Das

Das "Richterfenster" oder die Symphonie des Lichts

  • 30.05.16 10:13
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

113 m² groß, 11.263 Farbquadrate mit den Maßen 9,6 cm x 9,6 cm in 72 Farben – das sind die nackten Fakten eines Fensters, das einmalig ist. Wenn die Sonne richtig steht und durch das so genannte Richterfenster den Altarraum des Kölner Doms in ein faszinierend farbiges Licht taucht, dann ist nahezu jeder Besucher begeistert und berührt zugleich. Als es am 25. August 2007 im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes eingeweiht wurde, war das nicht unbedingt so. „Ein Geniestreich“, schwärmten die einen. „Ein historischer Fehlgriff sondergleichen“ erbosten sich die anderen. Mittlerweile haben fast alle Kölner „dä Lappemann“, wie sie liebevoll das „Richterfenster“ nennen, ins Herz geschlossen. Der ehemaligen Dombaumeisterin Prof. Barbara Schock-Werner und dem derzeitigen Bischof von Würzburg, Dr. Friedhelm Hofmann ist es zu verdanken, dass der Kölner Dom ein Werk eines der bedeutendsten Künstler Deutschlands sein eigen nennen darf. Von den 370.000 Euro Herstellungskosten, die durch etwa 1200 Spender finanziert wurden, erhielt Gerhard Richter keinen einzigen Euro. Er wollte kein Honorar.

72 aus 800

Aus einer Palette von 800 Farben wählte Richter die 72 aus, die in den mittelalterlichen Fenstern des Doms und denen des 19. Jahrhunderts verwendet wurden. Die Anordnung ist willkürlich. Per Zufallsgenerator wurden die Farbquadrate verteilt. Vorgegeben waren lediglich Wiederholungen und Spiegelungen. Nur an wenigen Stellen hat Gerhard Richter die Verteilung korrigiert. „Ich habe mich selbst eher zurückgenommen“, sagt Richter. „Ich wollte, dass das Fenster etwas Selbstverständliches hat, etwas Alltägliches“, jedenfalls sollte es kein „Farbrausch“ werden. „Nicht zu warm, nicht zu kalt“ sollte das Licht sein, „zurückhaltend“, am besten „so neutral wie es geht“. Das ist ihm in gelungen. Das räumen selbst Kritiker des „Richterfensters“ ein. Fans, wie der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff, sind nach wie vor fasziniert: „Dieses Fenster stellt nichts Religiöses dar“, sagt er, „aber eine Herausforderung des Sehens. Es regt zur Stille an, es schafft ein von Farben schillerndes Licht, es animiert, beseelt, regt zur Meditation an und schafft ein Flair, das für das Religiöse öffnet.“ Vor allem dann, wenn die Sonne richtig steht.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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