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Der Diplomat

  • 23.07.17 10:56
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Nach Abschluss seiner Schullaufbahn auf dem Elite-Internat, studiert Kofi Annan zuerst in seiner Geburtsstadt Kumasi vier Semester Volkswirtschaftslehre. Auch hier erwirbt er sich schnell den Respekt von Kommilitonen und Professoren gleichermaßen, wird schnell in die Studentenvertretung gewählt und ist wenig später bereits Vize-Präsident der nationalen Studentenorganisation Ghanas. In dieser Funktion kommt er 1958 nach Sierra Leone und erregt Aufmerksamkeit bei einem Amerikaner, Mitglied der „Ford-Stiftung“. Er empfiehlt Kofi Annan ein Auslandsstudium in den USA und ermuntert ihn, sich für ein Stipendium zu bewerben. Das klappt. Zwar nicht an eine der renommiertesten Universitäten wie Yale, UCLA oder gar Harvard, sondern an dem eher unbekannten College Saint Paul in Minnesota, aber er freut sich auf das Abenteuer – nicht wissend wie kalt es in Minnesota werden kann. Aber bis auf diesen Umstand, lebt er sich schnell ein. Der religiöse Hintergrund, den das Saint Paul-College in Macalester hat, stört den gläubigen Christen nicht im Geringsten, im Gegenteil. Dass auf seinem College Werte wir Gemeinschaft, Ehrlichkeit, Liberalität und Nächstenliebe großgeschrieben werden, gefällt Kofi Annan. Er fällt auf, nicht nur deshalb, weil damals in den 1960er Jahren nicht viele Schwarze an einem College in den USA studieren, sondern wegen seiner freundlichen, zugewandten Art, seiner Klugheit und seinen sportlichen Leistungen. Er stellt über 60-Yards sogar einen Sprintrekord auf, der mehr als zehn Jahre Bestand haben soll.

Globetrotter schon als Student

Kofi Annan ist neugierig. Auf andere Menschen, andere Länder, andere Kulturen. Das zeichnet seine Zeit als UN-Generalsekretär aus, aber zeigt sich schon in Studentenjahren, in denen er beispielsweise in Genf einige Auslandssemester verbringt. Mit seinem Eintritt in die UN bereits 1962 wird sein Fernweh noch verstärkt. Er beginnt als Verwaltungs- und Finanzfachmann bei der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Richtig raus an die Basis darf er aber erst, als er die WHO wieder verlässt und ein Angebot von der UN-Wirtschaftskommission bekommt, wieder zurück nach Afrika zu gehen. Aber nicht ins heimatliche Ghana, sondern nach Äthiopien, in die Hauptstadt Adis Abeba. Von 1965 bis Anfang der 1970er Jahre bleibt Kofi Annan mit seiner jungen Ehefrau Titi dort, immer mal wieder unterbrochen durch Fortbildungen im Hauptquartier der UN in New York. Nachdem er 1972 sein Studium endgültig abschließt, stehen ihm auch deshalb bei den Vereinten Nationen gleich mehrere Türen offen. Er hätte aber auch als Manager in die freie Wirtschaft gehen können und ein Vielfaches mehr verdient. Aber er entscheidet sich für die UN. „Ja, es waren idealistische Motive“, sagt er später, aber „bei den Vereinten Nationen zu arbeiten, ist mehr als nur ein Job. Es ist eine Berufung.“

Karrierebeginn mit Mitte 40

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Erste Mission in verantwortungsvoller Position war für Kofi Annan im Jahr 1980 seine Tätigkeit als Personalchef des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Zurück in Genf ist er jetzt verantwortlich für rund 2000 Mitarbeiter. Die Organisation war schnell gewachsen, weil das Flüchtlingsproblem immer größer wurde.

Aus Südostasien kamen die sogenannten „Boat People“, aus Somalia flohen die Menschen vor dem Bürgerkrieg und aus Lateinamerika kamen chilenische Flüchtlinge, die sich vor Diktator Pinochet in Sicherheit bringen mussten. Kofi Annan bringt System in das zwischenzeitliche Chaos bei der UNHCR. Privat läuft es dagegen nicht gut bei ihm und seiner Frau 1983 wird die Ehe zwischen Kofi und Titi Annan geschieden. Bereits ein Jahr später lernt er Schwedin Nane Lagergren kennen, die als Juristin bei der UNHCR arbeitet. 1984 heiraten beide, in der UN-Kapelle in New York, dem neuen Arbeitsplatz Annans. Bis heute sind sie „ein glückliches Paar“ wie sie immer wieder sagen.

Lesen Sie am 12. August Teil 3 unseres Porträts über Kofi Annan.

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