wurde, hat außerdem die Evangelische Kirche mit ihrer jüngsten Denkschrift gelandet: Im Sinne von Innovation durch Tradition in Gestalt einer Digitalisierung der guten alten Zehn Gebote bietet das Online-Dokument mit eigener Themenseite fundierte ethische Leitlinien zum Thema. Die biblischen Weisungen werden hier stimmig als eine ethische Grundorientierung zu Themen wie Social Media, Fake-News, Pflegeroboter, Dating-Apps u.v.m. verheutigt. Auch Nichtglaubende können hier die eine oder andere Anregung zum Nachdenken finden.

Viel digitaler Einsatz an der Basis

Engagierte Kirchenmitglieder können und wollen über heutige Kulturen der Digitalität aber nicht nur theologisch und ethisch nachsinnen, sondern Menschen auch weit über gestreamte Gottesdienste hinaus ganz praktisch mit dem Himmel „connecten“: Im Rahmen der ÖKT-Diskussionsrunde „Gemeinsam im Netz“ sind unter dem Motto „Technologie kennt keine Konfessionen“ bemerkenswerte Best-Practice-Beispiele vorgestellt worden. Im Folgenden zwei davon: Die evangelische Pfarrerin Christina Biere präsentierte als Mitinitiatorin das Projekt „Global Ecumenical Hangout“. Gegründet zu Beginn der Coronapandemie im März 2020 wird hier via Zoom ein digitaler ökumenischer Raum für gemeinsamen Austausch, Reflexion und gegenseitige Unterstützung eröffnet. Das zweite Praxisbeispiel kommt von dem katholischen Pastoralreferenten Felix Goldinger. Dieser hat sich dem Aufbau einer Netzgemeinde in den digitalen Messengerdiensten WhatsApp und Co. verschrieben. Es zeigt sich: Das Internet ist schon lange ein besonders fruchtbarer „Weinberg des Herrn“ (Mt 20,1–16), der von den Kirchen bereits ordentlich bearbeitet wird, auf dem es aber auch weiterhin viel zu tun gibt, will man reiche Frucht ernten: „Geht auch ihr in meinen Weinberg!“ Zu hoffen ist, dass der erste digitale Ökumenische Kirchentag weitere Christinnen und Christen dazu angeregt hat, Glaube, Hoffnung und Liebe kreativ ins Netz zu bringen.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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